IT + Kommunikation -

Weniger Beiträge von Seiten, mehr Inhalte von Freunden Radikale Facebook-Änderung: 3 Tipps für Betriebe und Seiteninhaber

Unternehmen mit einer eigenen Facebook-Seite haben es in Zukunft deutlich schwerer, ihre Beiträge erfolgreich an den Follower zu bringen. Künftig sollen den Nutzern wieder mehr Inhalte von Freunden angezeigt werden. Wie Betriebe und Seiteninhaber richtig reagieren.

Diese Nachricht von Mark Zuckerberg und seinem Newsfeed-Chef Adam Mosseri dürfte Inhabern von Facebook-Seiten überhaupt nicht gefallen. Wie die beiden in einem Blogpost mitteilten, steht das soziale Netzwerk vor einer einschneidenden Veränderung. Zurück zu den Wurzeln, lautet der Weg, den Facebook ab sofort einschlagen möchte. Während in den letzten Jahren immer mehr Inhalte von Medien, Unternehmen, Bloggern oder Unterhaltungsseiten den Newsfeed der einzelnen Nutzer füllten, sollen künftig wieder mehr Bilder, Videos und Posts von Freunden angezeigt werden.

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Ihnen beim Finden relevanter Inhalte zu helfen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärt Facebook-Chef Zuckerberg. Seinen Schritt begründet er damit, dass er sich verantwortlich für das Wohlbefinden von Facebook-Nutzern sieht. Dabei bezieht sich Zuckerberg auf Studien, die belegen, dass sich Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig seien, positiv auf das persönliche Befinden auswirken. "Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein", meint er.

Neben Beiträgen von Freunden sollen auch solche Inhalte von Seiten im Newsfeed priorisiert werden, die zu "bedeutungsvollen Interaktionen" ermutigen. Anhand von Algorithmen möchte Facebook vorhersagen, mit welchen Posts der Nutzer wahrscheinlich am meisten interagieren wird. Welche Art von Inhalten von dieser Änderung am meisten profitieren, bleibt in den kommenden Wochen abzuwarten.

Doch welche Konsequenzen müssen Betriebe mit einer Facebook-Seite nun aus dieser Ankündigung ziehen? Drei Tipps für Seiteninhaber:

1. Relevante Inhalte liefern – ohne Engagement Baiting

Noch mehr als zuvor stehen Seiteninhaber vor der Herausforderung, wirklich relevante Inhalte für ihre Follower zu liefern. Wie Facebook bekannt gab, müssen Inhalte Reaktionen hervorrufen, um im Newsfeed zu erscheinen. Beiträge, die bislang nur wenige Likes, Kommentare oder Teilungen generierten, werden in Zukunft wohl noch weniger Personen erreichen.

Nun wäre es jedoch ein Trugschluss auf sogenanntes "Engagement Baiting" zu setzen. Damit sind Beiträge gemeint, die Follower offensiv zu einer Interaktion auffordern. Facebook verkündete im Dezember, dass hunderttausende Beiträge nach entsprechenden Charakteristiken untersucht wurden. Beiträge, die Merkmale von Engagement Baiting aufweisen, würden fortan weniger Reichweite erhalten und Seiten abgestraft werden.

Facebook unterscheidet dabei in fünf Kategorien:

  • Tag Baiting: "Markiere einen Freund, dem dasselbe passieren hätte können"
  • Comment Baiting: "Nenne uns deine Lieblingssorte in den Kommentaren"
  • React Baiting: "Drücke jetzt auf 'Gefällt mir', um am Gewinnspiel teilzunehmen"
  • Vote Baiting: "Klicke auf 'Love', wenn Du für Bild A bist. Stimme für Bild B, indem Du auf 'Haha' klickst!"
  • Share Baiting: "Teile das mit deinen Freunden"

Ziel von Seiteninhabern muss es nun sein, Inhalte und News zu liefern, die für Diskussionen oder Reaktionen sorgen, ohne dabei um Reaktionen zu betteln. Die Nutzer selbst können in den Einstellungen dafür sorgen, dass Beiträge von bestimmten Seiten ganz oben im Newsfeed auftauchen. Ein Trend, der sich sicherlich auch in 2018 fortsetzen wird, sind Videos, die über das soziale Netzwerk geteilt werden.

2. Facebook-Werbeanzeigen gewinnen an Bedeutung

Die geplanten Änderungen im Facebook-Newsfeed könnten einige Seiteninhaber dazu zwingen, mehr Geld für Anzeigenplätze in die Hand zu nehmen. Da künftig wieder mehr Inhalte von Freunden  angezeigt werden sollen, wird die organische Reichweite von Betrieben schrumpfen. Werbeanzeigen sind ein probates Mittel, um dennoch im Newsfeed zu erscheinen und auf sich aufmerksam zu machen.

Allerdings: Wie Facebook-Manager John Hegemann der dpa verriet, soll die Anzahl von Werbeanzeigen im Newsfeed nicht erhöht werden. Anzeigenplätze dürften künftig also deutlich umkämpfter sein.

3. Nutzer müssen außerhalb des News-Feeds angesprochen werden

Wenn Follower nicht mehr über den organischen Newsfeed erreicht werden können, müssen Informationen zu Produkten, Dienstleistungen und Hintergründe im Betrieb über andere Kanäle kommuniziert werden. Eine Möglichkeit hierfür könnte der Aufbau einer Facebook-Gruppe sein, die alleine oder auch mit anderen Betrieben aus der Region betrieben wird. So könnten sich Metzger, Bäcker, Kosmetiker, Schreiner, Fliesenleger & Co. in einer Gruppe organisieren und dort regelmäßig Informationen teilen. Gleichzeitig hätten auch private Facebook-Nutzer dort die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Diskussionen anzuregen. Wichtig ist es, vorab klare Regeln für die Gruppe zu erstellen.

Auch Kanäle außerhalb von Facebook können von Betrieben genutzt werden, um auf sich aufmerksam zu machen. So zum Beispiel eine SEO-optimierte Webseite, ein unternehmenseigener Newsletter oder regelmäßige Informationen per WhatsApp.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten