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Nicht alles auf eine Karte setzen

Der Euro ist in Gefahr, die Finanzmärkte spielen verrückt. Dennoch oder gerade deswegen ist es wichtig, besonnen fürs Alter vorzusorgen. Selbstständige müssen besondere Regeln beachten. Von Sabine Hildebrandt-Woeckel

Die Nachrichten aus Griechenland werden nicht besser, die Kurse an den Börsen schwanken wie selten. Angesichts dieser Kulisse ist das Thema Altersvorsorge derzeit umso populärer. Denn eines ist ganz klar, betont auch Werner Bareis, Dozent für Betriebswirtschaft und Finanzen in Göppingen: "An der demografischen Entwicklung ändern auch Euro- und Finanzkrise nichts."

Schon gesetzlich Versicherte müssen zusätzlich tief in die Tasche greifen, um im Alter ihren Lebensstandard halten zu können. Für Selbstständige ist die Situation noch deutlich dramatischer – und schlimmer noch: Die richtige Altersvorsorge, sprich: hundertprozentige Sicherheit, gibt es nicht egal für welche Anlageform man sich entscheidet. Jede hat Vor- und Nachteile (siehe Kasten) – und was davon überwiegt, ist immer auch eine Frage der individuellen Bewertung. Ein klassisches Beispiel: die private Rentenversicherung. Selbst die Experten streiten sich.

Jede Anlageform hat ihre Nachteile

Bareis* spricht sich aufgrund der hohen Kosten, besonders bei vorzeitiger Vertragsauflösung, strikt dagegen aus und rät stattdessen zu Aktien, Rentenpapieren (aus Deutschland, den Niederlanden oder Skandinavien) mit einer Restlaufzeit bis zu drei Jahren und Gold. Für andere Experten, wie etwa Constanze Hintze**, Geschäftsführerin der Münchner Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen, die schwerpunktmäßig Frauen berät, darunter auch viele Selbstständige und Handwerkerinnen, überwiegt dagegen der Aspekt der Sicherheit. Entscheide man sich für einen Indexfondssparplan, bekäme man zwar auf lange Sicht die höhere Rendite, dennoch könne es passieren, dass das Geld während der Verbrauchsphase aufgezehrt sei. "Im schlimmsten Fall ist die Kohle weg, aber ich lebe noch."

Eine gute Altersvorsorge muss vor allem eines sein: flexibel. Und das bedeutet, dass man in keinem Fall alles Geld in einer Anlageform stecken darf. Ein nicht unerheblicher Teil sollte so angelegt sein, dass größere Verluste auszuschließen sind (je nach Geschmack: Versicherung, Gold, Immobilien), ein weiterer so, dass jederzeit ein Zugriff möglich ist (Sparbuch, Tagesgeld). Erst danach kommen Aktien oder Fondssparpläne. Für Selbständige, die für ihr Unternehmen mit dem Privatvermögen haften, gilt außerdem, auf den Insolvenzschutz zu achten. Dies ist eigentlich nur bei den staatlich geförderten Rürup-Produkten möglich, wobei es hier wieder verschiedene Formen gibt.

Rentenversicherungen werden ebenso gefördert wie Bank- oder Fondssparpläne und sogar Bausparpläne. Entscheidend, so die Beraterin: Am Anfang steht eine umfassende Analyse. Wichtig dabei: Sich gerade jetzt nicht von Prognosen für bestimmte Produkte blenden zu lassen, sondern sich auf die Garantiewerte zu konzentrieren. Eine Vorgabe, die mitunter einfacher klingt als sie ist. "Oft ist das gar nicht auf den ersten Blick erkennbar." Hintze rät daher, im Zweifel unabhängige fachmännische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Schuldenabbau hat oberste Priorität

Die Habenseite, darin sind sich die Experten einig, ist allerdings nur ein Teil der Altersvorsorge. Bei Selbständigen mindestens ebenso wichtig seien die Verbindlichkeiten. Viele Selbständige haben Kredite zu tilgen, halten die Raten jedoch klein, um gleichzeitig in Altersvorsorgeprodukte investieren zu können. "Absoluter Irrsinn", wie Bareis betont, denn egal für welche Altersvorsorgeform man sich entscheidet, die Habenzinsen sind in jedem Fall niedriger als die Sollzinsen.

Oberste Priorität gerade im Hinblick aufs Alter muss daher sein, die Schulden abzutragen. Und auch umgekehrt gilt: Wer jetzt gezwungen ist, Kredite aufzunehmen, sollte hierfür nicht mit seiner schon vorhandenen Altersvorsorge bürgen. Auch hier gilt, so noch einmal Hintze, was immer gilt: "Auf eine strikte Trennung von privatem und geschäftlichem Vermögen achten!"

Literaturhinweise:
*Werner Bareis/Nils Nauhauser: Lexikon der Finanzirrtümer: Teure Fehler und wie man sie vermeidet, Ullstein Verlag, 8,95 Euro,
**Constanze Hintze: Vermögensplanung und Altersvorsorge für Frauen, Kösel Verlag, 17,99 Euro

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