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Rom im Herbst

Die Ewige Stadt bietet Urbanität im klassischen Sinne, gelebte Spiritualität in den unzähligen Kirchen für Gläubige gepaart mit dem jahrtausende alten Flair einer Metropole.

Rom im Herbst
Blick von der Peterskuppel über die ewige Stadt. -

"Nach Rom, nach Rom!", riefen die Kinder begeistert, als die Pläne für die Herbstferien verkündet wurden. "Lohnt sich die lange Reise von über 1500 Kilometern für eine Strecke von Berlin aus, wenn wir nur knapp zwei Wochen Zeit haben?", zweifelte die Mutter anfangs noch. Immerhin, war keine Flugreise geplant, sondern eine Anreise mit dem Wohnmobil.

Aus diesem Grund fuhren wir in mehreren Tagesetappen gen Süden. Das hatte im Vergleich zum Flug auch seine Vorteile: kein lästiges Einchecken, Umsteigen oder Warten auf verspätete Flugzeuge einerseits. Andererseits gleitet der Reisende im Auto, wenn er die Route auf der Autostrada nicht durchrast, sondern reist ganz sichtbar und mental durch die verschiedenen Landschaften. Sahen wir unterwegs in Bayern die Kastanien, Eichen oder Birken mit ihrem herbstlichen Blätterschmuck noch in goldenen Farben, so fanden wir nach dem Brenner, hinter den Alpen, noch das satte Grün des Spätsommers: blühende, leuchtende Sträucher, rote Rosen sowie Zitronen, und Palmen. In den Tälern Südtirols sahen wir Bauern bei der Ernte von saftigen, reifen, gelben Äpfeln sowie von weinroten und hellen Trauben an den Reben.

Ein letztes Bad im Meer

In Deutschlands Seen war die Badesaison schon seit einigen Wochen amtlich für beendet erklärt worden – aber wir konnten auf dem Hinweg in der Toskana, noch einen Badetag einlegen. Das Wasser des Mittelmeeres war mit über 20 Grad noch angenehm warm. Schon hinter Trient kam die Sonne raus. Das Licht wurde heller und klarer. Der Himmel strahlte sein schönstes azzurro. Es bedarf eigentlich keiner ausführlichen Erwähnung, dass die warmen Pullover und langen Hosen, schnell in die untersten Fächer verstaut wurden. T-Shirts, luftige Röcke und kurze Hosen hätten wir zu Hause in Deutschland schon in die hintersten Regale verbannt – aber hier im Oktober in bella Italia waren diese Anziehsachen genau richtig. Auch die Mahlzeiten konnten wir wieder im Freien einnehmen. Unweit des rauschenden Meeres gab es einen großen Topf mit dampfender Pasta und frischer Tomatensoße garniert mit würzigem, grünem Basilikum.

So kamen wir nach fünf Tagen Reisezeit an die Ufer des Tibers nach Rom. Hier mussten wir uns erst einmal mit dem recht turbulenten Straßenverkehr arrangieren, denn Rücksicht konnten wir mit unserem deutschen Wohnmobil von den unzähligen Motorinofahrern nicht erwarten. Es schien auch fast so, als ob wir die einzigen Automobilisten in Italiens Hauptstadt waren, die kein "I" am Nummernschild hatten.

Rom
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Generalaudienz auf dem Petersplatz

Nur noch einmal an einem Sonntag, wagten wir uns mit dem über sieben Meter langen Gefährt durch die römischen Straßen. Wir wollten zum Angelusgebet um 12 Uhr Mittags mit Papst Franciscus am Petersplatz. Was wir nicht vorab bedachten, war das Parkplatzproblem im historischen Stadtzentrum. Immerhin rauschten wir so an der Engelsbrücke vorbei und kreuzten die Via della Conciliazone, die etwa 500 Meter lange "Straße der Versöhnung" eine noch unter Benito Mussolini geplante breite Achse die vom Tiber, startet und die einen ersten Blick auf Sankt Peter ermöglicht. Nach einer gut einstündigen Odyssee fanden wir dann tatsächlich einen Parkplatz, gleich hinter den bräunlich-gelb-roten Backsteinmauern des Vatikan und besichtigten den Petersplatz, die Peterskirche und seine Kuppel. An den folgenden Urlaubstagen und zur Generalaudienz, mit dem Heiligen Vater auf dem Petersplatz, fuhren wir vom Zeltplatz mit dem etwa alle zwanzig Minuten pendelnden Vorortzug direkt zur Stazione Flaminia unmittelbar vor der Piazza del Popolo. Das war ein idealer Ausgangspunkt um das historische Zentrum mit der Casa di Goethe auf dem Corso, der Spanischen Treppe, über das Pantheon, den Trevibrunnen bis hin zum Kolosseum oder dem Forum Romanum zu Fuß erkunden.

Entspannte Atmosphäre im Herbst

Rom im Herbst ist natürlich keine menschenleere Stadt, aber die Atmosphäre ist weit entspannter als zur Hauptreisezeit von Mai bis September. An den bekannten Sehenswürdigkeiten stauen sich, wie wohl zu jeder Jahreszeit, die Touristen. Wer noch vor Jahren den Petersdom besuchte, erinnert sich daran, dass ein Zutritt ohne Warteschlange und Sicherheitscheck durch die Polizei möglich war. Heute muss man Zeit mitbringen. Immerhin ist der Zutritt zu den anderen großen Pilgerkirchen der Ewigen Stadt, wie San Giovanni in Laterano oder San Paul vor den Mauern weiterhin problemlos zu den Öffnungszeiten gestattet.

Doch spannend und angenehm wird es, wen man zum Beispiel im Viertel um den Campo di Fiori durch die alten Seitengassen streift. Hier ist der ausländische Gast mit den Römern und den dort zu findenden Handwerkern, wie Korbflechtern, Schuhmachern, Bäckern, Schneidern, Geigenbauern, Tischlern oder kleineren Automechanikern nicht selten allein. In welchem historischen Zentrum einer europäischen Metropole kann man dem Schuster noch über die Schulter schauen, wenn er eine Sohle beschlägt, ohne dass es sich dabei um einen Traditionsmarkt handelt? Natürlich sind auch in Roms historischem Zentrum die Edelboutiquen, modernen Galerien, Antiquitätengeschäfte oder kleinen Gourmet-Supermärkte auf dem Vormarsch, wie es beispielsweise in Gassen rund um die von Straßenmusikanten, Zeichnern oder Gauklern sehr quirlige Piazza Navona beobachtet werden kann. Doch Rom im Herbst lohnt auch noch im November und bietet Urbanität im klassischen Sinne, gelebte Spiritualität in den unzähligen Kirchen für Gläubige gepaart mit dem jahrtausende alten Flair einer Metropole.  

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