Sächsischer Handwerkstag -

Interview mit Kultusminister Christian Piwarz (CDU) Sachsen will mit 22,5 Millionen Euro die Oberschulen stärken

Rund 22,5 Millionen Euro will der Freistaat bis 2021 investieren, um die Oberschulen zu stärken. Dazu ein Gespräch mit Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

DHZ: Mit dem Maßnahmenpaket soll die duale Ausbildung stärker in den öffentlichen Fokus gerückt werden. Wie soll das passieren?

Piwarz: Mit der Social-Media-Kampagne „Zukunftsschmiede Sachsen“ sollen vor allem die Schüler der Oberschulen erreicht werden. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesschülerrat und Firmenvertretern finalisiert und bezieht die bereits existierenden Elemente der beruflichen Orientierung in Sachsen wie „Komm auf Tour“ ein. Die Kampagne soll vor allem über ­Instagram laufen. Zu Beginn des neuen Schuljahres soll eine erste große Werbekampagne erfolgen.

DHZ: Zentrales Anliegen des Handwerks ist die frühzeitige Berufsorientierung. Inwieweit wird diese mit dem Programm ausgebaut?

Piwarz: Es werden kurzfristig verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhöhen. Dazu wird u. a. das Projekt Praxisberater ab 2019 schrittweise und nach Bedarf ausgebaut. Damit werden wir die Oberschulen im Bereich der beruflichen Orientierung personell und sächlich in erheblichem Umfang unterstützen, denn der Praxisberater ist ein kontinuierlicher Ansprechpartner in Vollzeit an einer Oberschule für Schüler, Eltern, Fach- und Klassenlehrer, aber auch für Unternehmen und Kooperationspartner der Schule. Ziel ist, dass perspektivisch an jeder Oberschule ein Praxisberater tätig ist.Weiterhin soll die Berufseinstiegsbegleitung weitergeführt werden. Diese hat sich an Förder- und Oberschulen als wirksames und erfolgreiches Unterstützungsinstrument bewährt, um abschlussgefährdete Jugendliche zum Schulabschluss und in eine duale Berufsausbildung zu bringen.Weitere Maßnahmen sind u. a. die Überführung der „Dualen Berufsausbildung mit Abitur“ (DUBAS) und des bisherigen Schulversuchs „Gestrecktes Berufsvorbereitungsjahr“ in die Regelausbildung ab dem Schuljahr 2018/19. Berufsschulpflichtige Schüler mit auswärtiger Unterbringung sollen zudem für erhöhte Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung besser unterstützt werden. Der derzeitige Zuschuss von mindestens acht Euro pro Tag soll auf mindestens 16 Euro ab 1. August erhöht werden.

DHZ: Weiteres erklärtes Ziel der Regierung ist es, Ausbildungsabbrüchen entgegenzuwirken. Wie wollen Sie das bewirken?

Piwarz: Dieses Problem können wir nur lösen, wenn wir Kinder und Jugendliche besser auf ein Leben nach der Schule vorbereiten. Schüler brauchen eine langfristige und systematische berufliche Orientierung – nicht nur an Oberschulen, sondern auch an Gymnasien. Das Kultusministerium hat daher zusammen mit der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit die Kernziele für die berufliche Orientierung in den verschiedenen Schularten und einzelnen Klassenstufen aktualisiert, die Bausteine für die Berufsorientierung überarbeitet und für das Gymnasium neu erarbeitet. So beginnt am Gymnasium die Berufs- und Studienorientierung ab August mit der beruflichen Frühorientierung in Klasse 5 und 6 und wird kontinuierlich bis zur Jahrgangsstufe 12 fortgeführt. Mit einem Handbuch haben wir ein neues Unterstützungsangebot für Gymnasiallehrer erarbeitet. Dieses ist ein wichtiger Impuls, um die Schüler im beruflichen Orientierungsprozess stärker zu begleiten und die berufliche Beratung an den Gymnasien weiter auszubauen. Zudem arbeiten Bund und Freistaat eng zusammen. So stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2018 bis 2020 Fördermittel von rund 12,7 Millionen Euro für Maßnahmen der Berufsorientierung in Sachsen bereit, u. a. zur Förderung von Werkstatttagen, Potenzialanalysen, Schülerfirmen sowie „Schau rein! Woche der offenen Unternehmen“.

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