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Web 2.0- Technologie Papierkrieg Ade: Berichtsheft bald online führen

Auszubildende können ihr Berichtsheft in Zukunft online ausfüllen und von ihren Ausbildern unterschreiben lassen. Ein Webportal für ein Online-Berichtsheft ist gerade in der Erprobung. Es soll auch den individuellen Lernfortschritt der Jugendlichen dokumentieren und die Kooperation zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule verbessern. Schon jetzt kann man eine Demoversion testen, offizieller Start der Plattform ist Anfang Mai.

Bisher ist das Berichtsheft vor allem ein Rechtfertigungsinstrument für Azubis. Hier müssen sie nachweisen, wann sie welche Arbeit geleistet haben oder zum Unterricht in der Berufsschule waren. Ausbilder beschweren sich oft über unleserliche oder fehlende Beiträge. Das soll sich nun ändern. Das Projekt BLok – Online-Berichtsheft zur Stärkung der Lernort-Kooperation – macht das Berichtsheft auf Papier überflüssig.

Drei Benutzergruppen können sich auf der Online-Plattform registrieren und sie unabhängig von Ort und Zeit nutzen: Auszubildende, betriebliche Ausbilder und Berufsschullehrer. Azubis tragen online ihre Tätigkeiten und deren Dauer ein, die dann von den Ausbildern signiert werden.

Vergleich mit der Ausbildungsordnung

Sollten Einträge fehlen, können sich Auszubildende und Ausbilder per Mail automatisch erinnern lassen. Ausbilder können Einträge auch virtuell ablehnen und eine Nachbesserung verlangen. Mit einer Kommentarfunktion können sie ein direktes Feedback geben: So soll die Kommunikation zwischen beiden Parteien während der Ausbildung verbessert werden.

Insgesamt bietet die Plattform mehr Funktionen als "nur" ein Berichtsheft, das online geführt wird. Die Jugendlichen können Dokumente sammeln, die für ihre Ausbildung relevant sind. Zudem können sie ihre dokumentierten Tätigkeiten auch den entsprechenden Inhalten der Ausbildungsordnung zuordnen. So erhalten sie eine Art Lerntagebuch und haben immer einen Soll-Ist-Vergleich vor Augen.

Azubis zum Nachdenken anregen

Die Verknüpfung der Lerninhalte kann von den Berufsschullehrern überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Die Jugendlichen sollen über ihre Ausbildung nachdenken und Lücken oder Nachholbedarf selbst erkennen. Schulischen und betrieblichen Ausbildern soll BLok den regelmäßigen Kontakt erleichtern und eine bessere Absprache ermöglichen.

Da das Berichtsheft der entscheidende Ausbildungsnachweis ist, muss er den Kammern bei der Anmeldung zur Prüfung vorgelegt werden. Das könnte in Zukunft ebenfalls elektronisch erfolgen, zum Beispiel indem ein entsprechendes Dokument per pdf verschickt wird. Dafür müssen aber noch genauere Absprachen zur rechtlichen Akzeptanz und zur technischen Machbarkeit mit den Kammern getroffen werden.

Unternehmer hoffen auf bessere Kooperation

Die Entwicklung des Online-Berichtshefts wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Europäischen Sozialfonds und der Europäischen Union. Kooperationspartner in der Erprobungsphase sind unter anderem die Technische Universität Dresden, die Handwerkskammer Dresden und die IHK Dresden. Schon jetzt können Auszubildende und Ausbilder das Online-Berichtsheft kostenlos testen.

"Wir haben den Eindruck, dass viele Unternehmen auf ein Instrument dieser Art gewartet haben. Sie versprechen sich dadurch eine bessere Betreuung und Kooperation zwischen den Lernorten", sagt Andreas Ueberschaer von der TU Dresden. Auch mit dem Handwerk habe man in der Erprobungsphase gute Erfahrungen gemacht. So hätten etwa Elektroniker oder Kraftfahrzeugmechatroniker die Plattform gerne genutzt.

Kosten vergleichbar mit der Papier-Version

Ab Mai können alle Unternehmen deutschlandweit das Online-Berichtsheft nutzen. Die Plattform wird dann vom Bildungsportal Sachsen GmbH betrieben, einem Unternehmen sächsischer Hochschulen. Betriebe zahlen eine Benutzungsgebühr von 19,99 Euro pro Auszubildenden für die gesamte Ausbildungszeit. Damit wären die Kosten ähnlich wie bei einem herkömmlichen Berichtsheft auf Papier, sagte Ueberschaer. Mit dem Betrag ist auch die Registrierung aller betrieblichen Ausbilder abgegolten, Berufsschullehrer können das Portal kostenlos nutzen.

Unter online-ausbildungsnachweis.de können Interessierte sich schon jetzt im Webportal registrieren oder eine Demo-Version testen. Auch weitere Informationen zum Projekt sind hier zu finden.

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