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Fachkräftemangel Ohne Nachwuchs kein Handwerk

Die Zukunftschancen des Handwerks sind rosig. Doch dazu muss der Bedarf an Fachkräften gesichert sein.

Burkhard Riering
© Zeichnung: Kasia Sander

Es steht zu befürchten, dass im neuen Ausbildungsjahr abermals mehr als zehntausend Lehrstellen im Handwerk unbesetzt bleiben. Hier gehen Wertschöpfung und Umsatz verloren – und viele Jobs. Und die Gesellschaft verliert mehr und mehr die Leistungen dieses Wirtschaftsbereichs: Wenn der Nachwuchs im Handwerk rar wird, sind auch viele Dienstleistungen nicht mehr so selbstverständlich wie heute.

Was ist zu tun, um dem Nachwuchsmangel im Handwerk zu begegnen? Die negative Entwicklung ist bekannt: Es gibt immer weniger Schulabgänger, der demografische Wandel schlägt zu. Die Familienpolitik konnte in den vergangenen zehn Jahren auch nichts dazu beitragen, dies zu mildern. Bildungspolitiker und Organisationen haben gleichzeitig das Loblied auf das Studium gesungen. Die Universität als Schlüssel zum Glück jedes Einzelnen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, studieren in 15 Jahren drei Viertel aller jungen Menschen. Frei nach einem alten Spruch aus der Umweltbewegung: Erst wenn der letzte junge Mensch sich an der Hochschule eingeschrieben hat, werdet ihr merken, dass ihr eure Heizung nicht selbst reparieren könnt.

Mehr Abiturienten ins Handwerk

Die Handwerksorganisationen kämpfen seit Jahren gegen die Azubi-Flaute an. Lösungen gibt es bereits, sie müssen in der Zukunft noch mehr gelebt werden: So sollen sich zum Beispiel Abiturienten öfters fürs Handwerk entscheiden.

Wenn so viele junge Menschen Abi machen, ist die logische Folge, dass das Handwerk in dieser Zielgruppe erfolgreich sein muss. Viele Berufe wie etwa der Kfz-Mechatroniker oder der Orthopädietechniker werden inhaltlich immer attraktiver – sicher auch für Abiturienten.

Qualitätssiegel Meister

Der Meister verdient mehr Anerkennung. Deshalb sind Meisterbrief und Bachelor auf eine Stufe im Deutschen Qualifikationsrahmen gestellt worden. Junge Schüler müssen dies jetzt erfahren, auch Lehrer müssen das in ihre Köpfe bekommen. Ohnehin die Schule: Warum gibt es nicht längst ein Fach „Wirtschaft und Berufsorientierung“ verbindlich an allen Schulen?

Doch auch die Handwerksbetriebe selbst sind gefordert. Die Quote der Ausbildungsabbrecher muss sinken. Betrieb und Azubi müssen besser aufeinander vorbereitet sein. Immer mehr Betriebe gehen übrigens ungewöhnliche Wege, um Auszubildende anzuheuern und sie auch zu halten. Mit Speck fängt man Mäuse.

Zudem ist 2010 die Imagekampagne des deutschen Handwerks gestartet worden, sie hat das Ziel, das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit – und letztlich auch bei den Heranwachsenden – zu verbessern. Hier sind erste Erfolge messbar.

Megatrends im Handwerk

Der Nachwuchsbedarf der gesamten Wirtschaft ist hoch. Daher gibt es auch einen Konkurrenzkampf zwischen den Wirtschaftsbereichen. Das Handwerk braucht hinter schicken Berufen aus der Industrie nicht zurückzustehen. Um das Handwerk muss man sich keine Sorgen machen: Die Megatrends der Gesellschaft spielen dem Handwerk in die Hände. Die Märkte von morgen sind Nachhaltigkeit, Energien, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit. Überall dort ist das Handwerk vorn mit dabei – wenn es genügend Fachkräfte hat.

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