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DIHK Ölpreis Gefahr für Aufschwung des privaten Konsums

Angesichts des hohen Ölpreises und damit verbundener Teuerungsrisiken warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vor einer Schwächung der Binnennachfrage. Für eine Konjunkturdelle könnten auch zu hohe Tarifabschlüsse sorgen.

Unterm Strich komme wegen des hohen Ölpreises eine deutliche Belastung auf die Verbraucher zu, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier der "Berliner Zeitung". "Jeder zusätzliche Euro, den der Konsument an der Zapfsäule oder für eine warme Wohnung lässt, fehlt ihm am restlichen privaten Konsum", sagte Treier.

Wirtschaftsforscher und Institute haben für ihre Wachstumsprognosen für 2008 unterstellt, dass der private Konsum wieder zu einer Stütze der Konjunktur wird. Laut DIHK sind bei den Unternehmen vor allem die konsumorientierten Binnenbranchen wie der Einzelhandel die Leidtragenden.

Deutsche Unternehmen setzen auf Energieeffizienz

Daneben seien aber auch Dienstleister wie Sonnenstudios und Hotels betroffen, die selbst einen hohen Energiebedarf hätten. "Deutsche Unternehmen setzen nicht zuletzt wegen der Preissteigerungen verstärkt auf Energieeffizienz", sagte Treier. Aktuelle DIHK-Umfragen zeigten, dass insbesondere die Industrieunternehmen, aber auch immer mehr Betriebe aus dem Beherbergungs- und dem Gastronomiebereich 2008 in effizientere Technologien und energiesparende Baumaßnahmen investieren wollten. Allerdings seien andere Länder noch stärker von den Ölpreissteigerungen betroffen. Die deutsche Wirtschaft stelle ihre Waren im Schnitt mit 40 Prozent weniger Energieaufwand her als beispielsweise die US-Wirtschaft.

Tarifabschlüsse dürfen Arbeitsmarkt nicht beeinträchtigen

DIHK-Präsident Ludwig-Georg Braun befürchtet eine Konjunkturdelle durch zu hohe Tarifabschlüsse in diesem Jahr. Ein Ende der Bescheidenheit könne "allzu leicht ein Ende des Aufschwungs bedeuten", sagte Braun dem "Handelsblatt". Daher sei es wichtig, dass die Tarifparteien mit "maßvollen Abschlüssen" dazu beitragen, die "günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt" nicht zu beeinträchtigen.

Die Gewerkschaften bekräfigten unterdessen ihre Forderungen nach hohen Lohnsteigerungen. "Niemand sollte sich über die Entschlossenheit der Beschäftigten täuschen", sagte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, dem Blatt. Nach einer über Jahre unterdurchschnittlichen Einkommensentwicklung gebe es "offensichtlichen Nachholbedarf".

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, sagte: "Wir kennen dieses rituelle Wehklagen der Arbeitgeber zur Genüge". Zu Jahresbeginn laufe es angeblich immer ganz schlecht – und kaum sei der Tarifabschluss da, helle sich die Lage wundersam auf.

ddp

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