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Craft Beer von Singh Bräu Nachhaltig Brauen: So funktioniert‘s

Daniel Singh braut Bier – nachhaltig von der Bierkiste bis zum Braurest. Aufwendig, aber lohnenswert, wenn man sich bewusst nicht an den Standards der großen Brauereien orientieren muss. Was für den 23-jährigen Braumeister alles dazugehört.

Ein nachhaltiger Vorteil von Bier: Man muss die Rohstoffe dafür nicht importieren. Wasser, Hopfen, Malz und Hefe kann man als regionale Zutaten kaufen. Als Brauer, der sich regional aufstellen und mit einem nachhaltigen Betriebskonzept aufstellen möchte, sind das schon einmal gute Voraussetzungen. Mit diesen ist auch Daniel Singh angetreten, als er im vergangenen Jahr seine Brauerei gegründet hat.

Von Holzbierkästen bis zum Recyclingglas

Doch noch mehr als die regionalen Zutaten gehört für den 23-jährigen Braumeister dazu, der sich zur sogenannten Craft-Beer-Szene zählt. Statt Kunststoffkisten nutzt er welche aus Holz, um seine Bierflaschen zu transportieren – aber dennoch als Pfandsystem wie die großen Brauereien. "Weil wir so klein sind, müssen wir uns nicht an die Konventionen des Großhandels anpassen", beschreibt Singh seine Kisten, die weder hoch stapelbar noch besonders leicht sein müssen. Er verkauft sein handwerklich gebrautes Bier an private Bierliebhaber über seinen Bottle-Shop, der nur einmal in der Woche geöffnet hat, an die regionale Gastronomie und über kleine Läden nahe seiner Produktionsstätte im baden-württembergischen Sulzbach an der Murr. Seine Holzbierkästen bekommt er direkt von den Käufern und muss sich nicht an ein Pfandsystem anpassen, dass bundesweit greift. Bewusst will er auf Plastik verzichten.

Gedanken gemacht hat sich Daniel Singh zudem über die Bierflaschen, die er verwenden möchte. Zwar wird Bier in Deutschland hauptsächlich in Pfandflaschen verkauft, aber entscheidend für die Nachhaltigkeit ist dabei auch die Herkunft des Glases. "Meine Flaschen sind aus vergleichbar dünnen Glas, das merkt man schon am Gewicht", sagt Singh und meint damit auch, dass sie weniger Glasmasse enthalten. Außerdem sind sie aus Recyclingglas.

Bierverkauf ohne standardisierte Verfahren

Auch hier muss sich und möchte sich der Brauer durch sein Konzept, qualitativ sehr hochwertiges Bier inklusive hochwertiger Verpackung und Design sowie auch einem vergleichsweise hochwertigen Preis nicht standardisierte Verfahren anpassen, sondern er setzt auf Individualität und dass seine Kunden erkennen, auf welche Details er auch in Sachen Nachhaltigkeit Wert legt. Entsprechend hoch ist aber auch der Aufwand seiner Bierproduktion und allem Drumherum. Singh Bräu produziert rund 500 Hektoliter Bier pro Jahr. Im Vergleich dazu produzieren große Brauereien etwa 250.000 Hektoliter Bier pro Jahr.

Daniel Singh hat seine Brauerei erst vergangenen Oktober gestartet. Zuvor hat er den akademischen Abschluss des Diplom-Braumeisters in Weihenstephan erlangt. Seine Biersorten beschreibt er selbst vor allem anhand von besonderen und sehr fruchtigen Gerüchen wie das "Indian Pale Ale" mit dem Geruch nach frischen Waldbeeren und Zitrusfrüchten oder sein "Woiza" mit einer feinen Bananennote. Auch für das Ende jedes Brauprozesses, dem sogenannten Sud, hatte Singh noch eine nachhaltige Idee. Die Braureste aus Getreide, den Treber, gibt er seinem Nachbarn, einem Bauern. Dieser verfüttert sie an seine Kühe. Die Handwerkskammer Region Stuttgart hat Daniel Singh erst kürzlich als "Persönlichkeit im Handwerk" in der Kategorie "Gründer" ausgezeichnet.

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