Erfurt -

Projekt MobiPro Ohne Sprache keine Integration

Das Projekt MobiPro kann helfen, neue Mitarbeiter zu finden. Diese Erfahrungen machte der Geschäftsführer Michael Hoffmann von Hoffmann Elektro & Energiesysteme GmbH & Co. KG.

Er erinnert sich: „Ich möchte neue Wege gehen, um neue Mitarbeiter zu finden. Daher war ich neugierig, als mich Frau Szypa von der Handwerkskammer Erfurt anrief und mir das Projekt MobiPro vorstellte.“

Aller Anfang ist schwer

Zehn Bewerber haben sich bei ihm vorgestellt, am Ende hat Adrian Nakielski aus Polen die Lehrstelle zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bekommen. „Meine Erwartungen haben sich zu einhundert Prozent erfüllt. Adrian ist fleißig, nett, hilfsbereit, pünktlich und bei uns immer gerne gesehen“, erklärt Hoffmann. Doch das war nicht immer so. Am Anfang hatte der Lehrling große Probleme, sich zu integrieren, da er die deutsche Sprache nicht beherrschte. „Die Mitarbeiter wollten ihn am Anfang nicht mit zu den Kunden nehmen, da er sie nicht verstand. Aber ich habe darauf bestanden“, erinnert er sich.

Nakielski hat mithilfe seines Smartphones ein Übersetzungsprogramm genutzt, um sich zu verständigen. Inzwischen braucht er das nicht mehr. „Man muss auf jeden Fall den eigenen Willen haben, die Sprache zu erlernen. Nur in der Schule und auf Arbeit deutsch zu sprechen, reicht nicht aus. Eine Integration ohne Sprache ist nicht möglich“, erklärt der Lehrling. Er hat sich deutsche Freunde gesucht – im Fitnessstudio und beim Klettern –, viel zu Hause gelernt, deutsche Musik gehört und Filme in deutscher Sprache geguckt.

Unterstützung vom Betrieb

Um dem 21-Jährigen den Einstieg in Deutschland zu erleichtern, haben ihn die Mitarbeiter am Anfang von seinem Wohnheim abgeholt. Später hat er von dem Betrieb ein Fahrrad gestellt bekommen. Inzwischen fährt er ein eigenes Auto. „Das erste Jahr war schwer. Als Betrieb muss man sich darum kümmern, dass der Lehrling die Sprache lernt, wie er zur Arbeit kommt und dass er von den Kollegen akzeptiert wird“, so Hoffmann. Aber aufgrund seiner guten Erfahrungen, würde er wieder einen Lehrling aus dem Ausland aufnehmen. Die HWK Erfurt als Projektträger organisiert auch ausbildungsbegleitende Hilfen. Dazu zählen Nachhilfeunterricht, Sprachunterricht sowie eine sozialpädagogisch Betreuung.

Weitere Zusammenarbeit geplant

Inzwischen ist Nakielski im dritten Lehrjahr. Seine Ausbildung wird er 2020 beenden. Anschließend wird er bei Hoffmann Elektro & Energiesysteme GmbH & Co. KG weiter arbeiten. In Polen sei die Arbeit zu schlecht bezahlt, um sich alleine eine Wohnung leisten zu können. Außerdem wäre Nakielski mit der derzeitigen politischen Situation unzufrieden.

Und auch Hoffmann ist sich schon sicher, dass er seinen Lehrling behalten möchte: „Ich habe mich an dem Projekt beteiligt, da ich neue Fachkräfte suche. Adrian hat mich überzeugt und deswegen freue ich mich, dass er nach seiner Ausbildung bei uns bleiben wird.“ MobiPro ist ein Sonderprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Förderung der beruflichen Mobilität in Europa.

Kontakt: Magdalena Szypa, Tel. 0361/6707-350, ­E-Mail: mszypa@hwk-erfurt.de

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