Mobilität + Transport -

Das T-Modell im Test der Deutschen Handwerks Zeitung Neue E-Klasse: Ein Vorgeschmack auf das autonome Fahren

Wer sein Vertrauen in das autonome Fahren trainieren will, sitzt in der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz richtig. Auf Probefahrt mit dem T-Modell.

Mit einer Länge von knapp fünf Metern steht der Edel-Kombi wie ein riesiges Schiff vor der viel zu vollgestellten Garage. Aber der mit Sensoren und Elektronik ausgerüstete Daimler leitet selbst ängst­liche Fahrer sicher in jede noch so kleine Lücke, wenn er nur irgendwie hineinpasst.

Ausgerüstet mit Park-Paket und Fahrassistenz-Paket Plus wacht der Wagen über sein Umfeld, informiert den Fahrer optisch und akustisch über eventuelle Hindernisse. Eine Handbreit hinter dem Heck schließt sich das Rolltor.

Drive Pilot: Eine Vorstufe zum Auto Pilot

Das Einparken ist noch die leichteste Übung, will man die Vorzüge der neuen E-Klasse erkunden. Denn das Fahrassistenz-Paket Plus, das mit 2.856 Euro in der Aufpreisliste steht, bietet mit seinem Drive Pilot einen Vorgeschmack auf das autonome Fahren. So kann der Pilot den Abstand zum vorausfahrenden Wagen wählen und sich dann automatisch hinter diesem herkutschieren lassen. Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzung werden sicher erkannt und das Tempo wird automatisch gedrosselt.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase möchte man solche Nettigkeiten bald nicht mehr missen. Deutlich mehr Mut erfordert der Einsatz des Spurwechsel-Assistenten. Und so fährt ein mulmiges Gefühl mit, wenn der Überholvorgang mit einem langen Druck auf den Blinker eingeleitet wird.

Im Prinzip reicht es, die Füße von den Pedalen zu nehmen und das Lenkrad leicht zu berühren. Den Rest erledigt die Technik. Aber Vertrauen ist gut und noch erlaubt das Gesetz kein autonomes Fahren. Wer jedoch ein Gefühl dafür bekommen möchte, der sitzt in der neuen E-Klasse richtig.

Dass dieser Mercedes in der ersten Liga fährt, darauf dürfen die Kunden vertrauen. Auch wenn die bis zu den Fußmatten beige Innenausstattung des Testwagens nicht nur für Handwerker ungeeignet ist, bietet das Fahrzeug ansonsten den aus dem Hause Daimler gewohnten Standard.

Praktisch: Elektrisch ein- und ausfahrbare Anhängekupplung

Besonders praktisch für den gewerblichen Einsatz: die elektrisch ein- und ausfahrbare Anhängevorrichtung mit ESP-Stabilisierung für knapp 1.100 Euro Aufpreis. Statt niederknien und umständlichem Herumfuchteln unter dem Heck genügt ein Knopfdruck, um den Kombi in eine Zugmaschine zu verwandeln.

9G Tronic

Besonders überzeugen bei der zweiwöchigen Testfahrt konnte die Automatikschaltung 9G Tronic, in die über die Schaltwippen am Lenkrad auch manuell eingegriffen werden kann. Die Automatik arbeitet aber derart gut, dass dies überflüssig erscheint, zumal mehrere Fahrmodi zur Verfügung stehen.

Im Standard-Modus gleitet das T-Modell so elegant über die Straße, dass die Wechsel zwischen den neun Gängen unbemerkt bleiben. Wer mehr von den 258 PS erleben möchte, der bekommt im Modus Sport+ nicht nur die Schaltvorgänge zu spüren, sondern auch den Sound der Zylinder zu hören. Von den ohnehin illusorisch an­mutenden Verbrauchsangaben von 5,8 Litern entfernt sich der Diesel dann allerdings schnell in zweistellige Werte.

Bedienkomfort: Weniger wäre mehr

Gewohnt nobel präsentiert sich das Cockpit mit dem riesigen Bildschirm und dem Head-up-Display, das wie die digitalen Armaturen individuell konfigurierbar ist. Eigentlich eine Wohlfühlzone, wäre da nicht die überbordende Anzahl an Schaltern und Knöpfen. Viele Funktionen lassen sich gleich an mehreren davon einstellen, so dass der Fahrer schnell den Überblick verliert. So bietet das Stellrad in der Mittelkonsole teilweise die gleichen Funktionen wie das darüber befindliche Touchpad oder die mittleren Knöpfe am Lenkrad. Hier wäre weniger mehr.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das T-Modell der neuen E-Klasse von Mercedes nicht nur ein gewohnt komfortabler, sondern vor allem ein technisch wegweisender Kombi ist. Was sich freilich auch in der Preisliste niederschlägt. Der vorgestellte E 350 d hat einen Grundpreis von knapp 58.500 Euro. In der sehr hochwertig ausgestatteten Version des Testfahrzeugs summieren sich die diversen Extras auf einen Gesamtpreis von knapp 102.000 Euro.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten