Konjunktur -

Beschäftigungsausblick der Industrieländer OECD: Digitalisierung vernichtet Jobs

Zwar geht es den Arbeitsmärkten in den meisten Industrieländern gut und immer besser, doch sie sind einem starken Wandel unterzogen. So nimmt vor allem die Beschäftigung im Dienstleistungssektor zu. Treibender Faktor: die Digitalisierung. Das Angebot an Arbeitsstellen für diejenigen mit mittleren Qualifikationen nimmt dagegen ab.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

"Erholung" ist das große Stichwort der OECD beim Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Industrieländer in den Jahren seit der Weltwirtschaftskrise. Diese Erholung schreitet weiter voran, urteilt die Organisation in ihrer aktuellen Ausgabe ihres Beschäftigungsausblicks. Doch diese Erholung ist alles andere als gleichmäßig verteilt.

Das Ungleichgewicht betrifft den Arbeitsmarkt der einzelnen Länder: So profitieren nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen vom Aufschwung. "Untere und mittlere Löhne stagnieren und die Nachfrage nach mittleren Qualifikationen geht zurück", teilt die OECD mit. Die Profiteure des Wachstums sind also vor allem die Spitzenverdiener.

Die Gründe für die wachsende Polarisierung auf den Arbeitsmärkten liegt laut OECD vor allem am technologischen Wandel – der fortschreitenden Digitalisierung – und nicht an der zunehmenden Öffnung der Märkte und den steigenden wirtschaftlichen Verflechtungen – also der Globalisierung. Immer mehr Arbeitsplätze werden vom verarbeitenden Gewerbe hin zum Dienstleistungssektor verlagert und dort sind mittlere Qualifikationen weniger gefragt. So finden Fachkräfte laut OECD nach einem Jobverlust oft nur schlechter bezahlte Beschäftigungen im Dienstleistungssektor oder sie qualifizieren sich weiter und steigen dann mit einer hohen Qualifikation auf.

Die richtige Weiterbildung bzw. den Erwerb der passenden Qualifikation zu fördern, ist das Stichwort, dass die OECD den Regierungen der Länder empfiehlt, die mit der Polarisierung des Arbeitsmarktes zu kämpfen haben. Die Kritik, die sich aus den Befragungen der OECD ergibt: Im OECD-Raum hätten hochqualifizierte Beschäftige derzeit zwei bis drei Mal mehr Chancen auf betriebliche Weiterbildung als Niedrigqualifizierte. "Auch schulische Lehrpläne sollten sich stärker an den neuen Anforderungen des Arbeitsmarktes orientieren, um Schüler besser auf die veränderte Arbeitswelt vorzubereiten", fordert die Organisation.

OECD-Beschäftigungsausblick: die Zahlen

  • Der Anteil der Erwerbstätigen unter den 15- bis 74-Jährigen ist das dritte Jahr in Folge gestiegen. Es wird erwartet, dass bis Ende 2018 die Erwerbsquote 61,5 Prozent erreichen wird, was über dem Höchstwert von 60,9 Prozent aus dem vierten Quartal 2007 liegt.
  • Zwischen 1995 und 2015 ist im OECD-Raum der Anteil von Jobs, für die ein mittleres Qualifikationsniveau erforderlich ist, an der Gesamtbeschäftigung um 9,5 Prozentpunkte gesunken, während der Anteil an Arbeitsplätzen mit hohen und niedrigen Qualifikationsanforderungen um 7,6 bzw. 1,9 Prozentpunkte gestiegen ist. dhz
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Kommentare

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Endres

OECD: wirklich richtiger Stichwortgeber zur dualen berufsausbildung ?

Die OECD ist traditionell gegen die duale Berufsausbildung und Akademisierung.
Wir brauchen doch Fachkräfte, die haben oft mittleres Qualifikationsniveau, natürlich dürfen die sich weiterentwickeln Gerhard Endres

Endres

OECD der richtige Stichwortgeber zur dualen Berufsausbildung ?

Die OECD betont tradionell das allgemeinbildende Schulsystem und die Akademisierung und wertet die duale Berufsausbildung als minderwertig. Gleichzeitig wissen wir dass wir mehr Fachkräfte auch in der mittleren Qualifikationsebene brauchen, die sich natürlich weiterentwickeln dürfen.