Für Ausbilder -

Betriebliche Berufsausbildung Qualität der Ausbildung im Betrieb optimieren

Ein Ausbildungsabbruch schadet nicht nur dem Auszubildenden, sondern auch dem Unternehmen und seinem Image. Um das zu verhindern, sollte regelmäßig die Qualität der betrieblichen Ausbildung überprüft werden. Sechs Tipps, um die Ausbildung zu optimieren.

Wo und wie sollten wir anfangen mit Verbesserungen bei der betrieblichen Ausbildung? Was können wir verändern? Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist in einem Modellversuch auf diese Fragen eingegangen und hat die Ergebnisse im neuen Leitfaden "Qualität der betrieblichen Berufsausbildung" zusammengefasst. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen davon profitieren. Anhand von praxiserprobten Ansätzen sollen sie dabei unterstützt werden, Fragen der Qualität systematisch und kontinuierlich anzugehen. Die wichtigsten Tipps daraus:

1. Qualitätsbegriff klären

Im Betrieb muss der Ist-Zustand erfasst werden. Der innerbetriebliche Austausch über die momentane Qualität der eigenen Ausbildung dient der Selbstreflexion und legt die Grundsteine für eine Verbesserung der Situation. Der Leitfaden bietet hier einen sogenannten "Quali-Check" an, mit dem Problembereiche in sieben Kategorien schnell identifizierbar sind. Neben den Ausbildern sind auch die Auszubildenden hierbei miteinzubeziehen: sie sollen selbst aktiv an der Gestaltung ihrer Ausbildung mitwirken können. Es gilt, ein Gefühl für die Ansichten beider Seiten zu entwickeln.

2. Probleme beseitigen

Ist ein Problemfeld definiert, sollten Sie überlegen, wie das Problem beseitigt werden kann. Implementieren Sie die entwickelten Konzepte und evaluieren Sie anschließend ihre Wirkung. Wurde das Problem beseitigt? Falls die von Ihnen gewählte Strategie nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt hat, sollten Sie sie terminieren und einen neuen Plan entwickeln.

3. Ziele definieren

Danach sollten Sie sich die Frage stellen: Wo wollen wir hin? Was ist das Ausbildungs-Ideal, das wir anstreben? Es ist wichtig, ein Qualitätsbewusstsein zu entwickeln. Genauso wichtig ist es, sich über den Begriff der Qualität auszutauschen - die Vorstellungen davon können nämlich unterschiedlich sein. Entwickeln Sie ein Leitbild, das Sie als Unternehmen anstreben. Wenn es nach außen sichtbar wird, kann es auch dabei helfen, für Ihren Betrieb als Ausbildungsstätte zu werben.

4. Auf Prüfungen vorbereiten

Im Vorfeld von Prüfungen sollten Sie die Auszubildenden gründlich darauf vorbereiten. Die betriebliche Praxis ist dabei die beste Vorbereitung. Sie sollte daher etwa drei Monate vor dem Prüfungstermin mit der gezielten Vorbereitung beginnen. Regeln Sie die Formalien und machen Sie Ihre Azubis für die Prüfung fit. Damit Sie dabei nichts vergessen, finden Sie im Leitfaden eine Checkliste hierzu.

5. Kommunikation ist das A und O

Auch besonders wichtig: Kommunizieren Sie lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Im Modellversuch haben sich Kommunikationsprobleme als eine zentrale Schwachstelle betrieblicher Ausbildung herausgestellt. Nehmen Sie sich beispielsweise mindestens einmal in der Woche Zeit sich mit den Azubis zu treffen. Hier können Sie auf deren Anliegen, Sorgen oder gar Beschwerden direkt eingehen. Gleichzeitig zeigt es dem einzelnen Auszubildenden auch, dass er im Betrieb eine Wertschätzung erfährt.

6. Ampeltafel erstellen

Um im Vorfeld einer Besprechung mit den Auszubildenden bereits deren Einschätzung überblicken zu können, empfiehlt es sich, eine "Ampeltafel" zu erstellen. Sie ermöglicht es den Ausbildern und den Auszubildenden über die erzielten Ausbildungsergebnisse ins Gespräch zu kommen. Einzelne Ausbildungsinhalte werden in der Tafel mit rot, gelb oder grün markiert. Rot steht dabei für "noch stark verbesserungswürdig", gelb für "geht so" und grün für "in Ordnung". So werden schnell mögliche Unterschiede in den Sichtweisen deutlich.

Modellversuche erfolgreich

Alle Empfehlungen wurden bereits in Modellversuchen in einem Zeitraum von drei Jahren erprobt. In zehn Betrieben aus den Bereichen Handwerk, Industrie und Dienstleistungen konnte eine Verbesserung der betrieblichen Ausbildung erreicht werden. Mit der praktischen Unterstützung konnten die Unternehmen die komplexen Anforderungen an Qualitätssicherung und -entwicklung in der Ausbildung umsetzen. jr

Wissenschaftlich begleitet wurden die Modellversuche durch das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung und das Karlsruher Institut für Technologie.

Den Leitfaden des BIBB können Sie hier kostenlos herunterladen.

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