Bayerischer Handwerkstag -

Tag des Bayerischen Baugewerbes Peteranderl fordert Erhalt der Meisterpflicht

Der Tag des Bayerischen Bauge­werbes fand am 23. Mai in München statt. Bei einer Veranstaltung im Verkehrszentrum des Deutschen Museums stellte Präsident Franz Xaver Peter­anderl die Positionen seines Verbandes zur Europawahl 2014 vor.

Peteranderl forderte die EU-Kommission auf, die deutsche Bauhandwerkerausbildung nicht in Frage zu stellen: „Wir wollen und brauchen die duale Ausbildung und können nicht auf sie verzichten! Das Gleiche gilt für die Meisterqualifikation. Sie ist Garant für eine qualitativ und quantitativ hohe Ausbildungsleistung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Die Meisterpflicht muss deshalb erhalten bleiben!“

Mit Blick auf die Infrastruktur sagte der Baugewerbe-Präsident, Europa müsse deutlich mehr Mittel für seine Straßen, Schienen und Binnenschifffahrtswege zur Verfügung stellen. Weiter forderte Peteranderl am Bestand orientierte, optimale und vor allem wirtschaftliche Lösungen für höchstmögliche Energieeffizienz: „Die Ziele der Energiewende sind nur zu erreichen, wenn der Ersatzneubau als Variante der energetischen Modernisierung ebenso gefördert wird wie die Altbaumodernisierung. Eine nationale Mietpreisbremse ist das falsche Mittel.“

Auch bei technischen Fragen haben europäische Vorgaben zu negativen Auswirkungen in der Baupraxis geführt. Der Baugewerbe-Präsident kritisierte besonders die europäische Normungspraxis: "Europäische Normen zur Bauausführung bzw. zur Verarbeitung von Bauprodukten sind nur dort sinnvoll, wo europaweit ­gleiche Verarbeitungsmethoden und -verfahren bei gleichen Mindestanforderungen und Standards angewandt ­werden."

Wie viel Europa verträgt die Bauwirtschaft?

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der auch für Bau und Verkehr verantwortlich zeichnet, sagte: "Nur mit Europa können wir unsere wirtschaftliche Stärke und sichere Arbeitsplätze erhalten." Der Minister versprach, man werde sich weiter dafür einsetzen, „dass die Meister bleiben, was sie sind, und nicht auf euro­­­­päischen Altären geopfert werden“. Herrmann kritisierte, dass die Baupreise durch Verschär­fungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) immer weiter in die Höhe getrieben würden.

Bei einer Podiumsdiskussion, die sich um die Frage "Wie viel Europa ­verträgt die Bauwirtschaft?" drehte, wurde über die unterschiedlichen Bedingungen auf den Baustellen debattiert. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), wies darauf hin, dass der Stundenverrechnungssatz in Deutschland bei 35 bis 40 Euro liege, in Rumänien nur bei 3,70 Euro. Bauunternehmerin Laura Lammel, ZDB-Delegierte im Verband der Europäischen Bauwirtschaft (FIEC), forderte höhere Sozialstandards auf den Baustellen. Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Europagruppe im Europäischen Parlament, konstatierte: "Das Hauptproblem sind die Tagelöhner der Moderne", die ihre Arbeitskraft zu Dumpingpreisen anbieten. FIEC-Generaldirektor Ulrich Paetzold nannte beispielhaft einen länger zurückliegenden Fall, bei dem ein Hochbauunternehmen eine Baustelle in Belgien von seiner polnischen Filiale abwickeln ließ und nur die Abgaben entrichtete, die nach polnischem Recht anfielen.

Im Rahmen des Verbandstages hat die Delegiertenversammlung des LBB alle Mitglieder des Präsidiums bis 2017 wiedergewählt. Neben Präsident Pete­randerl sind dies Vizepräsident Rudolf Pfister, der Vorsitzende des Landesausschusses für Tarif- und Sozialpolitik, Uwe Goebel, der Vertreter für Nordbayern, Wolfgang Töppel, und der Vertreter für Südbayern, Rudolf-Georg Haller.

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