Meinung -

Leitartikel zum Umgang mit Flüchtlingen Neue Potenziale erschließen

Rund 200.000 Flüchtlinge werden im Jahr 2014 in Deutschland Asyl beantragen. Noch tun wir uns schwer im Umgang mit diesen Menschen. Dem Handwerk bietet sich hier jedoch eine Chance. Aus Flüchtlingen sollten Fachkräfte werden.

Wenn in Kürze die politischen Jahresrückblicke anstehen, wird ein Thema sicher mit im Vordergrund stehen: Im Jahr 2014 dürften 200.000 Flüchtlinge in Deutschland Asyl beantragen. Wer darüber klagt, dem muss entgegengehalten werden, dass Anfang der 90er Jahre die Zahl schon mal deutlich höher war, als viele vor den Auseinandersetzungen auf dem Balkan flohen.

Dennoch ist das Problem ein ernstes. Darauf waren weder Bund und Länder noch die Kommunen vorbereitet, obwohl es absehbar war. Die Krisenherde in dieser Welt werden leider nicht weniger. Weltweit sind nach Schätzungen der UNO-Flüchtlingshilfe über 51 Millionen Menschen auf der Flucht.

Der Flüchtlingstransport ist auch ein Milliardengeschäft

Gescheitert ist vorerst auch die Vereinheitlichung der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik. Denn danach müsste ein Asylsuchender seinen Antrag in dem Mitgliedsstaat der EU stellen, den er zuerst betreten hat. Die Realität sieht aber anders aus. Züge aus Italien bringen nicht selten Hunderte von Asylsuchenden über Österreich nach Deutschland. Und wo dann die Endstation der Züge ist, ist eben auch Endstation für die Asylsuchenden.

Ungeachtet allen Elends, dem diese Menschen ausgesetzt sind, darf man auch nicht die Augen davor ­verschließen, dass der Transport von Flüchtlingen nach Deutschland und anderen europäischen Ländern mittlerweile zu einem Milliardengeschäft für Schleuserbanden geworden ist. Insofern kommen auch nicht immer die zu uns, die wirklich in Not sind, sondern oft diejenigen, die es sich leisten können.

"Deutschland ist aufgrund des demografischen Wandels unbestritten auf Zuwanderung angewiesen."

Derartige Diskussionen können zwar geführt werden, aber sie sind bezüglich der Menschen, die jetzt zu uns gekommen sind, müßig. Jetzt geht es um deren Integration; und zwar in gesellschaftlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht. All das kostet zunächst Geld – sowohl für Unterkünfte wie auch für Personal. Deshalb ist es zu be­grüßen, dass Bund und Länder sich auf zusätzliche Mittel für die Ver­sorgung der Asylbewerber geeinigt haben.

Auf den Prüfstand gehören zudem einige Verfahren wie die Quotierung bei der Verteilung der Flüchtlinge, die in manchen Ballungsräumen mit Wohnungsnot an Grenzen stößt. Auch leerstehende Kasernen müssen schneller genutzt werden können.

Junge Flüchtlinge sind hochmotiviert

Nun aber zu den wirtschaftlichen Aspekten der Migration: Deutschland ist aufgrund des demografischen Wandels unbestritten auf Zuwanderung angewiesen, um den Fachkräftebedarf decken zu können. Da geraten junge Flüchtlinge, auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, in den Fokus. Sie müssen rasch die deutsche Sprache erlernen und über Berufsorientierungsmaßnahmen für eine Ausbildung im Handwerk gewonnen werden. Kenner sagen, dass gerade diese Zielgruppe hochmotiviert ist, zu lernen und ihren Platz in Wirtschaft und Gesellschaft zu finden. Das muss das Handwerk nutzen.

Erfreulicherweise gibt es schon viele positive Beispiele von Betrieben und Handwerksorganisationen. Für einen umfassenden Erfolg sind aber noch dringende politische Weichenstellungen erforderlich. Betriebe wie Flüchtlinge müssen während der Ausbildung und auch einige Zeit danach Rechtssicherheit haben, dass nicht abgeschoben wird. Nur dann kann man von den Betrieben erwarten, dass sie Ausbildungs- und Praktikumsplätze anbieten.

So gilt der Spruch aus der Imagekampagne: Für das Handwerk ist nicht wichtig, wo jemand herkommt, sondern wo er hin will.

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