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Niedrigzinspolitik der EZB Niedrigzins: Tiefstand bleibt bis 2016 – die Folgen

Das Rekordtief des Leitzinses in der Euro-Zone hält an. Daran ändern wird sich voraussichtlich so schnell nichts. Doch obwohl die EZB den Ball flach hält, kann das Handwerk profitieren.

Bei 0,15 Prozent liegt der Leitzins derzeit im Euro-Raum. Zu diesem Kurs können Banken ihren Kunden Geld zu niedrigen Preisen bereitstellen. Der historische Tiefststand des Niedrigzinses könnte allerdings noch bis 2016 andauern. Laut Europäischer Zentralbank (EZB) bleibe der Prozentsatz auf diesem Niveau, wenn keine neuen Entwicklungen eintreten.

"Wenn alle anderen Sachen so bleiben, wie sie heute sind, könnte das nach den Modellen so sein, könnte das nach den Modellen so sein. Aber Sie wissen, dass die Realität oft sehr viel komplexer ist", so EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch gegenüber dem Deutschlandfunk.

Die Senkung des Niedrigzines ist allerdings nicht die einzige Entscheidung der EZB gewesen. Künftig müssen Banken einen Strafzins bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Dafür wird der Einlagezins erstmals unter Null auf minus 0,10 Prozent reduziert.

Leitzinssenkung schafft Zinsen ab

Die Niedrigzinspolitik trifft vor allem die Sparer. Schon das Magzin "Wirtschaftswoche" hat sie im vergangenen Jahr als Verlierer bezeichnet. Manche Analysten sprechen indes schon von einer Enteignung der Sparer, da die Zinsen gewissermaßen abgeschafft werden. Ob Tagesgeld- oder Girokonten oder Sparbücher - diese Geldanlagen werfen durch den Niedrigzins nichts mehr ab. Verbraucher müssen indes durch die Leitzinssenkung mit erhöhten Kontoführungsgebühren rechnen. Strafgebühren müssen sie allerdings nicht bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Bank parken.

Scharfe Kritik zur jetzigen Senkung übt auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. "Mit ihrer Zinspolitik würde die EZB ihre Bürger schrittweise enteignen", äußert Fahrenschon gegenüber dem Deutschlandfunk. Laut Fahrenschon werde durch die Leitzinssenkung ein Loch in die Altersvorsorge-Konzepte der Sparer gerissen. Mit der Maßnahme der EZB werde ein falsches Signal gesetzt.

Es gibt aber auch andere Stimmen, die darauf verweisen, dass die Niedrigzinspolitik der EZB kein Dauerzustand sein wird. "Eine Reihe Lebensversicherer erwirtschaften immer noch Renditen von um die vier Prozent", sagt Bert Rürup im exklusiven Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

Angst vor Deflation

Hintergrund der EZB-Entscheidungen sind die immer noch niedrige Inflationsrate sowie die schwache Konjunktur im gesamten Euro-Raum. Das eigentliche Ziel der EZB ist eine Teuerungsrate, die knapp unter zwei Prozent liegt. Allerdings liegt der Wert seit Monaten darunter. Die Befürchtungen vor einer Deflation - also vor einer Abwärtsspirale der Preise - wachsen bei der EZB. Das passiert dann, wenn Verbraucher und Investoren den Eindruck haben, die Preise könnten bald noch niedriger sein und deshalb ihre Ausgaben verschieben.

Mit den gegenwärtigen Maßnahmen sollen die Kredithäuser gedrängt werden, ihre Gelder in Form von Darlehen an die zu vergeben. Der niedrige Zinssatz soll Investitionen und Konsum ankurbeln. Besonders auf Sparbücher, Giro- oder Tagesgeldkonten werden künftig noch niedrigere Zinsen anfallen. Davon betroffen sind auch Spareinlagen von Betriebsinhabern. "Diejenigen, die für ihre Altersvorsorge sparen, gehören zu den Verlierern der nochmaligen Leitzinssenkung", betont Stefan Schütze, Abteilungsleiter für Wirtschaftspolitik und Statistik beim Baden-Württembergischen Handwerkstag.

Weitreichende Folgen fürs Handwerk

Die Niedrigzinspolitik hat allerdings auch indirekte Effekte auf handwerkliche Zulieferer, die ins Ausland exportieren. Durch das allgemein niedrige Zinsniveau sind die staatlichen Zinsbelastungen in den verschuldeten Euroländern niedrig. Der Druck, wirtschaftspolitische Reformen durchzuführen, wird geringer und die Arbeitslosigkeit bleibt weiter hoch. Die Folge: Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie wird schwächer und die Produkte der heimischen Handwerksbetriebe finden keine Abnehmer.

"Am Ende dieser Kette kann auch ein handwerklicher Zulieferer stehen", betont Schütze. Für Handwerksbetriebe, deren Geschäftsaktivitäten hauptsächlich in Deutschland stattfinden, kann der niedrige Leitzins aber auch positive Folgen haben. Schütze geht davon aus, dass weiterhin viele Leute ihr Kapital in Sachwerte, Eigenheime oder die energetische Sanierung investieren werden, anstatt es bei der Bank anzulegen. "Davon profitieren natürlich das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie alle konsumnahen Branchen", sagt Franz Falk, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Stuttgart. Angesprochen sind vor allem Branchen, die persönliche Dienstleistungen verrichten.

Niedriger Leitzins für Neukreditverträge

Neben Effekten auf Handwerksbetriebe wirkt sich der Leitzins der EZB auch auf die Kreditvergabe aus. "Die Banken sind im Moment sehr liquiditätsstark, da die Kreditnachfrage sehr gering ist", betont Falk. Durch den Leitzins haben Betriebe die Chance auf Kredite zu günstigen Konditionen. Kreditzinssenkungen kommen normalerweise nur bei Neukreditverträgen zum Tragen. Laut Falk können Handwerker auch bei bestehenden Kreditverträgen etwas tun: "Empfehlenswert ist es, mit den Banken über günstige Zinsen zu verhandeln und weitere Finanzierungsinstrumente, wie beispielsweise Leasing oder Beteiligungen, in Betracht zu ­ziehen."

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