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Die Mischung macht´s Online und offline: So funktioniert moderne Weiterbildung im Handwerk

Spezialisiert auf die Fachgebiete Betriebswirtschaft und EDV/IT bietet die Akademie für Unternehmensführung in Würzburg Weiterbildungsmaßnahmen in verschiedenen Kursmodellen an. Neben klassischen Vollzeitkursen gibt es auch die Modelle "Online" und "Blended Learning". Hier werden Anwesenheitszeiten mit selbstständigem, digitalem Lernen auf eigene Art kombiniert.

Er sitzt alleine vor seinem Computer zuhause, im Raum ist es ruhig. Seine Ausstattung besteht aus einem Headset auf dem Kopf. So beschreibt Peter Ilg von der Akademie für Unternehmensführung seine Arbeitssituation. Dass er als einer der Online-Dozenten der Handwerkskammer Unterfranken Weiterbildungskurse hält, vermutet man bei dieser Beschreibung nicht. Doch genau das ist seine Aufgabe. Er spricht zu einem Publikum, das er selbst nicht sieht, und das doch aufmerksam zuhört. Genau wie der Dozent selbst sitzen auch die Zuhörer vor ihren privaten Computern und nehmen so an der Weiterbildung teil. Sie haben sich für das Kursmodell "Online" entschieden, und werden jede Woche als Gruppe digital unterrichtet.

Das spart vor allem Fahrtwege und -zeiten, niemand der berufstätigen Teilnehmenden muss im Anschluss an die tägliche Arbeit noch an einen bestimmten Ort fahren. Zu Hause noch mit der Familie essen, die Kinder ins Bett bringen oder den Haushalt erledigen – trotz zusätzlichem Zeitaufwand durch die Weiterbildung ist all das möglich. Pünktlich um 19 Uhr versammeln sich dann alle im virtuellen Klassenzimmer. "Statt fernsehen am Abend heißt es dann lernsehen", scherzt Ilg. Über Bild und Ton wird sein Unterricht übertragen. Je nach Thema sehen die Teilnehmenden Präsentationen, Animationen oder auch Dokumente. Bei Fragen können sie über Mikrofon diskutieren oder sich im Chatroom schnell austauschen.

Den Input liefert in den Kursstunden vorrangig der Dozent. Dass diese vor dem Computer stattfinden, merkt man laut Ilg deutlich. "Man spricht ins Nichts, was bei den ersten Unterrichten ungewohnt ist", so der Dozent. Im Gegensatz zum Präsenzunterricht sieht er hier die Teilnehmenden nicht, kann ihre Reaktionen nicht direkt am Gesichtsausdruck ablesen. Durch entsprechende Unterrichtsgestaltung und Nachfragen kann das ausgeglichen werden. Und in Zeiten, in denen Videotelefonie immer alltäglicher wird, sind auch die Teilnehmenden schnell mit dem System und der Unterrichtsform vertraut.

Mischung aus online und betreuten Lernphasen

Als Dozent für Online-Kurse war Ilg von Anfang an dabei. Bereits seit dem Jahr 2000 bietet die Akademie für Unternehmensführung dieses Kursmodell an – damals eine echte Besonderheit. Heutzutage sind digitale Lernangebote weiter verbreitet. Durch die fast 20-jährige Erfahrung weiß Ilg, dass sich das System und diese Form des Unterrichts an der Akademie bewährt haben. Natürlich haben sich seit der ersten Stunde die Technik und die Übertragungsgeschwindigkeiten verbessert. Er selbst wirkt an der Erstellung und Aktualisierung der Lernprogramme und Kursmaterialien mit.

Zusätzlich zum regelmäßigen digitalen Unterricht sind auch selbstständige, betreute Lernphasen Teil der Weiterbildung. Im digitalen Kursraum haben die Teilnehmenden einen Überblick über alle Module und den jeweiligen Lernfortschritt. Über Lernprogramme erarbeiten oder vertiefen sie in eigener Zeitaufteilung den Stoff. Die richtige Antwort ankreuzen, per Drag and Drop Stichworte in eine Tabelle einsortieren, oder eine Antwort frei eingeben: In den Übungsaufgaben wenden die Teilnehmenden das Gelernte direkt an und bekommen eine prompte Rückmeldung, ob sie alles richtig verstanden haben. Skripte, Videos, Animationen und Leistungskontrollen ergänzen das Angebot auf der Lernplattform. Frei nach den eigenen Präferenzen nutzen die Lernenden, was zu ihrem Lerntyp passt.

