München und Oberbayern -

Erasmus-Grasser-Preis Nur für Clubmitglieder

In München wurden drei Betriebe aus dem Handwerk mit dem Erasmus-Grasser-Preis ausgezeichnet.

Der Preis gehört zum Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) und wird seit 1993 vom Referat für Arbeit und Wirtschaft ausgelobt. Mit dem Erasmus-Grasser-Preis werden die Dauer der Ausbildungstätigkeit, die Anzahl der Ausgebildeten, der Ausbildungserfolg und eine im Zusammenhang mit der Ausbildung ausgeübte ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt. Bisher ein Preis ausschließlich für das Handwerk, konnten sich diesmal auch andere Wirtschaftsbereiche bewerben.

Auch Bewerber außerhalb Münchens

„Ich bedanke mich ausdrücklich bei der Handwerkskammer, die diese Öffnung mitgetragen hat“, sagte Alexander Reissl, Chef der SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat, der in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach. Auf Vorschlag von Kammerpräsident Franz Xaver Peter­anderl konnten sich 2018 erstmals auch Betriebe von außerhalb der Landeshauptstadt bewerben, sofern sie einer Münchner Innung angehören und die Ausbildung regelmäßig in der Stadt erfolgt bzw. junge Menschen aus der Landeshauptstadt ausgebildet werden.

„Das Heil liegt nicht darin, alle Berufe zu akademisieren“, sagte Reissl mit Blick auf eine Übertrittquote von mehr als 50 Prozent von Münchner Grundschulen auf die Gymnasien. Der Erasmus-Grasser-Preis bilde ein wichtiges Instrument, um die Qualität der Berufsausbildung in der Öffentlichkeit sowie bei Jugendlichen und Eltern sichtbar zu machen, so Reissl.

Für Betriebe in der Landeshauptstadt wird es immer schwieriger, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Seit 2007 bleiben im Bezirk der Agentur für Arbeit München jährlich mehr als 1.000 Plätze unbesetzt. Im Ausbildungsjahr 2018 fanden sich für 1.465 Lehrstellen keine Azubis.

Peteranderl hofft auf viele Nachahmer

„Das Handwerk braucht talentierten und leistungsbereiten Nachwuchs – wie jeder andere Wirtschaftsbereich auch. Die geehrten Betriebe suchen genau diese verborgenen Talente und geben auch Jugendlichen eine Chance, die nicht die besten Startvoraussetzungen haben“, betonte Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl in seiner Rede.

Er dankte den Preisträgern und begrüßte sie im „exklusiven Club der Erasmus-Grasser-Preisträger. Ich wünsche mir, dass viele andere Betriebe und Ausbilder Ihnen nacheifern.“ IHK-Präsident Dr. Eberhard Sasse erklärte die Preisträger zu „Treibern der Wirtschaft“. Die duale Ausbildung sei ein Erfolgsrezept. Unter den fünf Preisträgern waren auch drei Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer:

Bachner Elektro GmbH & Co. KG
Die Firma bildet seit 1937 aus. Allen Auszubildenden wird von Anfang an ein Ausbildungsbeauftragter zur Seite gestellt. Die Ausbildung erfolgt in einer hauseigenen Lehrwerkstatt. Den Azubis steht während der Lehre eine zentrale Ansprechperson zur Verfügung, an die sie sich mit Fragen, Wünschen, Anregungen, aber auch bei Schwierigkeiten im Betrieb, in der Schule oder privat, wenden können. Der Betrieb möchte verstärkt Frauen für eine Lehre im männerdominierten Elektro-Handwerk gewinnen. „Jeder Euro, der in die Ausbildung fließt, ist gut investiertes Geld. Ausbildung ist kein Selbstzweck, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung“, betonte Chef Hans Bachner und dankte den „Mitarbeitern die unser Ausbildungskonzept am Leben erhalten.“

Martin Fassnacht GmbH Malereibetrieb
In dem Familienbetrieb wird seit 1946 in der dritten Generation ausgebildet. Gezielt werden Auszubildende mit Migrationshintergrund und Jugendliche mit schlechten Schulabschlüssen eingestellt. Zudem schickt der Betrieb regelmäßig besonders engagierte und motivierte Auszubildende im 3. Ausbildungsjahr in den Leistungskurs der Maler- und Lackiererinnung München. Die Jugendlichen lernen dort Schmuck- und Gestaltungstechniken, die über das Repertoire der klassischen Ausbildung hinausgehen, und qualifizieren sich dadurch in besonderem Maße für ihr weiteres Berufsleben. „Bildung beginnt nicht erst an der Hochschule“, sagte Inhaber Uli Faßnacht und wies darauf hin, wie wichtig die volle Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung sei. Und ergänzte: „Die Persönlichkeitsprägung durch eine Handwerkslehre kann kein Studium ersetzen.“

Ernst Pertler GmbH
Die auf Gebäudetechnik spezialisierte Firma gibt seit mehr als 30 Jahren regelmäßig Jugendlichen eine neue Chance, die ihre Ausbildung wechseln möchten. Auch Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Problemen im sozialen Umfeld erhalten einen Ausbildungsplatz. Über die fachliche Ausbildung hinaus hilft der Betrieb den Azubis auch bei der Wohnungssuche und privaten Problemen. Die Auszubildenden erhalten neben einer vorbildlichen Ausbildung auch Fahrgeld und Zuschüsse zur Verpflegung. „Ausbildung ist heute mehr als das Vermitteln von Fachkenntnissen. Wir unterstützen Jugendliche bei der Persönlichkeitsentwicklung und geben ihnen Selbstvertrauen. Zuerst lernen sie, das Handy auch mal wegzulegen“, berichtete Geschäftsführer Stefan Pertler schmunzelnd.

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