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Doppelgänger im Netz Schäden durch Website-Klone: Wie Betriebe richtig reagieren

Website-Klone können Handwerkern ihre Sichtbarkeit bei Google kaputt machen und ihrem guten Ruf schaden. Wie Betriebe einen Angriff erkennen und im Ernstfall richtig reagieren.

Die Internetseite der Deutschen Bank, des Bundeswirtschaftsministeriums und hunderte andere namhafte deutsche Websites konnte man in den vergangenen Monaten gleich doppelt oder dreifach im Netz finden. Betroffen sind auch viele Internetseiten im Handwerksumfeld – ob Verbände, Kammern oder Medien. Einige dieser Seiten sind immer noch aktiv und täglich kommen neue hinzu. Auch ein Website-Klon der Deutschen Handwerks Zeitung ließ sich über eine kurze Suche bei Google finden und entfernen.

Klone tummeln sich bereits seit geraumer Zeit im Netz. "Dass Dritte die Inhalte einer Webseite kopieren und unter einer anderen Web-Adresse veröffentlichen ist kein neues Phänomen", sagt Marc Bachmann, IT-Sicherheitsexperte beim Digitalverband Bitkom. Technisch sei es relativ leicht, einen solchen Klon zu erzeugen, der zumindest auf den ersten Blick dem Original entspreche.

Fälschung vor dem Original

Neu ist allerdings die Ausprägung von Website-Klonen im Handwerksumfeld. Alfons Oebbeke, Chefredakteur des Bauportals baulinks.de, stieß im April dieses Jahres bei einer üblichen Google-Recherche auf einen Klon seiner Seite mit der Länderkennung von Gabun.

Unter der Adresse ilenaa.ga waren sämtliche Inhalte des Bauportals verfügbar. Besonders ärgerlich: Die Artikel der geklonten Website tauchten in den ­Suchergebnissen von Google teilweise vor den originären Inhalten auf. Die Suchmaschine listet den Klon offenbar aufgrund seiner Aktualität besser als das Original.

Die Auswirkungen auf die Sichtbarkeit von baulinks.de sind bis heute noch spürbar. "Der Reputationsverlust im Google-Index kann sehr nachhaltig sein: Alte Positionen in den Suchergebnissen kommen nach der Attacke nur sehr schleppend zurück", sagt Oebbeke.

Doch welchen Nutzen hat der Klon-Betreiber davon, eine seriöse Webseite zu kopieren? "Ziel ist es, Internetnutzer, die nach Inhalten der kopierten Seiten bei Online-Suchmaschinen recherchieren, auf die Klon-Seite zu lotsen", sagt Marc Bachmann von Bitkom. Dort könne dann Verschiedenes passieren: Entweder werde Werbung eingeblendet und daran verdient oder es würden Links zu renommierten Online-Shops integriert und eine Provision für dann getätigte Käufe eingestrichen.

"Womöglich soll über den Web­site-Klon aber auch Schadsoftware auf den PC des Internetnutzers eingeschleust werden", sagt Bachmann. Zudem ersetzen einige der Klone mit der Zeit die kopierten Inhalte durch Werbung für Partnervermittlungen und Erotikportale.

Kleine Betriebe weniger betroffen

Besonders beliebt bei den Klon-Betreibern sind Websites, die aufgrund ihrer Bekanntheit, ihres Renommees und ihrer Größe (mit tausenden Unterseiten) ganz vorne in den Ergebnissen der Suchmaschinen auftauchen. Die einfache Formel lautet: Je mehr Besucher ein Internetportal zählt, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch der Klon gut besucht wird.

Internetauftritte von kleineren Handwerksbetrieben dürften für die Angriffe daher weniger attraktiv sein und ein möglicher Schaden überschaubar bleiben, glaubt Oebbeke. Er rät dennoch zur Wachsamkeit: "Gleichwohl sollten sich auch diese Handwerker dafür interessieren, in welchem Umfeld ihre Texte und die darin enthaltenen Namen sowie Fotos von Referenzen, Kunden oder Mitarbeitern auftauchen."

Ob es von der eigenen Website einen Doppelgänger im Netz gibt, ist für Handwerker durch eine Recherche in den Suchmaschinen festzustellen. Einen Hinweis auf einen Klon kann die Auswertung der Klickzahlen und der Sichtbarkeit der Website über ein Statistikprogramm liefern. Sind die Zahlen ohne nachvollziehbaren Grund deutlich gesunken, könnte ein Klon dahinterstecken.

Alfons Oebbeke und sein Team von baulinks.de haben den gefundenen Klon zum Anlass genommen, um nach weiteren betroffenen Internetseiten im Bauumfeld zu suchen. Über Suchbegriffe wie "Frauen suchen junge Männer Energieeinsparverordnung" stießen sie auf zahlreiche weitere Klone. Hilfreich war ihnen auch die Bildersuche von Google. Jedes Bild eines Artikels besitzt eine eigene URL. So können von den Klonen kopierte Bilder im Netz schnell gefunden werden.

Keine rechtliche Handhabe

Ein Klon lässt sich meist mit wenigen Schritten lahmlegen (siehe Kasten). Alfons Oebbeke hat außerdem beobachtet, dass "sich das Problem aus technischer Sicht mittel- bis längerfristig von selbst löst". Die von der Original-Webseite kopierten Inhalte würden mit der Zeit durch unseriösen Inhalte ersetzt , so dass die Relevanz des Klons bei Google sinkt.

Vorbeugenden Schutz gibt es allerdings nicht, weiß Marc Bachmann von Bitkom. "Grundsätzlich kann man sich gegen eine solche Kopie der eigenen Website kaum schützen."

Fast aussichtlos ist es, die Betreiber der Klone rechtlich zu belangen, auch wenn diese mehrfach Urheberrechte verletzen. Neben den Texten der seriösen Website werden nämlich auch bei der Kopie der Bilder zahlreiche Verstöße begangen.

In der Regel werden die Domains der Klone kostenlos und damit praktisch anonym registriert. Viele Klon-Betreiber arbeiten zudem mit einem verzweigten Firmengeflecht und sitzen unerreichbar im Ausland.

Auch Alfons Oebbeke ist den Klon von baulinks.de losgeworden und prüft nun noch wachsamer als zuvor die Sichtbarkeit bei Google.

Einen ausführlichen Artikel mit einer Liste von Klonen hat baulinks.de ­unter bau.st/klone zusammengestellt

Klon: So werden Sie ihn los

  • IP-Adresse des Klons auf dem eigenem Webserver sperren, damit der Klon nicht mehr auf die Inhalte zugreifen kann.
  • Host der Klon-Website ausfindig machen (z.B. über United-Domains) und um Sperrung der Website bitten.
  • Urheberrechtsverletzung an Google melden (z. B. über Google Search Console, ehemals Webmaster Tools), damit die Seite nicht mehr in den ­Suchergebnissen erscheint.
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