Bayerischer Handwerkstag -

Handwerkskonjunktur Sattes Umsatzplus

Die Stimmung in den Handwerksbetrieben in Bayern war auch im 3. Quartal 2018 ausgezeichnet. Insgesamt 63 Prozent der Befragten bezeichneten ihre Lage als gut, weitere 31 Prozent als befriedigend.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbesserte sich die Stimmung leicht um einen Punkt. Der Gesamtwert von 94 Punkten ist der höchste Wert, der seit der Wiedervereinigung in einem Sommerquartal erreicht wurde. Der Aufschwung hat jedoch auch seinen Preis. „Immer mehr Indikatoren stagnieren, die Auslastung der Betriebe ist kaum mehr steigerungsfähig.

Stärkeres Wachstum wäre nur noch durch einen kräftigen Beschäftigungsaufbau möglich. Aufgrund des herrschenden Fachkräftemangels ist dies aber nahezu ausgeschlossen“, betont Franz Xaver Peter­anderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT).

Kapazitätsauslastung bei 84 Prozent

Die Kapazitätsauslastung der bayerischen Handwerksbetriebe stieg im Berichtszeitraum um einen Punkt auf 84 Prozent. Der Auftragsbestand kletterte im Vorjahresvergleich um 1,1 auf 9,7 Wochen. Das ist der höchste Wert für ein 3. Quartal seit 1991. Nach einer BHT-Hochrechnung wurden im bayerischen Handwerk zwischen Juli und September etwa 30,8 Milliarden Euro umgesetzt.

Der BHT-Präsident: „Das ist ein sattes Plus von nominal 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einen Teil dazu trug auch der Anstieg der Handwerkerpreise von durchschnittlich 2,8 Prozent bei. Allerdings liegt dieser nur leicht oberhalb der Inflation. Nach Abzug der Preissteigerung verbleibt im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von etwa vier Prozent.“

Ende September waren rund 954.600 Personen im bayerischen Handwerk tätig. Das ergibt einen leichten Beschäftigungszuwachs von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wegen der Schwierigkeiten bei der Akquise von Fachkräften investiert das Handwerk im Freistaat schon das gesamte Jahr über auch anderweitig: 33 Prozent berichteten im 3. Quartal von größeren Anschaffungen, genauso viele wie vor Jahresfrist.

Nach BHT-Schätzungen wurde zwischen Juli und September ca. eine Milliarde Euro für neue Fahrzeuge, Maschinen und Gebäude ausgegeben. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 3,4 Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe sank im Berichtszeitraum um 0,2 Prozent auf 202.500.

„Die Wachstumsprognosen für die Gesamtwirtschaft werden langsam nach unten korrigiert. Das Handwerk folgt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung immer mit einiger Verzögerung und befindet sich dementsprechend noch in der Hochphase. Diese wird auch im Schlussquartal des laufenden Jahres anhalten“, prognostiziert Peteranderl.

Vor allem die großen Auftragspolster sorgen in weiten Teilen des Handwerks für Sicherheit. Für das Gesamtjahr rechnet das bayerische Handwerk mit einem nominalen Umsatzplus von 6,1 Prozent. Die Beschäftigung dürfte um 0,9 Prozent steigen, die Investitionen um 4,1 Prozent zulegen. Bei der Zahl der Handwerksbetriebe dürfte es so gut wie keine Veränderung geben.

An die neue Staatsregierung formuliert der BHT-Präsident folgende Forderung: „Wir setzen darauf, dass die wirtschaftsfreundliche Politik fortgesetzt wird. Sie ist für die Handwerksbetriebe die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Gerade wenn die Wirtschaft brummt, die Steuern sprudeln und die Sozialkassen gut gefüllt sind, müssen die richtigen Weichen gestellt werden.“

Peteranderl nennt als wichtige Punkte die Förderung der beruflichen Bildung und den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Bürokratie müsse abgebaut und die Betriebe bei Steuern und Abgaben entlastet werden. Weitere wichtige Punkte für das bayerische Handwerk sind eine sichere und preisgünstige Energieversorgung, eine handwerksfreundliche Landesentwicklung, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und bezahlbare Gewerbeflächen.

Peteranderl betont: „Von einem stabilen und starken Bayern profitieren nicht nur die Menschen im Freistaat, sondern in ganz Deutschland: Ohne ein wirtschaftlich starkes Bayern fehlt der deutschen Konjunkturlokomotive ordentlich Dampf.“

BHT begrüßt Initiative zur Meisterpflicht

Der BHT-Präsident begrüßt ausdrücklich die im September von der bayerischen Staatsregierung in den Bundesrat eingebrachte Initiative zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in verschiedenen Handwerksberufen. „Der Meisterbrief sichert nicht nur eine hochwertige Ausbildung, er ist auch ein Qualitätssiegel für die Kunden.“ Im Jahr 2004 hatte die damalige Rot-Grüne-Bundesregierung gegen den Widerstand des Handwerks die Meisterpflicht in 53 Gewerken abgeschafft, u.a. bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern, den Rollladen- und Sonnenschutztechnikern oder den Raumausstattern.

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