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Kürschnerhandwerk Pelz aus China: Für einen Fachbetrieb indiskutabel

Viele Jahre war Pelz verpönt, jetzt kommt er wieder in Mode als funktionelles Naturprodukt. Kürschnermeister Wolfgang Lastner, Vizepräsident des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks, über das Label WePreFur, das Felle aus heimischer Raubwildjagd verarbeitet.

DHZ: Der Zentralverband des Kürschnerhandwerks hat im vergangenen Jahr das Label WePreFur gestartet. Was verbirgt sich dahinter?
Wolfgang Lastner: Hinter WePreFur verbirgt sich die Idee, heimische Felle, die aus der Raubtierbestands-Regulierung und Schädlingsbekämpfung stammen, zu verarbeiten. Bisher wurden 95 Prozent ungenutzt weggeworfen. Das Label schickt sich an, das ramponierte Image der Branche nicht nur aufzupolieren, sondern einen Gegentrend einzuläuten. Das Gütesiegel arbeitet mit einem verbindlichen Werte-Kodex, bei dem Ökologie, Nachhaltigkeit und die Würde des Tieres im Vordergrund stehen. Die heutige Gesellschaft prägen andere ökologische, ökonomische und ethische Wertvorstellungen als die eines Neandertalers. Es geht darum, Werte zu erhalten. Ich finde es einwandfrei, Materialen sinnvoll zu nutzen, die anfallen und sonst weggeschmissen werden.

DHZ: Von 90 Betrieben, die im Zentralverband des Kürschnerhandwerks organisiert sind, haben sich inzwischen 23 dem Label angeschlossen.
Lastner: WePreFur wurde im März 2016 gestartet. Ich finde es sehr positiv, dass innerhalb so kurzer Zeit schon so viele Betriebe mitmachen und es werden noch mehr werden.

DHZ: Was muss ein Betrieb tun, um das Label zu erhalten?
Lastner:
Die Betriebe werden zertifiziert. Die Zertifizierung kostet eine Gebühr und im Lizenzvertrag ist geregelt, welche Anforderungen die Betriebe erfüllen müssen. Alles muss einwandfrei nachvollziehbar sein. Das Material muss beispielsweise vor Ort im zertifizierten Betrieb verarbeitet werden. Es muss Buch geführt werden über die gekauften Materialen inklusive der Lieferscheine usw. Einmal im Jahr wird der Betrieb von einem Sachverständigen im Kürschnerhandwerk kontrolliert. Bei einem Verstoß drohen hohe Bußgelder und sogar die Aberkennung des Zertifikats.

DHZ: WePreFur verarbeitet also heimische Felle von wildlebenden Tieren. Von welchen Tieren stammen die Felle, die Sie verarbeiten?
Lastner:
Wir bekommen aus der heimischen Jagd und Schädlingsbekämpfung Rotfuchs, Bisam, Marderhund (Enok), Dachs, Iltis, Nutria, Kanin, Wildkanin, Waschbär und Marder.

DHZ: Wenn man die Zahlen der jährlich in Deutschland erlegten Wildtiere hört, hält man sie für utopisch. Allein bei den Rotfüchsen sind es über 400.000 Tiere pro Jahr.
Lastner:
Das sind sehr hohe Zahlen. Wenn wir von 400.000 Rotfüchsen ausgehen, dann werden im Moment nur fünf Prozent davon überhaupt verarbeitet. Ich finde es einen Frevel, so viel Material ungenutzt wegzuwerfen. Warum soll man sein Fell also nicht nutzen, wenn es aus Gründen der Überpopulation sowieso anfällt. Wenn man Wert auf einen ökologischen Kreislauf und auf Naturmaterialen legt, dann ist es ganz normal, diese Materialien auch zu verwenden.

DHZ: Was entgegnen Sie Pelzgegnern, die behaupten, dass in Deutschland Nerze aus nicht tierschutzgerechter Züchtung verarbeitet werden?
Lastner:
Es ist nicht so, wie es immer behauptet wird. Diese Ansicht ist komplett überholt. 90 Prozent unserer verarbeiteten Felle stammen aus Wald und Wiese. Viele denken, der Nerz wird nur wegen seines Felles gezüchtet. Das stimmt so nicht. Das Fleisch wird auch für Tierfutter verwertet und Öle sind ein Bestandteil der Kosmetikindustrie. Das ist ein ökologischer Kreislauf. Wir (WePreFur-Kürschnerbetriebe, Anm. d. Red.) verarbeiten nur gelabelte skandinavische Nerze. Saga ist ein skandinavischer Zuchtverband. Felle aus dieser Zucht kann man mit gutem Gewissen verwenden. Ich selbst habe schon Nerzfarmen in Kopenhagen besucht.

