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Umsatzsteuer Neue Regeln für die Ausgabe von Geschenkgutscheinen

Gutscheine laufen nicht nur mehr in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über. Bei Umsätzen aus dem Gutscheinverkauf stellt sich steuerlich eine entscheidend Frage. Muss ich bereits beim Verkauf des Gutscheins Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen? Eine schon zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Neuregelung beantwortet diese Frage.

Umsatzsteuerliche Neuregelung beim Gutscheinverkauf

Bereits am 27. Juni 2016 wurde eine EU-Richtlinie (Richtlinie der EU 2016/1065) beschlossen, die zum 1. Januar 2019 eine gesetzliche Neuregelung im deutschen Umsatzsteuergesetz bewirkte. In der Richtlinie geht es darum, EU-konforme Definitionen und Rechtsfolgen zum Verkauf von Gutscheinen einzuführen. Eingeführt wurden zum 1. Januar 2019 die Regelungen in Paragraph 3 Absätze 13 bis 15 Umsatzsteuergesetz. Seitdem sind bei Verkauf von Gutscheinen umsatzsteuerliche Regelungen bei Abgabe von Einzweckgutscheinen und Mehrzweckgutscheinen zu beachten.

Das gilt für die Umsatzsteuer auf Einzweckgutscheine

Von einem Einzweckgutschein spricht man, wenn der Ort der Lieferung oder der sonstigen Leistung, auf den sich der Gutschein bezieht, und die für die Umsätze geschuldtete Steuer zum Zeitpunkt der Auszahlung des Gutscheins feststehen. Mit anderen Worten ausgedrückt: Kann der Inhaber des Gutscheins nur ganz bestimmte Waren mit dem Gutschein kaufen oder nur ganz bestimmte Leistungen abrufen, handelt es sich bei dem Gutschein um einen Einzweckgutschein.

Verkauf eines Einzweckgutscheins: Bei solchen Gutscheinen wird seit 1. Januar 2019 unterstellt, dass die Leistung mit Ausgabe des Gutscheins ausgeführt wird. Die Umsatzsteuer muss also sofort beim Verkauf des Einzweckgutscheins angemeldet und ans Finanzamt abgeführt werden. Wird der Einzweckgutschein später eingelöst, ist umsatzsteuerlich nicht mehr veranlasst.

Beispiel: Ein selbständiger Friseur verkauft einen Gutschein über 100 Euro. Auf dem Gutschein ist vermerkt, dass der Inhaber den Gutschein für folgende Leistungen einlösen kann: Waschen, schneiden, färben und Dauerwelle.

Folge: Da der Gutschein klar definierte Leistungen enthält, handelt es sich um einen Einzweckgutschein. Die Umsatzsteuer in Höhe von 15,97 Euro (100 Euro : 119 x 19) wird beim Verkauf des Gutscheins fällig.

Umsatzsteuer: So werden Mehrzweckgutscheine behandelt

Ein Mehrzweckgutschein liegt vor, wenn der Inhaber des Gutscheins mit dem Gutschein uneingeschränkte Leistungen und Lieferungen abrufen kann. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein Mehrzweckgutschein ist gegeben, wenn kein Einzweckgutschein vorliegt (§ 3 Abs. 15 Satz 1 UStG 2019).

Verkauf eines Mehrzweckgutscheins: Bei solchen Gutscheinen ist beim Verkauf umsatzsteuerlich nichts veranlasst. Es liegt hier quasi nur ein Umtausch von Zahlungsmitteln vor. Die Umsatzsteuer ist erst anzumelden und ans Finanzamt abzuführen, wenn der Inhaber des Gutscheins seinen Gutschein einlöst.

Beispiel: Ein selbständiger Friseur verkauft einen Gutschein über 100 Euro. Auf dem Gutschein ist vermerkt, dass der Inhaber den Gutschein für folgende Leistungen einlösen darf: Für alle angebotenen Leistungen und im Verkauf vorhandene Produkte.

Folge: Da keine definierten Leistungen im Gutschein aufgeführt sind, liegt ein Mehrzweckgutschein vor. Der Friseur kann beim Verkauf des Gutscheins die 100 Euro als Einnahme verbuchen und muss zunächst keine Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen.

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