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Dachdeckermeister Ludwig Held berichtet Sanierung des Frankfurter Doms: "Das ist für die Ewigkeit"

Seit Jahrhunderten prägt er das Frankfurter Stadtbild und steht den Bankentürmen der Skyline sinnbildlich an der Seite: der Frankfurter Dom. Um den Erhalt des geschichtsträchtigen Bauwerks kümmern sich seit Generationen Handwerker unterschiedlichster Gewerke. Einer von ihnen ist Dachdeckermeister Ludwig Held. Als Sachverständiger hat er aktuell ein Auge darauf, dass bei der Sanierung des Domdaches alles fachgerecht läuft.

In 30 Meter Höhe wird alles relativ. Die neue Altstadt? Bunte Schuhkartons. Der Main? Ein blaues Band, das im Sonnenlicht glitzert. Ludwig Held lächelt. "So einen Arbeitsplatz hat nicht jeder."

Zielstrebig bewegt er sich auf den Gerüstbohlen vorwärts. Bleibt dann stehen, zückt die Kamera, kneift die Augen zusammen und zieht den Zollstock aus der Tasche. Sein Arbeitsgerät in luftiger Höhe. Der 55-Jährige überprüft, ob die Schieferplatten sitzen. Ordnungsgemäß. Schließlich sollen sie Jahrzehnte dafür sorgen, dass die Dombesucher im Trockenen bleiben.

Am Frankfurter Dom wird aktuell das Dach saniert. Vergangenes Jahr wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Jetzt läuft der zweite Bauabschnitt. Rund 1.000 Quadratmeter Dachfläche werden erneuert. Altersbedingt, sagt Held. Und wegen der Bauauflagen im Sinne von Brandschutz und Statik. Und alles im Sinne des Denkmal­schutzes. Macht 40 Tonnen Schieferplatten. Aus Spanien kommt der dunkelgraue Stein. Ein Spezialkran sorgt dafür, dass er in luftiger Höhe ankommt. Das Sondergerüst, das speziell für die Anforderungen des Frankfurter Domdaches konstruiert wurde, garantiert Sicherheit.

Arbeit an historischem Wahrzeichen macht stolz

Drei Dachdecker sind bei der Arbeit, setzen Schieferplatten auf, nageln sie fest. Routiniert. Der Werkstoff ist ihr Alltagsgeschäft. Aber dass sie am Frankfurter Dom mitarbeiten, dem jahrhundertealten Wahrzeichen, in dem deutsche Könige gewählt und römische Kaiser gekrönt wurden, macht sie dann doch ehrfürchtig. "Das haben wir nicht jeden Tag", sagen sie.

“Das ist für die Ewigkeit“

Ludwig Held nickt. Er ist mit dem Dachdeckerhandwerk aufgewachsen, lernte es von Pike auf. Sein Großvater gründete in Reinheim den ­Familienbetrieb. Der Vater führte das Unternehmen weiter und passte es den Herausforderungen der Zeit an. Ludwig Held spezialisierte sich, ­bildete sich zum Sachverständigen weiter und weitete diese Tätigkeit zunehmend aus. "Das war genau richtig für mich", sagt er. "Ich bin mit ­meinem Handwerk in meinem Beruf als Sachver­ständiger unterwegs und habe jetzt einen ganz anderen Bezug zu meinem Gewerk."

Als Sachverständiger ist er immer wieder gefragt, wenn Stadt oder Bauleitung Anfragen haben, wenn sich ein Bauabschnitt dem Ende entgegenneigt . Oder wenn es um Schnittstellen zu anderen Gewerken geht. "Wenn unterschiedliche Gewerke aufeinandertreffen, beispielsweise Steinmetz und Dachdecker, ist besonderes Augenmerk wichtig, ob die Übergänge wirklich fachgerecht ausgeführt worden sind", sagt Held.

Was er auf dem Frankfurter Domdach sieht, macht ihn stolz. "Hier oben passiert Meisterliches", sagt er und zeigt auf eine Gaube. Der Fußgänger unten auf der Straße nimmt diese nur als unscheinbaren grauen Punkt wahr. Oder gar nicht. "Aber hier oben sieht man: Das ist echte Meisterarbeit." Stolz schwingt in seiner Stimme. "Der Frankfurter Dom ist ein Kulturdenkmal. Jeder Handwerker, der hier mitarbeitet, egal ob Dachdecker, Maler, Steinmetz oder Klempner, kann sagen, er hat eine Meisterleistung vollbracht. Das ist für die Ewigkeit."

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