Meinung -

Kommentar zum Konjunkturbericht Robustes Handwerk

Konjunktur läuft – Binnenmarkt stärken.

Dr. Lothar Semper
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Die Konjunktur weltweit und damit auch in Deutschland wackelt gewaltig. Die Erwartungen für dieses Jahr und die Prognosen für 2015 wurden erheblich reduziert. Die geopolitischen Unwägbarkeiten und die nach wie vor nicht auf die Beine kommende Konjunktur innerhalb der Europäischen Union können an Deutschland, das stark vom Export abhängt, nicht spurlos vorübergehen. Der ifo-Geschäftsklimaindex kennt daher seit Monaten nur eine Richtung – nach unten.

Handwerkskonjunktur auf dem Zenit

Einziger Trost: Die Binnenwirtschaft in Deutschland scheint noch robust zu sein. Das ist auch und gerade für das Handwerk wichtig. Denn dieser Wirtschaftsbereich exportiert vergleichsweise wenig und ist stattdessen überwiegend von den Ausgaben für den privaten Verbrauch und den Bauinvestitionen abhängig. Allerdings signalisiert auch der aktuelle Konjunkturspiegel der Deutschen Handwerks Zeitung, dass die gute Handwerkskonjunktur wohl ihren Zenit erreicht hat. Die Einschätzung ihrer Geschäftslage durch die Handwerksbetriebe bewegt sich allerdings auf einem 20-jährigen Höchststand.

Um die aktuelle und absehbare Entwicklung des Handwerks braucht man sich deshalb keine Sorgen zu machen. Zu hoffen wäre, dass auch das Kfz-Handwerk auf Touren kommt.

Es gibt aber auch Indikatoren, deren Auswirkungen man im Auge behalten muss. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind im August die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum Vorjahresmonat preisbereinigt um 5,2 Prozent zurückgegangen. Dabei sank die Baunachfrage im Hochbau um 4,7 und im Tiefbau um 5,7 Prozent.

Politik muss Weichen richtig stellen

Erfreulich ist, dass sich der Arbeitsmarkt nach wie vor in einer äußerst robusten Verfassung befindet. Leute, die Arbeit haben, konsumieren und trauen sich auch längerfristige Anschaffungen zu.

Was ist in dieser Situation von der Politik zu erwarten? Sie ist auf jeden Fall gefordert, die richtigen Weichen zu stellen. Seit Antritt der Großen Koalition ist dies noch nicht so recht gelungen. Die Beschlüsse zur "Rente mit 63" und die Ausweitung sozialer Leistungen sind ein Beispiel dafür, ein anderes die Energiepolitik. Es besteht also Handlungsbedarf, um die wirtschaftlichen Binnenkräfte zu stärken.

Die Rezepte sind schon längst bekannt: Im Bereich der Steuern bedarf es dringend des Abbaus der (kalten) Progression und endlich einer Förderung von Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung.

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