Unternehmensführung -

Letzter Teil der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Nachfolge im Handwerk: "Die Skepsis war anfangs sehr groß"

Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. Im letzten Teil der Nachfolge-Serie verrät Sascha Trotto, Geschäftsführer Rolf Becker Stuckateurbetrieb, was ihn bei der Betriebsübergabe besonders gefordert hat.

In seiner alten Firma konnte Sascha Trotto als Angestellter nicht immer seine Vorstellungen umsetzen. "Die Frage lautete für mich deshalb, ob ich mich dem dauerhaft füge oder mir lieber selbst etwas aufbaue und dabei ein gewisses Risiko eingehe", sagt der Stuckateurmeister und Gebäudeenergieberater im Handwerk. Gemeinsam mit seiner Frau Annarita Trotto, die in Italien Restauration studiert hat, entschloss sich Sascha Trotto schließlich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Bei der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald führten die beiden ein erstes Gespräch, wie sich ihr Plan am besten umsetzen lässt. Dabei brachte der Berater sie auf die Idee, nicht ein ganz neues Unternehmen zu gründen, sondern sich die gewachsenen Strukturen einer eingesessenen Firma zu Nutze zu machen, die zur Übergabe ansteht.

Plattform hilft bei Betriebssuche

Über die Unternehmensbörse nexxt-change.org, die u. a. vom Zentralverband des Deutschen Handwerks unterstützt wird, stießen die Trottos auf den Stuckateurbetrieb Rolf Becker in Heidelberg. Sascha Trotto kannte die Firma bereits über die Neffen des Betriebsinhabers, die mit ihm damals die Meisterschule besucht hatten. In den Übernahmegesprächen zeigte sich schnell, dass die Vorstellungen des alten und des künftigen Betriebsinhabers gut zusammenpassen.

"Man kann sich den Aufwand vorher schwer vorstellen."

Bei der Übergabe griffen die Trottos auf das Know-how der Handwerkskammer zurück. "Man kann sich vorher schwer vorstellen, welcher Aufwand mit einer Firmenübernahme verbunden ist. Aber am Ende hat alles gut geklappt", sagt Sascha Trotto. Er hat von seinem Vorgänger das gesamte Geschäftsinventar und auch die fünf Mitarbeiter übernommen. Dank der bereits vorhandenen Aufträge und der guten Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger lief die Übergabe für die Kunden fast unbemerkt über die Bühne.

Die größte Herausforderung bestand darin, das Vertrauen der Belegschaft für den neuen Chef zu gewinnen, der von außen in die Firma kam und dazu noch deutlich jünger ist als alle anderen Mitarbeiter. "Die Skepsis war anfangs sehr groß und ich habe viel Unsicherheit gespürt. Ich habe dann in persönlichen Gesprächen klargemacht, dass ich niemanden loswerden will und auf die bestehenden Strukturen aufbauen möchte", sagt Trotto.

Langfristig Expansion geplant

In den nächsten Jahren will er mit seiner Frau das Geschäft stabilisieren, längerfristig ist eine Expansion das Ziel. Zwei neue Azubis hat Trotto bereits in die Firma geholt und will auch künftig mehr Fachkräfte selbst ausbilden.

Als große Unterstützung empfindet Trotto die Hilfe seiner Frau. "Ich hatte anfangs Bedenken, ob es gut für die Beziehung ist, wenn wir zusammenarbeiten. Doch das klappt von allem am besten", sagt Trotto, der seinen Mut zur Selbstständigkeit bislang nicht bereut hat.

Lesen Sie hier Teil 1 bis 5 der Nachfolge-Serie:

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