Stuttgart -

Infomobil auf Tour Roadshow „Integration im Handwerk“ startet

Sascha Beul ist Willkommenslotse bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. Mit einem Infomobil fährt er ab November in die Städte und Gemeinden der Kammerregion, um Unternehmer über die Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten zu informieren.

Im Interview mit der DHZ-Redaktion erklärt er, wie er Firmen bei der Suche nach einem passenden Beschäftigten unterstützt.

DHZ: Als Willkommenslotse unterstützen Sie Betriebe bei der Suche nach einem passenden Beschäftigten. Wie läuft das konkret ab?
Beul: In der Regel rufen Unternehmer bei mir an und haben konkrete Fragen zur Beschäftigung. Die meisten Betriebe haben über Ehrenamtliche oder direkt über eine Bewerbung Kontakt zu Geflüchteten bekommen. Meistens Fragen die Unternehmen dann bei mir an, was bei der Einstellung zu beachten ist.

DHZ: Was sind dabei typische Fragen?
Beul: „Gibt es Fördermöglichkeiten?“ und „Muss ich eine Abschiebung aus der Ausbildung heraus befürchten?“ sind häufig gestellte Fragen. Ebenso wie die Situation, dass ein Betrieb aufgrund von Personalmangel einen Geflüchteten einstellen möchte und nun wissen will, was dabei zu beachten ist und wie der Kontakt zu geflüchteten Personen hergestellt wird.

DHZ: Auch bei Fragen rund um das Asylrecht wissen Firmen oft nicht weiter.
Beul: Das stimmt – Betriebe wissen oftmals nicht, welchen Aufenthaltsstatus der potentielle Kandidat hat. Wenn das der Fall ist, findet die Beratung vor Ort statt und ich schaue mir gemeinsam mit dem Betriebsinhaber und dem Geflüchteten die Unterlagen an und übernehme auch im Anschluss Organisatorisches wie die Kontaktaufnahme zum Jobcenter, der Ausländerbehörde oder der Agentur für Arbeit.

Roadshow „Integration im Handwerk“ startet

DHZ: Was ist mit den Unternehmern, die selbst keine Bewerbungen von Geflüchteten bekommen haben, diese aber gerne ausbilden oder einstellen möchten?
Beul: Hier spielt die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen vom Kümmerer-Projekt und dem Profil Match eine entscheidende Rolle. Der Betrieb, der Interesse an einem Geflüchteten hat, lässt mir eine Stellenbeschreibung zukommen. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen, die die Geflüchteten betreuen, ob es auf die offene Stelle einen geeigneten Kandidaten aus unserem Pool gibt.

DHZ: Und wenn kein passender Bewerber dabei ist?
Beul: Dann gebe ich die offene Stelle an mein Netzwerk weiter. Die Netzwerkarbeit im Allgemeinen ist ein wichtiger Baustein als Willkommenslotse. Die Akteure in der Flüchtlingshilfe sind ja sehr vielfältig und jeder trägt seinen Teil zur Integration bei.

DHZ: Immer wieder hört man, dass viele Betriebe Bedenken haben, was die Einstellung von Geflüchteten angeht. Woran liegt das?
Beul: Viele Betriebe schrecken vor dem organisatorischen Aufwand zurück. Ein weiteres Problem ist oftmals noch die mangelnde Sprachkenntnis bei den Geflüchteten. Hinzu kommt die unklare politische Ausrichtung der Regierung – hier besteht Handlungsbedarf, was das Einwanderungsgesetz angeht.

DHZ: Und wie können Sie diesen Betrieben die Bedenken nehmen?
Beul: Ich begleite die Firmen bei ­Organisatorischem und nehme einige Aufgaben ab. Was die sprachlichen Hürden angeht, appelliere ich auch an die Betriebe, mehr zu visualisieren und Dinge auf einfache Art und Weise verständlich zu machen. Arbeitsanweisungen oder Gefahrenhinweise sind beispielsweise oftmals in sehr kompliziertem Deutsch formuliert.

DHZ: Ab Mitte November kommen Sie mit einem Infomobil der Handwerkskammer zu den Menschen vor Ort, um über Berufsmöglichkeiten im Handwerk sowie die Angebote von Kammer und Ausbildungscampus zu berichten. Auch können Geflüchtete ihre Eignung im Handwerk testen lassen. Welche Ziele hat das Infomobil?
Beul: Das Angebot soll in Unterkünften vor Ort oder im Gemeindehaus stattfinden. Der Start ist in der Malteser Flüchtlingsunterkunft in der Schwieberdinger Straße in Zuffenhausen, wo wir mit den Maltesern und dem Ausbildungscampus Stuttgart kooperieren. Auch ist eine Kollegin aus unserem Haus dabei, die über die Anerkennungsberatung informiert. Langfristig soll das Angebot aber in allen Landkreisen der Kammerregion zur Verfügung stehen. Schön wäre dann auch, wenn lokale Unternehmen zum Infoangebot hinzukommen würden. So könnte schon vor Ort der erste Kontakt zu Geflüchteten hergestellt werden, quasi in der Nachbarschaft.

Weitere Informationen online unter hwk-stuttgart.de/gefluechtete, Ansprechpartner: Sascha Beul, ­Willkommenslotse, sascha.beul@hwk-stuttgart.de, Tel. 0711/1657-304

Dankbar für die Hilfe der Kammer

Gute Erfahrungen mit den Unterstützungsangeboten der Handwerkskammer und den Beratungsleistungen des Willkommenslotsen hat Jochen Braun aus Hildrizhausen gemacht. Der Inhaber des gleichnamigen Holzbaubetriebs beschäftigt bereits seit Ende 2015 einen Geflüchteten, zunächst als Praktikanten, dann als geringfügig Beschäftigten und schließlich – im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung – seit September 2017 als Auszubildenden. Doch ist der Auszubildende Sulayman Jatta noch immer im offenen Asylverfahren und es ist ungewiss, ob er die Ausbildungsduldung erhält und seine Ausbildung in Deutschland beenden kann. „Für uns als Betrieb ist das eine sehr aufreibende Sache“, berichtet der Unternehmer. Nicht nur, weil der Betrieb bereits viel Zeit und Geld in die Ausbildung des jungen Menschen gesteckt hat, sondern auch, weil dieser als sympathischer, zuverlässiger und fleißiger Kollege im Familienbetrieb gut angekommen ist.

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