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Ausbildung OECD fordert mehr Unterstützung für Migranten in der beruflichen Bildung

Schon jetzt finden viele Migranten über die duale Ausbildung in den Arbeitsmarkt. Gleichwohl sieht die OECD noch Verbesserungspotenzial.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht in der dualen Ausbildung einen entscheidenden Beitrag zur Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt. Auch das Handwerk spiele eine "entscheidende Rolle bei der Integration von Migranten", sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär, Ludger Schuknecht, bei der Präsentation einer entsprechenden Studie. Allerdings müssten die jungen Migranten noch mehr über die Vorteile der dualen Ausbildung aufgeklärt werden. Bildungsstaatssekretär Christian Luft forderte ebenfalls mehr Anerkennung der beruflichen Bildung und die entsprechende Überzeugungsarbeit.

ZDH fordert noch mehr Rechtssicherheit für Betriebe

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke untermauerte das Engagement des Handwerks in den vergangenen Jahren mit konkreten Zahlen. Allein aus den acht Hauptherkunftsländern von Geflüchteten absolvierten derzeit knapp 18.700 Flüchtlinge eine Ausbildung im Handwerk. Für die Betriebe, die sich in der Ausbildung von Geflüchteten engagierten, forderte er mehr Rechtssicherheit. "So richtig und gut die Aufnahme der 3+2 Regelung in das Aufenthaltsgesetz war, muss es jetzt darum gehen, sie bundesweit einheitlich und ausbildungsfreundlich umzusetzen."

Sprache noch immer eine große Hürde

Die Migranten selbst wünschen sich laut Studie vor allem noch mehr Unterstützung beim Spracherwerb. Viele hätten auch gerne noch mehr Informationen über Ausbildungsberufe und ganz konkret mehr Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen. Nach Ansicht der OECD sollte auch das Angebot von Vorbereitungskursen in Berufsschulen auf noch mehr Altersklassen ausgedehnt werden. So dürften etwa in Sachsen 16- bis 27-jährige Migranten an derartigen Kursen teilnehmen, in anderen Bundesländern wie Hessen gelte dies aber nur für 16 bis 18 Jahre alte Migranten.

Angesichts der Tatsache, dass deutlich weniger Migranten (34,2 Prozent) als Deutsche eine Ausbildung beginnen, forderte die OECD Migranten noch stärker über die langfristigen Vorteile eines Berufsabschlusses aufzuklären und ihnen durch den weiteren Ausbau der Einstiegsqualifizierungen (EQ) den Übergang in die betriebliche Ausbildung zu erleichtern. Auch sollten die Personalverantwortlichen in den Betrieben in der Arbeit mit Migranten noch mehr geschult werden. Nicht zuletzt könne so auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche gesenkt werden.

Längere Ausbildungszeit könnte Abbrüche vermeiden helfen

Derzeit beenden mit rund einem Drittel deutlich mehr Migranten als Einheimische eine Ausbildung vorzeitig. Eine weitere Maßnahme um Abbrüche zu verhindern sieht die OECD auch darin, ausbildungsbegleitende Maßnahmen, wie die assistierte Ausbildung oder ausbildungsbegleitende Hilfen auszubauen. Außerdem sollte über mehr Flexibilisierung in der Ausbildung nachgedacht werden. Auch das Handwerk kennt dieses Thema, tut sich aber nicht ganz leicht damit, wie ZDH-Generalsekretär Schwannecke sagte. Dies gelte insbesondere für eine "Modularisierung der Ausbildung". "Damit können unsere Betriebe nichts anfangen", betonte er. Möglichkeiten sieht er dagegen bei der Verlängerung der Ausbildungszeit.

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