München und Oberbayern -

Sommerempfang der Handwerkskammer Peteranderl kandidiert als Kammerpräsident

Franz Xaver Peteranderl kündigte in seiner Rede beim Sommerempfang der Handwerkskammer für München und Oberbayern an, Präsident werden zu wollen. Thematisch stellte er den Schutz des Meisterbriefs in den Fokus.

Vizepräsident Franz Xaver Peteranderl kündigte in seiner Rede anlässlich des Sommerempfangs am 12. Juli in München an, dass er bei der nächsten Vollversammlung der Handwerkskammer am 14. September 2016 als Präsident kandidieren wird. Bei einer Wahl würde er die Nachfolge des zurückgetretenen Georg Schlagbauer antreten.

Neben zahlreichen Politikern, allen voran die stv. Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, waren auch viele Vertreter des öffentlichen Lebens und der Medien zum Sommerempfang gekommen.

Peteranderl wirbt für Europa

In seiner Rede sagte Peteranderl, dass "das Handwerk ein überzeugter Anhänger der europäischen Idee“ ist. Der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und der Menschen habe Europa Wohlstand und Stabilität gebracht, so der Vizepräsident. Durch die europäische Einigung sei aus einem Kontinent der Kriege ein völkerverbindendes Miteinander geworden.

Peteranderl: "Auch wir von der Handwerkskammer für München und Oberbayern bekennen uns zu Europa. So haben wir mit unseren vielfältigen europäischen Partnerschaften erleben dürfen, wie schön und gewinnbringend die Freundschaft zwischen den Menschen Europas sein kann. Allerdings muss man eine Tatsache deutlich erkennen: Auf dem Weg in die europäische Integration hat man offensichtlich viele Menschen nicht mitgenommen."

Peteranderl betonte, der Weg in ein gemeinsames Europa der Zukunft sollte aus der Sicht des Handwerks eine Gemeinsamkeit in der Vielfalt suchen. Regionale Eigenständigkeit müsse besser geachtet werden. Das Subsidiaritätsprinzip sollte gestärkt werden. Der Vizepräsident: "Europa darf nicht in alle Belange der Einzelstaaten 'hinein regulieren'. Es muss sich stattdessen um zentrale Herausforderungen wie Finanzmarktstabilität, Migration, Außen- und Sicherheitspolitik kümmern."

Meisterbrief Fundament des Handwerks

Ein treffend-typisches Überregulierungsbeispiel seien die nicht enden wollenden Versuche, den Meisterbrief und damit das Fundament des Handwerks zu schwächen. Peteranderl: "Der große Befähigungsnachweis ist die tragende Säule des dualen Bildungssystems. Es hat uns die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa gebracht. Eine solche regionale Stärke sollte man pflegen. Ja, das Handwerk will Europa als Identität – aber mit starken regionalen Wurzeln!"

Der Brexit habe die europäischen Konjunkturaussichten getrübt. Dieser Dämpfer komme zur Unzeit. Es seien schon zuvor einige Wolken am Konjunkturhimmel gewesen. Trotzdem gehe es momentan dem Handwerk noch wohltuend gut.

Unterstützung habe das Handwerk auch durch die Integrationsgesetze auf Bundes- und Landesebene bekommen. Es sei sehr wichtig gewesen, so Peteranderl, dass man dadurch der "Willkommenskultur" auch eine "Willkommensstruktur" an die Seite gestellt habe. Im Grundsatz "fördern und fordern" seien viele Aspekte enthalten, die auch die Handwerker bewegten. Besonders die Schaffung von Rechtssicherheit für den Aufenthalt während einer Ausbildung und danach helfe den Handwerksbetrieben sehr.

Generationswechsel im Handwerk

Der Handwerkskammer-Vizepräsident machte auch deutlich, dass das Handwerk vor einem generationenbedingten Strukturwandel stehe. Im Münchner und oberbayerischen Handwerk warteten gut 14.000 Einzel-unternehmen innerhalb der nächsten zehn Jahre auf die Übergabe an einen geeigneten Nachfolger.

Peteranderl: "Mit großer Erleichterung hatten wir deshalb zunächst die Einigung zur Erbschaftsteuerreform aufgenommen. Sie wäre eine Lösung gewesen, mit der das Handwerk gut hätte leben können. Nach der Ablehnung durch den Bundesrat und die Anrufung des Vermittlungsausschusses ist nun wieder alles offen und für die Handwerksbetriebe beginnt die Unsicherheit aufs Neue."

In der Region beschäftige die Handwerker zunehmend die Zukunft des Wirtschaftsverkehrs, erklärte Peteranderl. Nur wenn eine reibungslose Kundenerreichbarkeit gewährleistet sei, könne das Handwerk seiner Versorgungsfunktion nachkommen. Leider deuteten sich hier drastische Verschärfungen an. Die angedachte Ausweitung der Lkw-Maut auf Lieferfahrzeuge ab 3,5 t würde das Handwerk ins Mark treffen. Die Kostenbelastung für die streckenbezogene Maut und für den Einbau des technischen Equipments wäre nicht finanzierbar, erklärte der Vizepräsident.

Eine weitere Gefahr drohe dem Wirtschaftsverkehr durch Zufahrtsbeschränkungen, die sich an unrealistischen Umweltstandards festmachen. Hier habe das Handwerk eine klare Position: Verbote sind kein Lösungsansatz, um Umweltziele zu erreichen! Peteranderl: "Pläne für eine sogenannte 'blaue Plakette' sind aus unserer Sicht völlig realitätsfremd. Anstelle von Verboten sollten besser technologische Alternativen wie zum Beispiel die E-Mobilität gefördert werden."

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