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Elektromeister aus Mittelfranken setzt auf Qualität Neue Gipspfanne: Standfest und leicht zu reinigen

Frustriert vom schleichenden Qualitätsverlust hat Elektromeister Harald Walter eine neue Gipspfanne entwickelt. Viele Gewerke könnten von deren Vorteilen profitieren, sagt der Erfinder.

In Zeiten des digitalen Wandels entstehen neue Produkte, die früher undenkbar gewesen wären. Aber die einfachen Dinge werden bei der Weiterentwicklung oft vergessen, meint Harald Walter aus Oberkrumbach. Und so kommt es, dass Gipspfannen heute fast ausschließlich als Billigware aus Fernost importiert werden. Sehr zum Leidwesen vieler Handwerker.

Harald Walter, der gemeinsam mit einem Meisterkollegen bei Nürnberg einen kleinen Elektrobetrieb leitet, wollte sich mit dem schleichenden Qualitätsverlust nicht länger abfinden und hat selbst ein Gipspfännchen entwickelt – made in Mittelfranken, wie er betont.

Pfanne aus silikonfreiem und schnittfestem Kunststoff

Der "Gipsprofi" vereint das traditionelle Handling mit neuester Technik, verspricht Walter. Als Elektromeister weiß er genau, worauf es zum Beispiel beim Eingipsen von Unterputzdosen ankommt: Eine gute Gipspfanne muss leicht sein, darf beim Abstellen nicht umkippen und angenehm in der Hand liegen. Das Abbinden des angerührten Materials sollte möglichst spät beginnen, was die Verarbeitungszeit verlängert. Gipspfanne und Spachtel oder Kelle sollten einfach und schnell zu reinigen sein.

Um all diese Eigenschaften perfekt umzusetzen, hat Walter als Material für seine Pfanne den silikonfreien Kunststoff TPU gewählt, der relativ schnittsicher ist, zugleich aber elastisch genug, um ausgehärteten Gips beim Säubern einfach herauszu­drücken. Für eine bessere Antihaftwirkung würden dem TPU geringe Mengen Wachs beigemischt, was keine negativen Auswirkungen auf die Deckkraft von Farben habe. Somit könne der Gipsprofi auch zum Streichen oder Rollen von Wandfarbe benutzt werden.

Für Rechts- wie Linkshänder geeignet

Eine gerade Abstreifkante sowie die umläufige Abstreiflippe sollen nicht nur das Handling verbessern, sondern vor allem die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen. Dank der glatten und gut zu reinigenden Oberflächen der Pfanne setze das Aushärten des Materials wesentlich später ein. Die Pfanne, in deren Innenseite einen Mengenskala beim Portionieren hilft, wird von einem Ring aus Edelstahl gehalten, der ebenfalls eine Abstreifkante besitzt. An ihr kann die Spachtel von ausgehärtetem Material gesäubert werden.

Da Pfanne und Ring drehbar gelagert und nicht fest miteinander verbunden sind, eignet sich der Gipsprofi für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen. „Jeder kann sich seinen Gipsprofi so ein­stellen, wie er am liebsten arbeitet“, sagt Elektromeister Walter.

Gipsprofi

Angewendet werden kann die Gipspfanne nicht nur im Elektro- oder Malerhandwerk. Sanitär- und Heizungsinstallateuren dient sie als rutschsicherer Behälter, mit dem zum Beispiel auslaufendes Wasser aufgefangen werden kann. Auch Trockenbauer, Stuckateure und Verputzer, Fliesen- und Estrichleger sowie Steinmetze schätzen den Gipsprofi, der sich sogar für die Verarbeitung von Epoxidharz eignet.

Bei der Herstellung seiner zum Patent angemeldeten Gipspfanne arbeitet Walter mit Handwerksunternehmen der Region zusammen. Die Formenbaufirma von Roland Reif in Hersbruck erstellte aus Walters 3D-Zeichnung ein Negativ für das Spritzgussverfahren. Nach dem 3D-Druck wurden bei Georg Appel in Edelsfeld die ersten Handmuster in Vakuumgusstechnik gegossen. Danach wurde bei der Firma KTF in Engelthal das Material ausgewählt und die ersten Gipsprofis produziert. Die ersten Metallringe nach Maß fertigte Kunstschmied Werner Seybold aus Aspertshofen. Abschließend wurden die ersten Muster in der Praxis getestet.

Die Montage der einzelnen Teile übernimmt er selbst. 1.500 Gipsprofis wurden über den Fachhandel bereits zum Preis von knapp 30 Euro netto verkauft, weitere 3.000 Stück hat Walter noch auf Lager.

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