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Mittelstandspolitik Nachfolge, Fachkräfte, Flüchtlinge: Viele Baustellen im Handwerk

Ob Fachkräftemangel, Digitalisierung oder Schwierigkeiten bei der Finanzierung – mittelständische Unternehmen stehen vor einer Reihe von Herausforderungen. Politik und Wirtschaft haben sich jetzt auf ein Aktionsprogramm verständigt.

In den kommenden Jahren stehen viele mittelständische Unternehmen vor großen Veränderungen. „Unternehmen suchen nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer, sie suchen auch Fachkräfte“, nannte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zwei wichtige Themen, die Unternehmen – inklusive Erbschaftsteuer - bei der Regelung ihrer Nachfolge umtreibt.

Neben der zukunftssicheren Gestaltung des Generationswechsels hat sich Gabriel mit den Spitzenvertretern der Wirtschaft außerdem über weitere mittelstandsfreundliche Weichenstellungen verständigt. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer begrüßte das gemeinsame Aktionsprogramm. "Es ist gut, dass mehr für die Wirtschaft gemacht wird", sagte er auch mit Blick auf die Digitalisierung und den Aufbau eines eigens für das Handwerk ausgerichteten Kompetenzzentrums.

Gabriel sieht Spielraum bei der Bewertung von Unternehmen

Angesichts des vom Kabinett beschlossenen Gesetzesentwurfs zur Erbschaftsteuer sagte Gabriel: "Im Grundsatz ist das völlig in Ordnung". Er räumte allerdings ein, dass man über das Bewertungsgesetz durchaus noch reden könne. Damit nahm der Wirtschaftsminister eine Kritik des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, auf.

Dieser forderte neben neuen Verschonungsregeln auch eine Änderung der Bewertung von Unternehmen. Es könne nicht sein, dass es in Niedrigzinsphasen zu völlig überteuerten Unternehmenswerten komme, kritisierte er. Denn nach dem vereinfachten Bewertungsverfahren steigt in der Erbschaftsteuer automatisch die Bemessungsgrundlage für das unternehmerische Vermögen, wenn die Zinsen sinken.

Dies hatte gerade in den vergangenen Jahren zu bizarren Entwicklungen geführt. Wie Schweizer sagte, sei schwer nachvollziehbar, dass beispielsweise ein Unternehmen mit einem Umsatz von einer Million Euro und einem Gewinn von 55.000 Euro vor vier Jahren 700.000 Euro und heute bei gleichem Gewinn eine Million Euro Wert sein solle.

Darüberhinaus forderte er zur Entlastung von Unternehmen, dass Abschreibungen auf Kleinstinvestitionen zumindest auf 1000 Euro angehoben und die Aufbewahrungsfrist von Steuerunterlagen auf fünf Jahre gesenkt werden sollten.

Eigenes Kompetenzzentrum für das Handwerk

Einig waren sich die Beteiligten, dass die mittelständische Wirtschaft an der Digitalisierung nicht vorbeikommt und sie als Chance begreifen muss. ZDH-Präsident Wollseifer begrüßte, dass das Bundeswirtschaftsministerium hier die Betriebe bei der Qualifizierung der Mitarbeiter unterstützen wolle und eines von fünf Kompetenzzentren eigens für das Handwerk bestimmt sei.

Wie Gabriel weiter sagte, will die Regierung bis 2020 jedes Jahr rund eine Milliarde Euro in die digitale Infrastruktur in Deutschland investieren. Dabei dürften auch ein passender Rechtsrahmen und ein geeigneter Schutz von Daten und Wissen nicht fehlen, forderte Rheinhold Festge, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Damit Unternehmen Investitionen in die Digitalisierung oder in andere Bereiche besser bewerkstelligen können, soll außerdem das Wagniskapital gestärkt werden. Auch sollen Bürgschaftsbanken bei der Erweiterung ihrer Produktpalette unterstützt werden.

Gabriel will bessere Perspektiven für Flüchtlinge in Ausbildung

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels unterstrich ZDH-Präsident Wollseifer die Notwendigkeit, schon unter den Schülern für eine Unternehmer- und Gründerkultur zu werben. Nur so könne der notwendige Nachwuchs für die Unternehmen gefunden werden. Gabriel würdigte die Anstrengungen des Handwerks bei der Ausbildung von jungen Leuten, einschließlich von Flüchtlingen. Wie das Handwerk hoffe auch er, den Koalitionspartner CDU/CSU noch davon zu überzeugen, dass junge Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten hierzulande nicht nur eine Ausbildung absolvieren, sondern anschließend noch mindestens für zwei Jahre arbeiten dürfen, ohne eine Abschiebung befürchten zu müssen.

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