Oberfranken -

Kompetenzzentrum Digitales Handwerk Nahe am Betrieb und dessen Praxis

Die Digitalisierung der Wirtschaft muss beim Mittelstand ankommen, davon ist Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries überzeugt. Entsprechend beeindruckt zeigte sich die Bundeswirtschaftsministerin bei einem Besuch von der Arbeit des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk (KDH) Süd.

„Sie arbeiten nahe am Betrieb und dessen individuellen Anfordernissen“, lobte Zypries. „So entstehen praxisorientierte Lösungen, die für die Unternehmer einen konkreten anschaulichen Mehrwert bringen.“

Die Bundeswirtschaftsministerin bildete sich dieses Urteil aus den Eindrücken von den erfolgreich umgesetzten Praxisprojekten, dem neu aufgebauten Digitalen Innovationspfad der Kammer und dem bereits jetzt erfolgenden Transfer und Export des Digitalisierungswissens in die duale, berufliche Ausbildung. „Ich freue mich, dass die von uns mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk gesteckten Ziele und Aufgaben hier in Bayreuth so konsequent und engagiert verfolgt werden“, sagte Zypries.

Digitale Innovationen

Der Digitale Innovationspfad, den die Handwerkskammer direkt in ihr Berufsbildungs- und Technologiezentrum integriert hat, zeigt an ganz verschiedenen Beispielen und Handwerksberufen auf, welche digitalen Lösungen es heute schon für die Handwerksbetriebe gibt. „Ob RFID, digitales Aufmaß, 3-D-Druck, ERP-Systeme, effiziente Betriebsorganisation, IT-Sicherheit/Datenschutz oder elektronische Geschäftsprozesse – wir zeigen hier schon jetzt, wie diese Technologien dem einzelnen Handwerksbetrieb nutzen können“, erklärte die Projektleiterin des Kompetenzzentrums, Johanna Erlbacher.

Inzwischen geht es an der HWK für Oberfranken schon um eine mögliche Weiterentwicklung des KDH über den zugesagten Förderzeitrahmen hinaus. „Für unsere Betriebe ist es wichtig, dass das KDH über das Jahr 2018 hinweg fortgeführt wird und – so unser Vorschlag – zu einem Digitalen Innovations- und Anwenderzentrum ausgebaut wird“, betonte der Präsident der HWK für Oberfranken, Thomas Zimmer, der sich in seiner Funktion als Vizepräsident des ZDH (Zentralverband des Deutschen Handwerks) auch für das Engagement der Ministerin rund um die Digitalisierungsaktivitäten im Handwerk bedankte.

„Dazu werden wir das KDH zunächst ab 2018 mit Unterstützung von Bund und Land mit einem Volumen von drei Millionen Euro technologisch weiterentwickeln“, ergänzte HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller. „Aber wir brauchen zusätzlich noch weiteres Personal und Projektmittel.“ Über einen Zeitraum von fünf Jahren belaufen sich diese Kosten zusammen auf 1,5 Millionen Euro.

„Ich freue mich, dass die von uns mit dem Kompetenz­zentrum Digitales Handwerk gesteckten Ziele und ­Aufgaben hier in Bayreuth so konsequent und engagiert verfolgt werden.“ Brigitte Zypries

Bundeswirtschaftsministerin Zypries informierte sich auch darüber, wie das in Bayreuth gewonnene Wissen an andere Kammern, Innovations­berater und weitere Multiplikatoren weitergegeben wird. Schließlich ist das Bayreuther KDH als eines von bundesweit nur vier Zentren Ansprechpartner für Handwerksbetriebe in ganz Süddeutschland.

Dabei konnte das Kompetenzzentrum mit seinen guten Zahlen punkten. In den 17 Monaten des Bestehens hat das KDH mit einer Vielzahl an Veranstaltungen, Unternehmerdialogen und Schulungen schon über 2.300 Teilnehmer erreicht, dazu kommen vier erfolgreich abgeschlossene, innovative Umsetzungs- und Transferprojekte. „Wir hatten“, bilanzierte der Hauptgeschäftsführer, „bereits nach einem Jahr unsere Kapazitätsgrenze erreicht.“

Weitere Angebote nötig

Der Bedarf bei den Betrieben ist aber noch immer sehr groß. „Unsere Betriebe haben die Chancen der Digitalisierung erkannt und spiegeln uns großes Interesse an Beratung und Unterstützung wider“, sagte Zimmer. Vor allem seien niederschwellige ­Angebote gefragt, wie das KDH selbst eines sei. Es würden aber auch in Bayern weitere Angebote gebraucht, etwa wie das von Digitallotsen nach baden-württembergischem oder rheinland-pfälzischem Vorbild.

Der HWK-Präsident formulierte in diesem Zusammenhang auch einen über das KDH hinausgehenden, politischen Wunsch. „Genauso wichtig wie die Begleitung der Handwerksbetriebe ist uns die Verankerung digitaler Arbeitsprozesse in der beruflichen Bildung. Auch vor diesem Hintergrund wünschen wir uns eine Bund-Länder-Initiative für den bislang nur in Bayern beschlossenen ‚Pakt für Berufliche Bildung‘ und eine Kofinanzierung von Bund und Ländern für Digitalisierungsmaßnahmen in den Betrieben und in unseren Berufsbildungs- und Technologiezentren.“

Die Bundeswirtschaftsministerin, deren Ministerium das KDH im Rahmen der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ fördert, nahm die Anregungen und Wünsche der HWK mit Interesse auf. Zypries verwies zusätzlich auf das neue Förderprogramm „go-digital“, das ihr Ministerium Mitte Juli gestartet hat. „Das ist ein weiterer Schritt, um kleinere und mittlere Unternehmen auf ihren Weg in die Digitalisierung konkret zu begleiten.“

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