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Energetische Gebäudesanierung Oettinger verlangt Absetzbarkeit von Sanierungen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger fühlt der Bundesregierung auf den Zahn. Er plädiert vehement für eine steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Gebäudesanierungen. Es wäre ein großer Schritt für die Energiewende.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die Bundesregierung aufgefordert, eine steuerliche Absetzbarkeit energetischer Gebäudesanierungen auf den Weg zu bringen. "Ich hoffe stark, die Große Koalition macht hier einen neuen Anlauf", sagte Oettinger auf dem Sommerempfang der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Oettinger erwartet sich durch den Steuerbonus auf Sanierungen eine Erhöhung der Sanierungsquote. Zudem kann so eine Regelung Schwarzarbeit bekämpfen. "Wenn der Hausbesitzer seine Sanierung steuerlich absetzen kann, dann macht er das. Und dann braucht er eine Rechnung und wird das nicht schwarz machen lassen", sagte der Kommissar.

Keine Nachteile für Staat

Dass dem Staat und den Ländern dadurch Steuern entgehen, glaubt er nicht. "Dem Fiskus wird kein Nachteil entstehen", so Oettinger. Denn durch flankierende Steuereinnahmen durch die Sanierungen wie Umsatz- oder Mehrwertsteuer kommen Gelder wieder herein.

Einen Gesetzentwurf für die Steuerförderung gab es schon in der schwarz-gelben Koalition. Vor allem der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler war ein Verfechter. Doch das Gesetz wurde im Bundesrat durch die Länder torpediert. Die Länder hatten Befürchtungen, dass die Steuerausfälle nicht kompensiert werden könnten. Der Entwurf hing somit anderthalb Jahre im Vermittlungsausschuss fest. Nach der Bundestagswahl Ende September 2013 müsste ein Gesetzentwurf nun wieder neu durch Bundestag und Bundesrat gebracht werden. Im Koalitionsvertrag steht dazu aber nichts.

Der Staat unterstützt energetische Umbauten zwar mit günstigen Krediten und Zuschüssen über die KfW. Dennoch liegt die Sanierungsquote in Deutschland nur bei 0,8 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung liegt bei mehr als dem Doppelten.

Handwerk fordert Absetzbarkeit

Das Handwerk macht sich seit Jahren für eine steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungen stark. Im Frühjahr 2014 bestand kurz Hoffnung, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die absetzbare Sanierung in die EEG-Reform integrieren würde. "Die Energiewende braucht eine konsequente Neuausrichtung, zum Beispiel mit einer stärkeren Betonung der Gebäudesanierung und vor allem einer besseren internationalen Einbindung", sagte Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger auf dem Sommerempfang. 

"Jeder Eigentümer, der seine Immobilie umfassend energetisch modernisiert und damit ein vorgegebenes Niveau erreicht, sollte einen Teil der Sanierungskosten steuerlich geltend machen können", betonte kürzlich ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke im Fachmagazin "Wohnglück". Energieeinsparungen im Gebäudebereich sei der Schlüssel für den Erfolg der Energiewende. Haus- und Wohnungsbesitzer müssen von diesem Weg aber überzeugt und mitgenommen werden.

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