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Rodelspaß bei Schnee im Winter Rodel: 4 Pflegetipps vom Rodelbauer

Wenn unzählige Familien im Winter mit dem Rodel Spaß haben, ist das auch der Verdienst von Christoph Kathrein aus dem österreichischen Prutz. Der Rodelbauer stellt die Rodel nicht nur her, sondern gibt auch Tipps für die Pflege.

Christoph Kathrein stellt in seinem Betrieb in vierter Generation Rodel in Handarbeit her. Zusammen mit seinen Mitarbeitern biegt der Österreicher Eschenholz, flechtet Sitzauflagen und montiert Kufen. Familien-, Touren- und Rennrodel werden in verschiedenen Ausführungen gebaut, als Ein- und Zweisitzer und in kleineren Ausführungen, für Jugendliche und Kinder. In jedem Rodel steckt viel Handarbeit.

15.000 bis 20.000 Rodel werden jedes Jahr bei Kathrein Rodel in Prutz im Tiroler Oberland hergestellt. Und damit ist der Familienbetrieb in einer Urlaubsregion ansässig, in der die Rodel quasi gleich vor der Haustür getestet werden können. Wie viel Arbeit in einem Rodel steckt, merkt man schnell, wenn Christoph Kathrein die Arbeitsschritte aufzählt: trocknen, schneiden, hobeln, längen, dämpfen, biegen, fräsen, lackieren, schleifen, schweißen, leimen, nageln, bohren, polieren, montieren, zusammenbauen und flechten. "Von der Holzanlieferung bis zum fertigen Rodel vergehen mehrere Monate, manchmal sogar ein ganzes Jahr", sagt der 35-Jährige.

Holz erster Güte ist besonders wichtig

Nimmt man jedoch nur die reinen Arbeitsstunden, die man für einen Rodel braucht, dann sind es lediglich zwei bis drei. "Es ist das Holz, das einfach Zeit braucht." Eschenholz verwenden Kathrein und seine bis zu 15 Mitarbeiter. Das ist hart und trotzdem so elastisch, dass es sich gut biegen lässt. Außerdem hat es lange Fasern und ist dadurch sehr belastbar. Eschenholz wird für den Bau von Bögen ebenso verwendet wie bei Skiern oder etwa für Werkzeugstiele. "Da in Tirol aber kaum Eschen wachsen, bekommen wir das Holz aus Oberösterreich. Die Holzfirmen beliefern unsere Firma zum Teil schon seit Generationen, die wissen genau, was wir brauchen: nur Holz von höchster Güte."

Handgefertigte Rodel von Kathrein Rodel

Christoph Kathrein steht in vierter Generation an der Werkbank. Sein Urgroßvater hat noch Wagenräder und Heuschlitten gebaut. Diese riesigen Schlitten, mit denen die Bergbauern in Tirol bis vor wenigen Jahrzehnten im Winter das Heu oder das Holz von den Bergen ins Tal brachten. Seither hat sich viel verändert. Die Schlitten wurden kleiner und mutierten vom Arbeits- zum Freizeitgerät. "Unsere Rodel sind dank ihrer flexiblen Bauweise sehr gut zu lenken und daher etwas sportlicher als die alten, klassischen Rodel", sagt Christoph Kathrein. Beim Tourenrodel zum Beispiel sind die Holme nicht komplett umgebogen und auch ein Zwischensteg fehlt. Der Rodel ist so wendiger und lässt sich sportlicher fahren. Weil keine Schrauben in den Kufen sind, rosten sie weniger und die glatte Kufe fährt und gleitet wesentlich besser. "Wir schrauben die Kufen nicht von unten auf, sondern schweißen Gewinde an die Kufen an." Nur da, wo keine Schneeauflage ist, wird geschraubt.

Verkaufshit Tourenrodel

Etwa 130 Euro kostet ein klassischer Familienrodel, der allerdings etwas steifer ist und eher durch Bremsen gelenkt wird. Ein sogenannter Tourenrodel, den Kathrein am meisten verkauft, kostet 180 Euro. "Diese Rodel sind echte Allrounder, sie sind sportlich, aber bequem und wegen der flexiblen Bauweise kann man sie nur durch Gewichtsverlagerung lenken", sagt Christoph Kathrein. Außerdem können Kunden sich die Farbe der Bespannung ihres Schlittens aussuchen. "Auf Anfrage machen wir eigentlich fast alles", sagt Kathrein. Trotzdem sind die beliebtesten Farben für die Sitze im Moment die leuchtenden: orange, petrol, neongrün.

Pflegetipps von Rodelbauer Christoph Kathrein

  1. Vermeiden Sie es, die Rodel übermäßiger Wärme (z.B. Heizräume, Heizkörper) oder direkter Sonneneinstrahlung auszusetzen. Am besten lagern Sie die Rodel möglichst unbelastet in trockenen Räumlichkeiten.
  2. Reiben Sie die Stahlschiene nach dem Rodeln immer trocken und wachsen Sie diese gründlich ein (mit handelsüblichem Flüssigwachs oder Skiwachs). Dann gibt es keinen Rost und man verbessert die Gleiteigenschaften der Rodel.
  3. Die Schrauben der Stahlschienen sollten hin und wieder etwas nachgezogen werden.
  4. Zerkratzte oder stark angerostete Schienen können nachgeschliffen werden - dazu schleift man mit 60-100er Körnung immer in Laufrichtung bis eine schöne (grobe) Struktur entsteht (Bandschleifer). Anschließend poliert man die Schienen noch etwas ab (aber nicht zu viel - nur so dass diese glatt werden, die grobe Struktur aber tiefer im Stahl noch erhalten bleibt). Dabei gilt folgende Faustregel: Je weicher der Schnee, desto mehr Struktur kann im Stahl sein. Nach dem Schleifen sollten die Stahlschienen sauber gereinigt und gut eingewachst werden.
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