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Treppenbau: Durch Zusammenarbeit zum Ziel Diese Brandschutztreppe aus Holz trotzt dem Feuer

In einer internationalen Projektgruppe haben drei Handwerksunternehmen erreicht, dass ihre Holztreppen als feuerhemmend zertifiziert wurden.

Holz und Brandschutz passen nur schwer zusammen. Der Laie denkt ans Lagerfeuer, der Sachbearbeiter an Bauvorschriften. Weil diese immer weiter verschärft wurden, können Altbauten mitunter nicht originalgetreu saniert werden. Wegen der Brandschutzauflagen müssten etwa Holz- durch Betontreppen ersetzt werden. "Aber das gibt die Statik der Gebäude oft gar nicht her", sagt Toni Bäthe, Geschäftsführer der Bäthe Treppen GmbH in Mühlhausen.

Der Holztechniker aus Thüringen tüftelt daher schon seit 2010 an einer Lösung, um Holztreppen feuerfester zu bekommen. Jetzt sieht er sich am Ziel. Zusammen mit Schreinermeister Anton Ihle aus Erbach-Ringingen in Baden-Württemberg und Zimmerermeister Helmut Hasler aus Bendern in Liechtenstein hat er eine Brandschutztreppe mit F30-Zertifizierung zur Markt­reife gebracht, die 15 Prozent feuerbeständiger ist als herkömmliche Modelle.

Die Feuerwiderstandsklasse F30 nach DIN 4102-2 besagt, dass das zertifizierte Produkt eine halbe Stunde lang bei einseitiger Beflammung tragfähig bleibt und die Temperatur auf der vom Brand abgewandten Seite nicht steigen darf. "Dadurch gewinnen Rettungskräfte und Hausbewohner im Ernstfall wertvolle Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können", sind sich die drei Treppenbauer der internationalen Projektgruppe einig.

Kontakt über Willibald-Mannes-Freundeskreis

Kennengelernt haben sich die Unternehmer 2017 über einen der Freundeskreise von Willibald Mannes. Der inzwischen 94-jährige Architekt und Zimmerermeister aus Oberkochen gilt in der Szene als Treppenpapst, dessen Fach­bücher in mehrere Sprachen übersetzt wurden und seinen Jüngern als eine Art Bibel dienen. Seit 1980 hat Mannes insgesamt vier Freundeskreise gegründet, in denen sich Treppenbauer aus dem deutschsprachigen Raum bei jährlichen Treffen austauschen.

Abbrandversuch

Bei der Entwicklung der Brandschutztreppe wurden die drei Treppenbauer aus Thüringen, Oberschwaben und Liechtenstein immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Zu beachten waren neben statischen Berechnungen vor allem Materialquerschnitte, Verschraubungen sowie die Zusammensetzung des Leims. Mehrfach mussten die Tüftler nach den Abbrandversuchen bei der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfanstalt für das Bauwesen (MFPA) in Leipzig Enttäuschungen hinnehmen. "Aber nur durch diese Rückschläge konnten wir das beste und sicherste Ergebnis erreichen", blickt Toni Bäthe zurück. Insgesamt vier Tests bei der MFPA waren nötig, ehe das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis für die Gebäudeklassen eins bis drei erteilt wurde. Das sind laut Musterbauordnung Gebäude bis zu einer Höhe von sieben Metern, in denen nur feuerhemmende Bauteile nach F30-Standard zugelassen sind.

Fire-Stop-Elemente zum Patent angemeldet

Als größtes Problem bei der Entwicklung der Brandschutztreppe stellten sich die Leimfugen heraus. Die Lösung fanden die drei Treppenbauer in einer mechanischen Sicherung, die sie als Fire-Stop-Elemente bezeichnen und bereits zum Patent angemeldet haben. Auch die Materialquerschnitte bei Wangen und Trittstufen mussten erhöht werden, damit das brennbare Material lange genug den Flammen standhält.

