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Arbeitsrecht im Ramadan Ramadan: Worauf sollten Arbeitgeber achten, wenn Mitarbeiter fasten?

Wenn Arbeitnehmer während des Ramadan fasten, sind sie möglicherweise nicht so leistungsfähig wie sonst. Damit es im Betrieb deshalb keine Probleme gibt, sollten Chefs rechtzeitig vorsorgen.

Eigentlich ist Religion Privatsache. Aber wenn muslimische Arbeitnehmer im Monat Ramadan fasten, ist es wichtig, dass Arbeitgeber sich im Vorfeld darüber Gedanken machen. Gerade in körperlich anstrengenden Berufen, kann es sein, dass Arbeitnehmer in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind. Wie Arbeitnehmer und Arbeitnehmer einen Kompromiss finden können.

Wann findet der Ramadan 2019 statt?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Wegen der kürzeren Mondmonate verschiebt sich der Fastenmonat um zehn oder elf Tage pro Jahr Richtung Jahresanfang. Der Ramadan ist für Muslime eine der fünf Säulen ihrer Religion neben den täglichen fünf Gebeten, dem Glaubensbekenntnis, dem Pilgern nach Mekka und dem Almosengeben.

2019 beginnt der Ramadan am Abend des 5. Mai . Der erste Tag des Festes des Fastenbrechens ist Dienstag , 4 Juni 2019. In diesem Jahr feiern Muslime das Fest des Fastenbrechens vom 4. bis zum 6. Juni.

Was bedeutet der Ramadan für die Arbeitsfähigkeit?

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten gläubige Muslime im Ramadan auf Essen und Trinken. Von den rund 4,5 Millionen Muslimen in Deutschland hält sich laut Zentralrat der Muslime rund die Hälfte von ihnen an da Fasten. Manche sind in dieser Zeit nicht in der Lage schwere Arbeiten zu verrichten, wie zum Beispiel in der Sonne auf der Baustelle zu arbeiten. Die Initiative Gesundheit und Arbeit weist in einer Broschüre darauf hin, dass vor allem der Verzicht auf Flüssigkeit im Hochsommer zu Konzentrationsstörungen oder Dehydrierung führen kann.

Können Arbeitgeber das Fasten im Ramadan verbieten?

Wenn Arbeitnehmer während der Fastenzeit unkonzentriert sind oder bestimmte Aufgaben nicht ausüben können, ist dies natürlich für den Arbeitgeber ärgerlich. Eine einheitliche Lösung gibt es allerdings nicht.

Da es zum Fasten im Ramadan keine einschlägigeRechtsprechung gibt, muss jeder Betrieb eine eigene Lösung finden, bei der die Interessen von beiden Parteien berücksichtigt werden. Auf der einen Seite möchte der Arbeitgeber, dass die Arbeitspflicht eingehalten wird. Auf der anderen Seite stehen die Fastenpflicht des Arbeitnehmers und die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit.

"Aufgrund der Rechtsprechung zu Glaubenskonflikten mit gestellten Arbeitsaufgaben ist davon auszugehen, dass gläubige Muslime sich auf ihre Glaubensfreiheit berufen können. Ein innerer Glaubenskonflikt des Arbeitnehmers wird von Gerichten regelmäßig nicht in Frage gestellt und wiegt tendenziell stärker als die Arbeitspflicht", sagt Benjamin Onnis, Arbeitsrechtler bei der Kanzlei FPS. Das heißt, Chefs können ihren Mitarbeitern nicht verbieten zu fasten, auch wenn dadurch der Arbeitsvertrag nicht erfüllt wird.

Welche Kompromisse sind möglich?

Damit es trotzdem keine Konflikte gibt, können Betriebe vorsorgen und geeignete Kompromisse finden. Eine Möglichkeit muslimische Mitarbeiter während der Fastenzeit zu entlasten, ist es ihnen leichtere Arbeiten zu geben, z.B. eine Schreibtischaufgabe anstatt auf der Baustelle mitzuhelfen.

"Das ist natürlich in kleinen Betrieben nicht immer möglich. Möchte der Arbeitnehmer bestimmte Aufgaben in der Fastenzeit nicht ausüben, kann er zum Beispiel auch unbezahlten Urlaub nehmen", erklärt der Anwalt.

Eine Alternative wäre auch die Arbeitszeiten zu ändern oder bestimmte Arbeiten auf morgens oder abends zu verschieben. Körperlich anstrengende Arbeiten können eventuell besser morgens erledigt werden, wenn der Arbeitnehmer noch fit und es draußen noch kühl ist.

Auf jeden Fall lohnt es sich, rechtzeitig eine Lösung zu suchen. Chefs sollten früh mit ihren Mitarbeitern in Kontakt treten und fragen, ob sie während des Ramadan fasten. "So kann zum Beispiel der Einsatz anderer Mitarbeiter oder Leiharbeiter geplant werden. Ich empfehle auch bestimmte Vereinbarungen vertraglich festzuhalten", sagt Onnis.

Was sollten Arbeitgeber sonst noch zum Ramadan wissen?

Der Zentralrat der Muslime weist darauf hin, dass es sehr wichtig ist, dass muslimische Arbeiter die Möglichkeit erhalten, nach Ende des Fastenmonats Ramadan am Festgebet teilzunehmen. Dieses Fest und ein weiteres, das etwa zwei Monate danach folgt, sei für Muslime genauso wichtig wie Weihnachten und Ostern für Christen.

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