Dass sich viele Menschen für eine online-gestützte Variante der Weiterbildung entscheiden, liegt laut Sabine Lohoff, Leiterin der Akademie für Unternehmensführung, oft an der starken Einbindung in den Beruf. Wer sich weiterbilden möchte, muss zusätzlich zu den regulären Arbeitszeiten die Zeit dafür finden. Es sind vor allem berufserfahrene Personen aus dem Handwerk, die sich für die Weiterbildungsangebote der Akademie entscheiden. Wer sich betriebswirtschaftlich weiterbildet, strebt oft führende Positionen im Betrieb an. Die fachliche Ausbildung vieler Meister wird so um eine betriebswirtschaftliche Komponente ergänzt. Auch bei Weiterbildungen im Bereich IT kann anschließend mehr Verantwortung übernommen werden, beispielsweise bei der Digitalisierung. Und auch zur persönlichen Entwicklung dient die Weiterbildung, nicht jeder strebt damit Karrierezwecke an.

Trotz der Bezeichnung "Online" handelt sich dennoch nicht um Kurse, die rein im Internet stattfinden. Stattdessen kommen die Teilnehmenden auch regelmäßig in die Akademie nach Würzburg. Die Lernräume dort sind modern und funktional, Konzentration liegt in der Luft. Vor Ort stehen Gruppenarbeiten und interaktive Inhalte im Vordergrund, damit die Präsenzzeiten optimal ausgenutzt werden. "Die Kombination macht es aus", so Ilg. Ausschließlich vor dem Computer zu lernen, sei für die meisten Teilnehmenden nicht das Richtige. Die Lernphasen vor Ort schaffen Anwendungsbezug und fördern den Erfahrungsaustausch.

Variante je nach Lerntyp frei wählen

Wer sich etwas mehr Lernphasen vor Ort wünscht, aber nicht in Vollzeit teilnehmen möchte, kann statt dem Modell "Online" auch die "Blended Learning"-Variante wählen. Hierbei wird mehr in Präsenzphasen unterrichtet, der regelmäßige Kurs vor dem Computer fällt dagegen weg. Sozusagen eine abgeschwächte Version des Online-Kurses. Welche Art sich für die Teilnehmenden eignet, hängt vom eigenen Lerntyp ab, so Lohoff. Manche Personen kommen besser damit zurecht, eigenständig zu lernen, andere weniger.

Die Präsenzzeiten sind demnach wichtig, um die Motivation zu steigern. Durch den direkten Kontakt in der Gruppe entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das die Teilnehmenden stärker aneinander bindet. Hier entstehen sowohl Freundschaften als auch Geschäftsbeziehungen. Dass die Zusammengehörigkeit gefördert werden soll, merkt man auch im Gebäude der Akademie. Es gibt offene Aufenthaltsräume, in denen die Teilnehmenden zusammen ihre Pausen verbringen können. Hier sieht man Personen verschiedener Alters- und Berufsgruppen, die sich entspannt austauschen oder gemeinsam essen. "Samstags ist hier am meisten los", erläutert Lohoff. Dann finden einige der Präsenzkurse statt, die Akademie ist voller Leben. Online-Kurse anzubieten heißt also nicht, dass das Gebäude wie leergefegt ist.

Voll wird es in der Akademie auch zu Prüfungs- und Abschlusszeiten. Den großen, lichtdurchfluteten Raum, nach rechts und links von Fensterfronten eingefasst, bezeichnet Lohoff als "Saal des Handwerks". Wer hier drinnen seine Prüfungen erfolgreich abgelegt hat, für den wird der Saal nach Kursende zum Ort des Feierns: Mit Blick auf die Würzburger Weinberge zur Linken und auf die Festung Marienberg zur Rechten bekommen die Absolventen hier die Zertifikate ihrer Aufstiegsfortbildung verliehen. Im Jahr 2018 waren es 596 Personen, die an Weiterbildungen der Akademie in Würzburg teilgenommen haben, davon rund ein Drittel in den Modellen "Online" und "Blended Learning". So endet die Weiterbildung, egal wie groß der Anteil an digitalem Unterricht war, für alle Betriebsinformatiker/innen (HWK), Wirtschaftsinformatiker/innen (HWK), Geprüfte Kaufmännische Fachwirte/innen (HwO) und Geprüfte Betriebswirte/innen (HwO) gemeinsam. Schließlich gehört so ein Abschluss auch im entsprechenden Rahmen zusammen gefeiert.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

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