Konjunktur -

Konjunktur 2. Quartal 2017 Nicht nur der Bau steht glänzend da

Branchentrends: Sowohl die Pkw-Zulassungen als auch der Maschinenbau sind auf Wachstumskurs. Allerdings sinkt die Zahl der Betriebe im Lebensmittelhandwerk.

Nachfrage, 2. Quartal 2017

Investitionen in Wohnungen, Betriebs- und Bürogebäude bleiben aufgrund niedriger Zinsen und steigender Mieten attraktiv. Der Aufschwung im Handwerk wird aber nicht nur vom Bau getrieben; auch daneben ist er kräftig und somit breit abgestützt. Das zeigen die Meldungen aus verschiedenen Branchen.

Baugewerbe

Am Bau herrscht Hochstimmung. 96 Prozent der Firmen im Bauhauptgewerbe sind mit ihrer derzeitigen Situation zufrieden oder halten die Lage sogar für gut. Im Ausbau sind es 95 Prozent. Dabei wird nicht nur im Wohnungsbau spürbar mehr umgesetzt, sondern auch mit Gewerbeobjekten und im staatlichen Auftrag. Die bessere Finanzlage der Kommunen macht sich bemerkbar.

Mittlerweile kann man die typischen Aufschwungmechanismen beobachten. Einerseits wächst mit den Auftragsbeständen die Chance, die Preise zu erhöhen. 23 (Bauhaupt) bzw. 22 (Ausbau) Prozent der Betriebe gelang dies im abgelaufenen Quartal; vor einem Jahr waren es 14 bzw. 15 Prozent. Auf der anderen Seite muss auch bei den Löhnen spürbar nachgelegt werden. Weil die Nachfrage stetig über einen längeren Zeitraum zugenommen hat, sind die Betriebe stark ausgelastet und suchen intensiv nach zusätzlichen Arbeitskräften. Zwischen 2013 und 2016 stieg der durchschnittliche Bruttostundenlohn im Baugewerbe um fast acht Prozent.

Beim Blick ins Zahlenwerk der Bundesagentur für Arbeit wird aber deutlich, wie schwierig der Personalaufbau für einzelne Gewerke geworden ist. Beispielsweise konnte Ende Juni jeder Arbeitslose, der einen Job als Klempner oder SHK-Techniker suchte, rein rechnerisch aus 2,6 Stellen auswählen.

Nicht nur der Bau steht glänzend da

Kfz-Gewerbe

Durchweg nach oben zeigen die Eckdaten des Kfz-Gewerbes. Die Begründung liefert der deutsche Automarkt. So steigt die Zahl neu zugelassener PKWs fortwährend an, getrieben sowohl durch private als auch gewerbliche Käufer. Dabei nimmt der Anteil von Dieselmotoren ab. Auch die Preise für gebrauchte Selbstzünder geraten unter Druck. Sie stehen inzwischen länger auf den Autohöfen, bis sie verkauft werden. Mit Blick auf die Zulassungsstatistik in diesem Jahr wird außerdem deutlich: die Kunden sind unverändert stark interessiert an SUV und Geländewagen. Beim Kauf achten sie auf Status und Ausstattung. Das CAR-Institut hat berechnet, dass die Durchschnittspreise neuer PKWs zwischen 2010 und 2016 um gut ein Viertel auf 31.400 Euro gestiegen sind.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Der deutsche Maschinenbau hält weiter Kurs. Gemäß den amtlich ermittelten Daten übertrafen die Auftragseingänge ihr Vorjahresniveau im Zeitraum Januar bis Mai um 3,9 Prozent. Bemerkenswert gut wird dieses Ergebnis, wenn man bedenkt, dass 2016 Großaufträge den Jahresbeginn nach oben verzerrten. Insgesamt stellten 91 Prozent aller befragten Zulieferer und Gewerbedienstleister ihrer Geschäftslage ein gutes oder befriedigendes Zeugnis aus; die Auslastung (83 Prozent) war letztmals 1990 höher als heute, blickt man jeweils nur auf das Frühlingsquartal.

Lebensmittelhandwerk

Nicht nur der Bau steht glänzend da

Bei Bäckern, Metzgern und Konditoren hat sich die Geschäftslage auf hohem Niveau leicht eingetrübt. Der Anteil der Betriebe mit einer "gut"- oder "befriedigend"-Einschätzung fiel binnen Jahresfrist von 91 auf 89 Prozent. Der Rückgang überrascht ein wenig: Denn zum einen fiel das umsatzstarke Osterfest 2017 komplett ins zweite Quartal, zum anderen trieben die Geschäftsfelder "Imbiss" und "Catering" die Nachfrage an. Allerdings kämpfen viele kleine Firmen ums Überleben. Allein im Jahr 2016 gab die Zahl der Betriebe um fast 900 nach. Zurückzuführen ist dies auf den laufenden Konzentrationsprozess und den Nachwuchsmangel.

Handwerk für privaten Bedarf

Im lohnintensiven Friseurhandwerk verzeichnete die amtliche Statistik zuletzt Preiserhöhungen von gut zwei Prozent auf Jahresbasis. Gleichzeitig lagen die nominalen Umsatzzuwächse darunter. Offenbar kann die Branche die Lohnsteigerungen nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterreichen – trotz des freundlichen Konsumklimas in Deutschland. Dabei sagen viele Experten dem Beauty- und Wellness-Markt eigentlich eine rosige Zukunft voraus. Immerhin war die Nachfrage im Frühling stabil. Im Großen und Ganzen gilt das für die meisten Berufe der Gruppe der privaten Dienstleister. 83 Prozent gaben ihrer aktuellen Situation die Note gut oder befriedigend.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten