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Laschet, Schulze und Baerbock beim ZDH-Forum Nachhaltiges Wirtschaften ist mehr als Klimaschutz

Beim ZDH-Forum betonen mehrere Politiker die Rolle des Handwerks beim Thema Nachhaltigkeit. Wichtige Themen waren der Erhalt der Umwelt, die Überlebensfähigkeit von Unternehmen und ein bisschen Wahlkampf.

Ohne die Wirtschaft sind die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung nicht zu erreichen. Das weiß auch Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und neuer CDU-Vorsitzender. "Ich bin dagegen nach der Krise die Steuern zu erhöhen", sagt er auf dem ZDH-Forum zum Thema Nachhaltigkeit. Noch stecke Deutschland mitten in der Pandemie, aber danach komme es darauf an, sehr schnell wieder wirtschaftliche Kräfte für Investitionen zu mobilisieren. Außerdem brauche Deutschland mehr Tempo bei Verfahren und Genehmigungen. "Auch die Energiewende wird nicht gelingen, wenn wir so planen, wie wir immer planen", fügt er hinzu.

Wollseifer: Politik sollte die Erfahrung der Betriebe stärker nutzten

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer betont auf dem ZDH-Forum mit dem Titel "Wir denken in Generationen" die seit Jahren im Handwerk gelebte Nachhaltigkeit. Etwa wenn es um die Frage der langfristigen Sicherung der Betriebe, der Beschäftigung, der Fertigkeiten und der Ausbildung gehe. "Nachhaltigkeit heißt für uns auch, Verantwortung und Verbundenheit, wirtschaftliche Chancen in einer nachhaltigen Entwicklung zu sehen", sagt er. "Unsere Betriebe und unsere Beschäftigten haben eine ganze Menge einzubringen." Er appelliert an die Politik, sich mit den Betrieben auszutauschen und das Handwerk stärker an der Umsetzung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu beteiligen.

Bundeskabinett hat neue Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen

Eine überarbeitete Fassung hat das Bundeskabinett am Vortag beschlossen. Darin legt die Bundesregierung dar, dass zum Erreichen der 2015 von den Vereinten Nationen und zahlreichen Ländern festgelegten Zielen zur Erhaltung der langfristigen Lebensgrundlagen auch Deutschland bis 2030 mehr Anstrengungen unternehmen muss. Angefangen bei Klimaschutz und Energiewende über ressourcenschonendes Wirtschaftswachstum bis zu einer guten Ausbildung für alle.

Laschet: Nachhaltigkeit jetzt auf allen politischen Ebenen

Diese Nachhaltigkeitsstrategie erfasst nach den Worten von Laschet neben der europäische und der Bundesebene jetzt auch die Landesebene und reicht bis zu den Kommunen. So habe Nordrhein-Westfalen diese Woche sein Klimaschutzgesetz novelliert. Dabei gehe es auch um Klimaanpassung, etwa um die Frage, wie sich Städte auf Hitzesommer einstellen könnten. Und damit gibt es nach Ansicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auch für das Handwerk noch mehr Arbeit.

Schulze: Handwerk für Klimaschutz von entscheidender Bedeutung

Dies gelte zum einen für die energetische Gebäudesanierung. "Der Gebäudebestand soll Mitte des Jahrhunderts spätestens klimaneutral sein", hebt sie hervor. "Das Handwerk mit seinen vielen kleinen und mittleren Unternehmen ist für den Klimaschutz wirklich von entscheidender Bedeutung."  Auch solle Ressourceneffizienz gesteigert und die Lebensdauer von Produkten durch bessere Reparaturmöglichkeiten erhöht werden. "Niemand im Land weiß besser als die Handwerker, was Nachhaltigkeit in der Praxis bedeutet."

Baerbock für Senkung der EEG-Umlage

Auch Annalena Baerbock, die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen sieht im Handwerk einen wichtigen Akteur bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Sie wolle Betriebe dabei unterstützen, nach der Krise wieder auf die Füße zu kommen. Auch ihr sei klar, dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit wirtschaftlich sein muss. Wenn mehr elektrifiziert werden solle, dürfe dem kein zu hoher Strompreis im Wege stehen. "Deshalb brauchen wir neben einer Besteuerung von C02 gerade auch die Senkung bei der EEG-Umlage", sagt sie. Baerbock weist außerdem auf das Engagement des Handwerks in der dualen Bildung hin. Im Sinne einer nachhaltigen Wirtschafts- und Bildungspolitik sei sie deshalb dafür, "dass wir den Meisterbrief ähnlich wie ein Studium zukünftig kostenfrei stellen".

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