Vor der Ausbildung -

Ausbildung im Handwerk Politik will mehr Geld für berufliche Bildung bereitstellen

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels wollen Politik und Sozialpartner die duale Ausbildung stärken und Aufstiegschancen verbessern.

Die duale Berufsausbildung in Deutschland darf nicht nur ein Exportschlager sein. Sie muss auch im Inland wieder stärker nachgefragt werden. Dies sei "für den Wirtschaftsstandort Deutschland ungemein wichtig ist", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei einem gemeinsamen Symposium der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur höheren Berufsausbildung. Dies gelte umso mehr, da der demografische Wandel den Mangel an Auszubildenden noch verschärfe. Ihrer Ansicht nach geht es aber nicht darum, die Zahl der Abiturienten künftig zu deckeln, sondern wieder mehr Jugendliche für die duale Ausbildung und entsprechende Aufstiegsfortbildungen wie den Abschluss zum Meister zu gewinnen.

Berufsabitur bietet Sicherheit

Die Ministerin sprach sich ausdrücklich für die Möglichkeit aus, neben dem Abitur eine berufliche Ausbildung zu absolvieren. Das "Berufsabitur" biete den Jugendlichen die gewünschte Sicherheit. Damit überhaupt wieder mehr Jugendliche den Weg der dualen Ausbildung einschlagen, sollte ihrer Ansicht nach die frühzeitige und individuelle Berufsorientierung in der Schule auch in der kommenden Legislaturperiode wie bisher mit rund einer Milliarde Euro finanziert werden. Auch sollte die Politik Jugendliche in ihrer Mobilität unterstützen, damit sie auch weiter weg vom Heimatort eine Lehre machten.

Daneben müsse der weitere Aufstieg in der beruflichen Bildung erleichtert werden. Die Politik habe zwar das Meister-Bafög verbessert, aber diesen Weg müsse man noch ein Stück weiter gehen. Auch durch Finanzströme müsse die Wertschätzung der beruflichen Bildung dargestellt werden, sagte sie und griff damit auch eine Forderung von ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer auf.

Handwerk fordert nationalen Bildungspakt

Der Handwerkspräsident ist überzeugt, dass sich mit Geldströmen die Bildungsströme beeinflussen lassen. Von der Politik fordert er deshalb im Wahljahr ein klares Signal für die berufliche Bildung und mehr finanzielle Mittel. "Wir brauchen einen nationalen Berufsbildungspakt", sagte er. Die Besetzungsprobleme entwickelten sich immer stärker zur Wachstumsbremse für die gesamte Wirtschaft. Darüber hinaus erschwerten die Nachwuchsprobleme gerade im Handwerk die Nachfolgeregelung. Dies sei umso gravierender, da in den nächsten vier Jahren allein im Handwerk 135.000 Betriebe übergeben würden.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion Michael Kretschmer kennt die Probleme. "Wir werden in diesen Bereich investieren", sagte er mit Blick auf die berufliche Bildung. Allerdings geschehe dies nicht gegen den Hochschulbereich sondern als "eigene Stärke dieses Landes." Die Jugendarbeitslosigkeit sei in Deutschland so gering, weil den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechend ausgebildet werde. Auch Aufstiegsmöglichkeiten zum Techniker und Meister wolle die Union unterstützen.

Wichtig: Mehr Aufstiegsmöglichkeiten für Spezialisten

Gerade hier ist nach Ansicht von Elke Hannack, Mitglied im DGB-Bundesvorstand, noch viel zu tun. So sollte zwischen Geselle und Meister die Ebene des Technikers analog zum Kfz-Bereich in noch mehr Branchen eingeführt werden. Damit könne der fachlichen Spezialisierung und Fortbildung besser Rechnung getragen werden. Auch der frühere Schweizer Nationalrat Rudolf Strahm plädiert für eine "Wissensgesellschaft auf mittlerer Stufe". Er wies darauf hin, wie in der Schweiz die ausgeprägte höhere berufliche Bildung dafür sorge, dass etwa in Meisterkursen Berufstätigen im Alter von 30 oder noch mehr Jahren die neueste Technologie spezifisch vermittelt werde und gerade die höhere Berufsausbildung für die wichtige Technologiediffusion und Innovationskraft der Wirtschaft beitrage.

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