Oberfranken -

Vollversammlung der Handwerksammer Nicht blenden lassen!

Die deutsche Wirtschaft wie auch das oberfränkische Handwerk stehen derzeit glänzend da.Dennoch fand HWK-Präsident Thomas Zimmer in seinem aktuellen Bericht vor der Vollversammlung am 15. Juni auch einige mahnende Worte.

"Die Politik darf sich von dieser Entwicklung nicht blenden lassen! Die Bundesregierung wollte das Jahr 2015 zum Jahr der Wirtschaft machen. Das ist ihr bisher nicht gelungen. Stattdessen wurden Wohltaten verteilt, wie etwa der gesetzliche Mindestlohn oder auch das Rentenpaket", sagte Zimmer.

Deutschland brauche ein Fitnessprogramm, um sich für die Zukunft zu rüsten, so der Präsident. Selbstverständlich stünden dabei auch die Handwerksbetriebe und die Handwerksorganisationen selbst in der Pflicht.

Nicht ganz zufrieden zeigte sich Zimmer beispielsweise mit dem aktuellen Entwurf zur Reform der Erbschaftsteuer. Zwar gehe der Entwurf in die richtige Richtung, allerdings nicht weit genug. Auch Betriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern sollten pauschal vom Lohnsummennachweis befreit werden. „Die Vorgaben des Bundeverfassungsgerichts dürfen nicht noch enger umgesetzt werden als im Urteil gefordert“, warnte Zimmer.

Auch die Themen der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung und des gesetzlichen Mindestlohns griff der Präsident in seiner Rede auf. So sei es nicht nur bedauerlich, sondern auch grundfalsch, kein Anreizsystem zur Förderung der Energieeffizienz bei Gebäuden einzuführen. Zumal sich die Förderung aufgrund der dadurch ausgelösten Investitionen selbst finanzieren würde.

In Bezug auf den Mindestlohn bemängelte Thomas Zimmer besonders die zusätzliche bürokratische Belastung, die auf die Betriebe zugekommen ist. Zimmer: „Handwerksbetriebe sind ohnehin durch staatliche Vorschriften und Regulierungen bereits überdurchschnittlich stark belastet. Die Politik soll unsere Betriebe ihre Arbeit machen ­lassen, anstatt ständig neue bürokratische Hürden aufzubauen.“

Positiv hob der HWK-Präsident in seinem Bericht allerdings die Äußerungen des 1. Vizepräsidenten der EU-Kommission, Frans Timmermans, im Hinblick auf den Meisterbrief hervor. Dieser sehe das deutsche Handwerksrecht nämlich nicht als Protektionismus und betonte dagegen die Leistungen des Handwerks für die Ausbildung und gegen die Jugendarbeitslosigkeit. „Der Meisterbrief ist eben kein Wettbewerbshemmnis, sondern ein unverzichtbares Qualifikationsmerkmal“, fasste Zimmer zusammen.

Kampagne für berufliche Ausbildung

Doch nicht nur die Politik, sondern auch die berufliche Bildung war ein wichtiges Thema des diesjährigen Berichts. Insgesamt müsse konsequent daran weitergearbeitet werden, die berufliche Bildung zu stärken und Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu motivieren, so Zimmer. Ein wichtiger Schritt dazu ist die im Januar 2015 ausgerufene Kampagne der Handwerkskammer unter dem Motto „Das Jahr der beruflichen Bildung“. Dabei handelt es sich um ein Bündel vieler Aktionen und Projekte, die die berufliche Bildung weiter stärken und zunehmend in den ­Fokus von Jugendlichen, Eltern und Lehrern ­richten.

Die Aktion „Lebenslinien Handwerk“ ist nur ­eines der vielen Beispiele, die der Präsident er­läuterte. Hierbei handelt es sich um Filmbeiträge, die Personen aus dem Handwerk porträtieren, die etwas Besonderes sind oder etwas Besonderes ­machen. Thomas Zimmer: „Wir brauchen im Handwerk Vorbilder. Menschen wie Sie, die ihr Handwerk selbstbewusst vertreten. Coole Handwerker, die man bewundert, die Ausstrahlung ­haben und bei denen man neugierig wird, was sie machen.“

Darüber hinaus würden viele bewährte Konzepte wie die Handwerkspaten, die Berufsmessen Handwerk oder auch die Aktion „Karriere mit Lehre“ weitergeführt und ausgebaut.

„Auch die Gymnasien stehen weiter in unserem Fokus. Wir müssen auch weiterhin Zielgruppen außerhalb der Berufsschulen erschließen“, betonte der Präsident. Wichtige Projekte sind in diesem Zusammenhang vor allem Lehrerfortbildungen über die Aufstiegschancen im Handwerk oder die im Juli stattfindende Direktorenkonferenz der oberfränkischen Gymnasien.

„Wir können unseren Nachwuchs nur sichern, indem wir gemeinsam ein klares Be­kenntnis zu unseren eigenen Wurzeln machen, nämlich der beruflichen Bildung“, erklärte ­Thomas Zimmer.

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