Oberfranken -

Tag des offenen Denkmals "Ohne Handwerk keine Kunst"

Große Resonanz am Tag des offenen Denkmals: Über 100 Teilnehmer sind der Einladung der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft Bamberg nach Bamberg in die Dombauhütte am 12. September gefolgt.

Zum Hintergrund: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat den diesjährigen Tag des offenen Denkmals unter das Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ gestellt. „Dies haben wir zum Anlass ­genommen, die Zentralveranstaltung an diesem Tag der Dombauhütte in Bamberg zu widmen“, erklärte Matthias Graßmann, Vizepräsident der HWK, in seiner Begrüßung. „Denn die Dombauhütte hier in Bamberg ist ein Musterbeispiel für beste Handwerkkunst auf allerhöchstem Niveau und ein ­lebender Beweis für die enge Verbindung von Handwerk und Denkmalschutz“, so Graßmann weiter.

Die Bereiche Restaurierung und Denkmalschutz zählen zu den anspruchsvollsten Tätigkeitsfeldern im Handwerk, so Graßmann in seinem Grußwort. „Zum einen ist teils jahrhundertealtes Spezialwissen für anspruchsvolle Restaurierungsarbeiten – wie etwa am Bamberger Dom – notwendig und zum anderen müssen sowohl alte Handwerkstechniken wie auch neueste Technologien beherrscht werden. Doch nicht nur Steinmetze arbeiten im Denkmalschutz und in der Denkmalpflege, auch viele andere Handwerksberufe gehören zu diesem Bereich. Die Liste reicht von Malern über Stuckateure und Holzbildhauer, Schreiner und Zimmerer bis hin zu Elektroinstallateuren und Metallbauern, um nur einige wenige Berufe zu nennen.“

Verbindung von Handwerk und Kunst

Darüber hinaus betonte Graßmann, dass gerade im Bereich der Denkmalpflege die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst fließend seien. „Ohne Handwerk keine Kunst“, zitierte der Vizepräsident Walter Gropius, den Begründer des Bauhauses, und unterstrich die notwendige Symbiose der beiden Bereiche. „Der Symbolbegriff Bauhaus ist eine Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen. Dort waren Kunst und Handwerk miteinander verschmolzen, um die Kathedralen als Gesamtkunstwerk zu verstehen“, erklärte Graßmann.

Die Dombauhütte in Bamberg ist daher ein Best-Practice-Beispiel dafür, was das Handwerk leistet. Damals hat das Handwerk unsere Städte gebaut. Heute sorgt es zusammen mit vielen Partnern und Institutionen dafür, dass diese Städte –und damit das kulturelle Erbe – erhalten bleiben.

Doch die Dombauhütte ist auch in einem anderen Bereich vorbildlich, denn sie bildet auch aus. Und das mit Erfolg. So konnte Pia Vielwerth, die ihre Ausbildung zur Steinmetzin erfolgreich in der Dombauhütte Bamberg absolviert hatte, letztes Jahr den Bundessieg im Wettbewerb „Die Gute Form“ beim Praktischen Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks erringen.

Auch im Rahmen der Führungen durch die Dombauhütte erklärte Kunsthistoriker Mathias König, dass die Ausbildung in der Dombauhütte eine wichtige Rolle spiele: „In der Regel fängt jedes Jahr ein neuer Lehrling bei uns an, der den Beruf Steinmetz bzw. Steinbildhauer erlernt.“

Insgesamt arbeiten 15 Beschäftigte bei der Dombauhütte, überwiegend Steinmetze, die sich ausschließlich mit der Restaurierung und der Instandhaltung des Bamberger Doms beschäftigen.„Die Arbeit hier ist eine Lebensaufgabe“, sagte König. „Wir haben einen 50-Jahres-Plan. In der Regel reicht ein Erwerbsleben nicht aus, um an allen Ecken des Doms einmal gearbeitet zu haben.“

Auf die Frage hin, wann denn der Bamberger Dom wieder einmal komplett ohne Baugerüst zu bestaunen wäre, gab König eine eindeutige Antwort: „Das wird in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht passieren. Es gibt immer etwas zu tun.“

Die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft danken Baudirektor Jürgen König, Behördenleiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, und natürlich dem Team der Dombauhütte Bamberg für die tollen Führungen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten