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EEG-Umlage Ökostrom-Umlage steigt auf 6,88 Cent - Verbände warnen

Verbraucher müssen für die Energiewende noch etwas darauflegen. Die sogenannte EEG-Umlage steigt erneut. Damit wird auch die Stromrechnung für Handwerksbetriebe teurer.

Verbraucher und Betriebe müssen zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne wohl auch im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird von derzeit 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben, teilten die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennez und TransnetBW am Freitag, 14. Oktober mit. Die Umlage zahlen Verbraucher über die Stromrechnung.

Handwerk: Unfaire Ausgleichsregelung bei EEG-Umlage

Für Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), ist mit der Erhöhung "die Schmerzgrenze der Handwerker erreicht." Der Verband forderte: "Damit die Kostenbelastung für Unternehmen und Privathaushalte nicht aus dem Ruder läuft, muss die EEG-Umlage in einem ersten Schritt auf dem derzeitigen Stand festgeschrieben werden. Ein weiterer Anstieg der Förderkosten für Strom aus Erneuerbaren Energien muss aus Haushaltsmitteln gedeckt werden." Der Verband rechnet mit steigenden Kosten in den kommenden Jahren: "Realistische Vorausschätzungen zeigen, dass der Kostenblock für die Förderung von Strom aus Erneuerbaren Energien von heute 23,1 Milliarden Euro auf bis zu 32 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigen wird."

Die Finanzierung des EEG-Umlage kritisiert auch Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT): "Wir fordern die Umstellung der EEG-Umlage auf eine andere Finanzierungsbasis. Der Kreis derjenigen, die die Umlage bezahlen, darf nicht immer kleiner werden und Großbetriebe dürfen nicht aus der Verantwortung genommen werden.“ Er sehe die Akzeptanz der Energiewende auf der Kippe. Wegen der unfairen Ausgleichsregelung würden Handwerksbetriebe im Vergleich zur Industrie stärker belastet, erklärte Reichhold.

Industrie: EEG-Umlage führt zu Standortproblemen

Aber auch aus der Industrie melden sich kritische Stimmen. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, nannte den starken Anstieg der Kosten für erneuerbare Energien ein Alarmsignal: "Energiekosten werden für die Industrie zu einem echten Standortproblem."

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche, sagte: "Die Kosten für die Umsetzung der Energiewende machen sich nicht mehr nur in der gestiegenen EEG-Umlage bemerkbar, sondern immer stärker durch die Steigerung der Netzentgelte.» Sie mahnte einen intelligenten Netzausbau und einen besseren lokalen Ausgleich von Stromerzeugung und -verbrauch an.

Energiewende in Zahlen

Was wird im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt?

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist geregelt, dass der Ausbau des Ökostroms vor allem über eine Abgabe der Stromkunden in Privathaushalten und Industrie zu finanzieren ist. Betreiber einer Solar-, Windkraft-, Wasserkraft- oder Biogasanlage erhalten nach dem Anschluss ans Netz für einen Zeitraum von 20 Jahren eine Marktprämie oder eine feste Vergütung garantiert.

Davon wird der für den Strom erzielte Preis abgezogen, der Rest wird über die sogenannte EEG-Umlage ausgeglichen. Sie macht derzeit etwa ein Fünftel des Strompreises für Haushaltskunden aus. Die vier deutschen Netzbetreiber legen die Umlagen-Höhe jeweils zum 15. Oktober aufgrund einer Prognose der Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr fest.

Wie wird die EEG-Umlage berechnet?

Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage.

Was der Anstieg der Umlage für Haushalte am Ende konkret bedeutet, ist kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben.

Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag. dhz/dpa

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