Bayerischer Handwerkstag -

Konjunkturbarometer Rekorde im Bau und Ausbau

Bayern hat 2018 die bislang konjunkturstärkste Bausaison der vergangenen beiden Jahrzehnte erlebt: Die Umsätze im Bau und Ausbau sind laut Prognose der Landesvereinigung Bauwirtschaft Bayern (LVB) um 5,5 Prozent gestiegen.

Auch für das laufende Winterhalbjahr bleiben die Unternehmen überwiegend optimistisch. LVB-Sprecher Wolfgang Schubert-Raab verweist auf die großen Anstrengungen der Betriebe beim Personalaufbau. Er fordert: „Wir brauchen mehr Unterstützung aus der Politik bei der Nachwuchsgewinnung.“ Die LVB-Umfrage zeige, dass Bauherren in Bayern derzeit durchschnittlich ein Vierteljahr auf Bauhandwerker warten müssen, weil die Auftragsbestände nicht schnell genug abgearbeitet werden können.

Ertragslage hat sich positiv entwickelt

Weiter verdeutlicht die Umfrage: Je kleiner der Betrieb, desto kleiner auch das Umsatzplus. Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern erreichten einen Zuwachs von durchschnittlich neun Prozent. Betriebe mit weniger Beschäftigten erzielten deutlich weniger. Dagegen hat sich die Ertragslage bei kleinen wie großen Betrieben positiv entwickelt.

Mit Blick auf den Lehrstellenmarkt in Bayern stellt Schubert-Raab fest: „Viele Bau- und Ausbaubetriebe suchen händeringend Lehrlinge. Aber immer weniger junge Menschen bewerben sich auf freie Ausbildungsplätze.“ Laut Umfrage wollen drei Viertel der Unternehmen die Zahl ihrer Lehrlinge konstant halten und 13 Prozent sogar noch mehr ausbilden als bisher. Schon jetzt fehlen tausende Facharbeiter, zudem werden viele Mitarbeiter in naher Zukunft in Rente gehen.

Der LVB-Sprecher beklagt: „Über Jahre wurde die Hochschulausbildung auch von der Politik der Ausbildung vorgezogen. Die Politik hat durch die Abschaffung der Meisterpflicht in vielen Gewerken die Stellung des Handwerks in der Gesellschaft geschwächt, den Berufsstolz verletzt und die Attraktivität dieser Berufe verringert.“

LVB fordert mehr Infrastrukturprojekte

Die LVB, die neun Verbände des Bau- und Ausbauhandwerks vertritt, kritisiert außerdem, dass die öffentliche Hand nicht ausreichend für eine stetige und auf Jahre planbare Auftragslage bei Infrastrukturprojekten sorgt. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis der neuen Staatsregierung zum Bau- und Ausbauhandwerk. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Politik von uns den Aufbau von Kapazitäten fordert, aber keine klaren Signale zur Verstetigung der Baunachfrage für die nächsten Jahre gibt“, sagt Schubert-Raab.

Dazu gehört nach den Worten des LVB-Sprechers auch die Wiedereinführung des Meisterbriefs als Berufszugangsvoraussetzung für alle Bau- und Ausbauhandwerke. Schubert-Raab betont: „Wir benötigen dringend das angekündigte Einwanderungsgesetz, damit wir den vielen Migranten, die eine Ausbildung bei uns machen wollen und die wir als künftige Fachkräfte dringend brauchen, eine klare berufliche Perspektive bieten können.“

Berufsschulen müssen mit Unis mithalten können

Außerdem müssten die Berufsschulen finanziell und personell besser ausgestattet sein. Jugendliche sollen eine hervorragende Ausbildung erhalten, die sich nicht hinter einem Hochschulstudium verstecken muss. „Ein Azubi muss seinen Freunden sagen können, dass er an einer tollen Schule lernt“, wünscht sich Schubert-Raab. „Wir brauchen eine noch stärkere Unterstützung der Landespolitik beim Aufbau eines positiven Images der Berufsausbildung.“

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