DHZ: Warum hat Pelz bei vielen Menschen einen schlechten Ruf?
Lastner:
Das kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich kommt das noch von der Antipelz-Stimmung vor 30 oder 40 Jahren. Das sind alte Sichtweisen, die sich eingebrannt haben und immer wieder aus der Retorte geholt werden.

Fuchsfell mit Kürschnermesser

DHZ: Tierschützer prangern generell die Verarbeitung von Pelz an.
Lastner:
Wenn Tierschützer es ablehnen, dass man ein natürliches Produkt verarbeitet, finde ich das in der heutigen Zeit deplatziert, wenn man gleichzeitig von Ökologie und Nachhaltigkeit spricht. Wir sind für jeden offen und respektieren andere Meinungen. Aber aggressive Kampagnen gegen Pelz haben mit einer sachlichen Auseinandersetzung nichts zu tun. In der Schweiz haben Tierschützer überhaupt keine Probleme mit Rotfüchsen. Nur in Deutschland wird immer alles hundert Mal hinterfragt. Mir kommt es manchmal so vor, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man ein einwandfreies ökologisches Produkt hat. Die Problematik ist, dass Kaufhausketten und Boutiquen chinesische Ware einführen. Und solange in China der Tierschutz hinterm Mond ist, darf man meiner Meinung nach von dort nichts importieren.

DHZ: Fragen Ihre Kunden die Herkunft der Pelze nach?
Lastner:
Immer wieder. Meine Kunden wissen aber auch, dass wir als Handwerksbetrieb keine chinesische Ware verarbeiten. Das ist nicht verboten, doch für ein Fachgeschäft indiskutabel.

DHZ: Wenn man die Pelze hier bei Ihnen im Laden anfasst, dann sind sie sehr weich und leicht.
Lastner:
Durch Oberflächenveränderung werden die Pelze federleicht. Das ist für den Kunden oft sehr überraschend, denn die Teile sind so leicht wie jedes Daunen- oder Mikrofaserteil. Jedoch ist es Natur, keine Kunstfaser oder Synthetik, das bei der Herstellung und Entsorgung Sondermüll produziert. Im Gegensatz zu einer Plastikjacke ist Pelz in der Herkunft und der Herstellung ökologisch. Dafür muss man die Kunden sensibilisieren.

DHZ: Kommen auch junge Menschen zu Ihnen ins Geschäft?
Lastner:
Es werden immer mehr. Als ich vor 40 Jahren angefangen habe, war das Kundenklientel 50 plus. Heute sind 20-Jährige selbstverständlich. Zwar kaufen sie sich kein ganzes Pelzteil, aber vielleicht einen Kapuzenstreifen aus einem deutschen Marderhund oder Rotfuchs. Oder sie lassen von der Oma etwas umarbeiten. Es muss nur funktionell, durch neue Verarbeitungstechniken leicht und modisch sein.

DHZ: Pelz ist also kein Statussymbol mehr?
Lastner:
Nein, die Zeiten, in denen Pelz ein Statussymbol war, sind vorbei. Verbraucher tragen heute Pelz aus funktionellen Gründen und weil sie ein natürliches Produkt nutzen wollen, das auch alle klimatische Bedingungen erfüllt. Wenn Sie in einer Plastikjacke aus dem Haus gehen, ist es am Morgen vielleicht ganz angenehm, aber am Nachmittag fangen Sie an zu schwitzen. Das passiert Ihnen mit einem Naturprodukt nicht.

Alle Informationen zum Gütesiegel unter weprefur.com.

Wildart Anzahl erlegter Tiere im Jagdjahr 2015/2016
Füchse 466.186
Waschbären 128.103
Marderhunde 27.842
Baummarder 5.487
Steinmarder 43.137
Iltisse 9.063
Dachse 71.168
Wildkaninchen 240.982

Quelle: Deutscher Jagdverband

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