Finanzen + Geld -

Anzeichen einer Blase Rentenmarkt: Eine tickende Zeitbombe

Crashs wurden in der Vergangenheit nie zweimal hintereinander von der gleichen Assetklasse ausgelöst. Nach dem Aktienmarkt im Jahre 2000 bis 2003 folgte die Immobilienkrise 2007. Der Rentenmarkt könnte somit jetzt an der Reihe sein.

Der Weltrentenmarkt ist rund 78 Billionen US-Dollar groß. Anleihen im Wert zwischen zwölf und 17 Billionen Dollar weisen eine negative Rendite aus. Das sind 100-prozentige Anzeichen einer Blase.

Die Vorsorge für das Alter wird schwieriger

Nebeneffekte sind: Eine noch höhere Verschuldung, Pensionskassen, Lebensversicherungen und Stiftungen müssen ihre Zahlungen reduzieren. Die Vorsorge für das Alter wird noch schwieriger. Die Jugend wird in Deutschland verstärkt benachteiligt. Der Staat finanziert sich nicht nur durch eine Neuemission zu Minuszinsen, sondern stockt hoch verzinsliche Wertpapiere auf, deren Kurse bei deutlich über 100 Prozent notieren. Während die Kursgewinne in den Haushalt einfließen, muss die Jugend den hohen Zins noch Jahre lang bezahlen. Laut Bert Flossbach werden dieses Jahr 7,5 Millarden derartiger Sondererlöse erwartet.

Unternehmensschulden steigen

Zwei weitere Nebenwirkungen sind ebenso logisch wie hochriskant: Zum einen werden Anleger zu immer riskanteren Investments verleitet, die noch eine kleine Rendite abwerfen. Zum anderen können sich Zombie-Firmen mit schlechter Bonität weiter finanzieren. Der IWF schätzt: "Sollte es zu einem Einbruch kommen, der nur halb so stark ausfällt wie die letzte globale Finanzkrise 2008, könnte der Wert der potenziell ausfallgefährdeten Unternehmensschulden auf 19 Billionen Dollar steigen".
Vor diesem Hintergrund ist es geradezu irrsinnig, dass sich Anleger auf langlaufende Anleihen stürzen, in der Hoffnung, dass die Minuszinsen weiter erhöht werden und sie dann beim Verkauf jemanden finden, der mit einem noch höheren Verlust zufrieden ist.

70 Prozent aller Derivate liegen im Rentenbereich

Spekulieren im Rentenbereich, um eine Rendite zu erzielen, ist nicht zu raten. Hinzu kommt, dass geschätzte 70 Prozent aller Derivate im Rentenbereich liegen, und dass die Meinungen sehr eindeutig in Richtung höhere Minusrenditen liegen. Sollten überraschende, Meinung verändernde Situationen eintreten, sind Probleme vorprogrammiert. Besonders bei Anleihen schlechter Qualität dürfte der Markt illiquide werden, da die einzige volumenstarke Käuferschicht plötzlich verkaufen möchte. Die Bafin warnt auch vor Fonds, die in diesem Segment engagiert sind, und bei denen die Anleger ihre Anteile täglich zurückgeben dürfen.
Wie blasenartig sich der Markt entwickelt hat, ist daran zu erkennen, dass selbst das eigentlich bankrotte Griechenland (trotz Schuldenschnitt 180 Prozent Verschuldung zum BIP) eine zehnjährige Anleihe mit 1,5 Prozent emittiert hat und diese zehnfach überzeichnet war. Außerdem war ein Kurzläufer mit einem Minuszins von 0,2 Prozent ausgestattet.

Gravierende Auswirkungen in vielen Bereichen

Ein Rentenmarkt-Crash würde die Schwäche der Weltwirtschaft dramatisch verschärfen, die Arbeitslosenzahl anschwellen lassen, mit gravierenden, negativen Auswirkungen auf die Bankenbranche, die Aktienmärkte, aber auch auf die Immobilien. Denn in dessen Folge würden die Zinsen kräftig ansteigen. Sollten sogar Bankpleiten drohen oder gar eintreten, wird auch der über vier Billionen schwere Markt der ETFs zur Anlagefalle.

Über den Autor: Rolf Ehlhardt ist Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH in Mannheim.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten