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Flechthandwerk und Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers Neue Handwerke in Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Die Deutsche UNESCO-Kommission und die Kultusministerkonferenz haben zwei neue Handwerke in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen: Das Flechthandwerk sowie die Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers.

In diesen Tagen haben zwei Menschen einen besonderen Grund zur Freude: Bernhard Mayrhofer, Fachgruppenleiter der Kirchenmaler, Restauratoren und Vergolder in Bayern, sowie Bundesinnungsmeister Siegfried Katz. Die Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers wurden ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nach dem UNESCO-Übereinkommen aufgenommen, ebenso dasFlechthandwerk.

Wichtiger Schritt zu Anerkennung auf internationaler Ebene

"Dass unser Antrag so schnell eine so durchschlagende Wirkung haben würde, hat uns auf ganzer Linie überrascht", sagt Katz über den deutschlandweiten Erfolg. Die Entscheidung sei außerdem ein weiterer wichtiger Schritt zu Anerkennung auf internationaler Ebene.

Flechtkultur zählt zu den ältesten, handwerklichen Techniken

Die Flechtkultur zählt zu den ältesten, handwerklichen Techniken der Menschheit, d ie über Jahrtausende auf die nachfolgenden Generationen übertragen und von diesen weiterentwickelt wurden. Die Bundesinnung hat ihren Sitz in Nagold (Baden-Württemberg), der Verein Flechtwerk in Beverungen (Nordrhein-Westfalen). Im Landkreis Lichtenfels (Bayern) ist die einzige Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Deutschland, die von jungen Auszubildenden aus allen Bundesländern und international besucht wird. Hier sind auch der Korbmarkt und das Deutsche Korbmuseum angesiedelt.

Handwerk des Kirchenmalers überall präsent

Auch Mayrhofer äußerte sich sehr erfreut nach der Bekanntgabe der Auszeichnung. "Wir sehen die Aufnahme als Wertschätzung für die Bemühungen, die Traditionen der Kirchenmalerei durch die Weitergabe in der Ausbildung für weitere Generationen zu erhalten", sagt er. All das, was heute in unseren Denkmälern betrachtet werden könne, sei von Baumeistern, Handwerkern und Künstlern geschaffen worden. So hätten Kirchenmaler seit jeher die Ausschmückung von sakralen und profanen Gebäuden übernommen.

Berufsschule der Kirchenmaler in München

Die meisten Kirchenmaler gibt es in Bayern, Baden-Württemberg und in Sachsen. Die Fachgruppe Kirchenmaler, Restauratoren und Vergolder in Bayern hat 45 Mitglieder. Darunter Einzelunternehmer, kleine Werkstätten und mittelständische Betriebe mit 50 Mitarbeitern. Bundesweit gibtes rund 200 Betriebe, die in diesem Bereich tätig sind. Jährlich besuchen zehn bis 20 angehende Kirchenmalerinnen und -maler aus dem ganzen Bundesgebiet die Berufsfachschule in München. Überbetriebliche Unterweisungen finden im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Schwaben in Augsburg statt. dhz

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