Trotzdem eignet sich nicht jede Holzart für die Brandschutztreppe, wie die Tests bei der MFPA Leipzig mit diversen Hölzern und in verschiedenen Einbausituationen ergeben haben. Wichtigste Erkenntnis: Je höher die Rohdichte des Holzes, desto schlechter brennt es. Letztlich kann die Brandschutz­treppe in Eiche, Esche, Hainbuche, Kambala oder Amazakoue angeboten werden.

Beim Preis veranschlagen die drei Treppenbauer mindestens das Doppelte gegenüber einem vergleichbaren Standardprodukt. Das liegt nicht nur an den dickeren Brettern aus hochwertigen, teuren Hölzern. "Wir können praktisch keine Halbzeuge verwenden, müssen in der Werkstatt alle Teile selbst herstellen und montieren. Der höhere Aufwand schlägt sich natürlich bei den Kosten nieder", erklärt Helmut Hasler, der zusammen mit seinem oberschwäbischen Berufskollegen Anton Ihle schon seit 2009 die H+I Treppentechnik AG betreibt, die europaweit Treppenbauer mit Zubehör versorgt.

Corona-Krise: Sorgenvolle Blicke in die Zukunft

Zu Beginn der Corona-Krise hatten alle drei Treppenbauunternehmen der Projektgruppe volle Auftrags­bücher, sogar erste Brandschutz­treppen wurden schon eingebaut. Noch spüren die Unternehmer nur leichte Einschränkungen. "Nach der ersten Schockstarre läuft bei uns das Tagesgeschäft wieder, natürlich mit großer Vorsicht bei Kundenkontakten und auch im Betrieb halten wir die Abstandsregeln ein", sagt Toni Bäthe. Seine Partner sehen das ähnlich, arbeiten mit den Einschränkungen weiter. Anton Ihle hat vorsichtshalber Kurzarbeit beantragt, ohne schon davon Gebrauch zu machen.

Die Zukunft sehen Helmut Hasler und Anton Ihle allerdings eher pessimistisch. " Diese Krise wird uns härter treffen als die von 2008", sagt Hasler, der im Treppenbau mit einbrechenden Umsätzen rechnet. Die Zinssenkungen in Folge der Finanzkrise vor gut zehn Jahren hätten einen Bauboom ausgelöst. "Wenn jetzt viele Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen oder gar ihren Job verlieren, werden sie sich mit Investitionen zurückhalten", glaubt auch Ihle an schwierige Zeiten, die bevorstehen.

Wenigstens können die drei Treppenbauer dann mit einem besonderen Produkt aufwarten. Wenn die wegen der Corona-Pandemie geltenden Beschränkungen aufgehoben werden, wollen sie bei Vorträgen zum Beispiel bei Treppenbauverbänden oder Sachverständigentagen ihre Brandschutztreppe vorstellen. Ziel ist es, Schreinereien und Tischlereien im gesamten deutschsprachigen Raum mit der Brandschutztreppe zu versorgen, damit diese sie ihren Kunden anbieten und einbauen können. Den Vertrieb übernimmt die Firma Bäthe für Nord- und Mitteldeutschland, die Schreinerei Ihle für Süddeutschland und die Firma Franz Hasler für die Schweiz und Österreich.

Betriebe im Kurzporträt

Bäthe Treppen GmbH  
Die 1936 von Ortwin Welling gegründete Tischlerei konzen­triert sich seit 2003 komplett auf Holztreppenbau. Aktuell sind 37 Mitarbeiter beschäftigt. Neben dem Firmensitz in Mühlhausen gibt es noch Standorte in Erfurt und Karlsruhe.

Schreinerei und Treppenbau Ihle GmbH  
Das Unternehmen wurde 1993 von Anton Ihle gegründet und hat sich von Beginn an auf Treppenbau spezialisiert. Aktuell sind 36 Mit­arbeiter beschäftigt. Neben dem Firmensitz in Erbach- Ringingen gibt es noch Standorte in Bergatreute und Ehningen.

Franz Hasler AG  
Das 1923 gegründete Unternehmen in Bendern (Liechtenstein) wird in vierter Generation von den Brüdern Peter und Helmut Hasler geführt. Aktuell sind 70 Mitarbeiter in den Bereichen Holzbau, Solar und Baumanagement beschäftigt.

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