Für Ausbilder -

Nacht der Ausbildung Per Shuttle-Bus zur Ausbildung

Die Idee klingt verlockend: Jugendliche fahren mit einem kostenlosen Shuttle-Bus von einem Betrieb ihrer Region zum nächsten, und erfahren, was dort an Ausbildungen geboten wird. Mit einer solchen "Nacht der Ausbildung" bündeln inzwischen einige Regionen ihre Nachwuchswerbung. Das Handwerk kann davon profitieren, unter diesen Vorraussetzungen.

Es war ein Überraschungscoup: Ein knallbunter, 20 Meter langer Showtruck, zog bei der Nacht der Ausbildung in Roth ganze Scharen von jungen Leuten an. Der Slogan "Deine Zukunft ist bunt“ lockte die Jugendlichen.

Sie schauten sich im Truck Video-Interviews mit Maler-Azubis an, gestalteten mittels virtueller Technik Räume und testeten auf iPads, ob sie für den Beruf geeignet wären. Maler- und Kreishandwerksmeister Hanno Dietrich hatte den Laster organisiert: "Das war der Ankommer schlechthin“, schwärmt er.

Kostenlose Shuttle-Busse zur Nacht der Ausbildung

Schon drei Mal hat die Region Roth in Mittelfranken eine Nacht der Ausbildung veranstaltet. In der Zeit von 17 bis 22 Uhr pendeln kostenlose Shuttlebusse zwischen teilnehmenden Betrieben hin und her. Jugendliche, Eltern und Lehrer können überall ein- und aussteigen, Betriebe besichtigen, sich über Berufe informieren und Kontakte knüpfen.

Das Konzept, an einem Abend die Betriebe einer Region für den Nachwuchs zu öffnen, gibt es an vielen Orten, organisiert entweder von Wirtschaftsjunioren, freien Zusammenschlüssen von Unternehmen oder, wie in Roth, von der regionalen Wirtschaftsförderung und dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft.

Allen gemeinsam ist: Sie erreichen in kurzer Zeit sehr viele Jugendliche – aber nur sehr wenige Handwerksbetriebe nehmen daran teil.

In Konkurrenz zur Industrie

Das hat verschiedene Gründe, weiß Isolde Krahle, die in Roth die Nacht der Ausbildung organisiert. Viele Handwerksunternehmer argumentierten, sie könnten am Abend kein Personal abstellen. Außerdem gingen die Jugendlichen ohnehin nur zu den großen Betrieben. "Ich habe aber immer das Gefühl, die Notwendigkeit, dass man an die Jugendlichen herangeht, ist noch nicht wirklich angekommen“, fasst Krahle ihren Eindruck zusammen.

Sebastian Dörr dagegen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelfranken-Süd, bestätigt, dass Kleinbetriebe zuletzt tatsächlich nur ein bis zwei Dutzend Besucher anzogen, während namhafte Industrieunternehmen bis zu 700 Teilnehmer bei sich zählten.

Präsenz zeigen im Handwerk

Metzgermeister Martin Burmann aus Roth-Pfaffenhofen hält trotzdem an der Nacht der Ausbildung fest. "Gerade weil das Handwerk so wenig wahrgenommen wird, ist es wichtig, teilzunehmen“, argumentiert er. "Es geht darum, dass man präsent ist, in die Zeitungen reinkommt, in Facebook. Das ist Öffentlichkeitsarbeit!

Martin Burmann

Der 53-Jährige nutzt die Nacht der Ausbildung für eigene Events. Auf seinem Hof mit Metzgerei und Laden führt er nicht nur die Jugendlichen herum, sondern bietet parallel eine Bratwurstverkostung, ein Burgertasting oder eine Steakpräsentation an. Viel Aufwand zwar für einen Betrieb, der mitsamt Chef, Ehefrau und Azubi nur fünf Arbeitskräfte zählt. Aber es lohnt sich. Nach der letzten Veranstaltung machte eine junge Frau ein Praktikum bei ihm und will nun Fleischereifachverkäuferin werden.

Anstrengungen lohnen sich

Auch die Anstrengungen von Hanno Dietrich machen sich bezahlt. "Wir haben in der Region die Schülerzahlen im Gewerk fast verdoppelt, von 16 auf jetzt 27 Azubis in der Berufsschulklasse“, freut sich der Obermeister.

Der Besuch des Showtrucks, den der Farbenhersteller Brillux zur Nachwuchswerbung eingerichtet hat, konnte die Zahlen noch steigern. Und er hat bewiesen: Wenn sich Betriebe zusammenschließen, können sie der Industrie die Show stehlen.

Nacht der Ausbildung

  • Kosten: abhängig von der Betriebsgröße, in Roth ab 300 Euro; damit abgedeckt ist je nach Region der Shuttlebus, Werbung, Facebook-Auftritt, eine eigene Webseite zum Abend und Einladungsschreiben.
  • Anzahl der besuchten Betriebe: Im Schnitt schaffen die Jugendlichen an einem Abend vier bis sechs Stationen; sie bevorzugen namhafte Firmen, lassen sich aber auch von besonderen Events locken, wenn diese ausreichend beworben wurden.
  • Effekt: Die Wirtschaftsjunioren der Region Schwäbisch Hall-Crailsheim berichten, dass teils noch am selben Abend Verträge unterschrieben werden. Insgesamt gehen nach dem Abend mehr Bewerbungen bei den Unternehmen ein. Viele Betriebe können noch am selben Abend Praktika vereinbaren.
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