Halle (Saale) -

Christian Stutzer führt Geschäft weiter Nachfolge bei Landfleischerei in Belleben geglückt

Der Weg zur eigenen Fleischerei verlief für Christian Stutzer über einige Umwege. Aber seit Februar ist der 31-Jährige Inhaber der Landfleischerei in Belleben.

Sein Wecker klingelt früh, obwohl er kein Bäcker ist. Christian Stutzer ist Fleischermeister und beginnt seinen Arbeitstag um drei Uhr. Zwar macht sein Laden in der Ortschaft Belleben bei Könnern erst um 8.30 Uhr auf, aber bis die Ware dort verkaufsgerecht in der Kühltheke liegt, ist viel Vorbereitung nötig. Mit dem zeitigen Aufstehen ermöglicht Christian Stutzer es seinen Kunden, früh Produkte zu kaufen, die in der Nacht frisch geliefert und dann anschließend vor Ort von ihm selbst verarbeitet werden.

Seit acht Jahren arbeitet der 31-jährige Familienvater aus Wiendorf in der Fleischerei – seit Februar 2018 gehört der Betrieb ihm. Bis zum eigenen Geschäft war es ein langer Weg. Nachdem er die Schule beendet hatte, begann Christian Stutzer eine Fleischerlehre im nahe gelegenen Gerlebogk. Schon damals hatte er sich eigentlich um eine Ausbildungsstelle in dem Betrieb beworben, der heute ihm gehört. Allerdings bildeten die damaligen Besitzer nicht aus, und so kam es zur Absage. Nach absolvierter Fleischerlehre blieb der Geselle noch ein Jahr im Betrieb in Gerlebogk, bevor er zur Bundeswehr einberufen wurde.

Anschließend bewarb er sich erneut bei der Landfleischerei Hilmer in Belleben, erhielt jedoch wieder eine Absage. Es folgten ein Job im Supermarkt und später eine Anstellung als Tierpfleger beim Landwirt. Im September 2010 ergab sich wieder eine Chance, bei der Bellebener Fleischerei zu arbeiten. „Zwei Mitarbeiter verließen den Betrieb. Der Sohn des Eigentümers wollte studieren und ein weiterer Angestellter ging in Rente“, erzählt Christian Stutzer. Er bewarb sich erneut, arbeitete einen Tag zur Probe und bekam die Stelle.

Sein nächstes Ziel: der Meistertitel. Ihm sei immer klar gewesen, dass er seinen Meister machen wolle, so Christian Stutzer. Im Jahr 2016 begann er die Meisterausbildung bei der Handwerkskammer Halle (Saale) und absolvierte sie innerhalb eines Jahres. „Es ging zügig und alles hat gut geklappt“, sagt er. Zu diesem Zeitpunkt war bereits lange klar, dass er den seit 1992 existierenden Betrieb von Werner und Renate Hilmer übernehmen will, wenn diese in Rente gehen. Das Verhältnis zu seinem Chef war immer gut und ist es auch jetzt noch nach der Übernahme. „Er ist wie ein zweiter Vater für mich, und er kommt auch heute noch jeden Tag vorbei – nicht nur zum Einkaufen, sondern auch, um zu gucken, was so los ist“, berichtet Christian Stutzer.

Gesellensuche ist schwierig

Im Februar 2018 verkauften die Hilmers und aus der Landfleischerei Hilmer wurde die Landfleischerei Christian Stutzer. Zu den üblichen Tätigkeiten eines Fleischers kamen für den neuen Inhaber nun auch die eines Geschäftsführers hinzu. Bestellungen, Buchhaltung – alles macht Christian Stutzer jetzt allein. „Am Anfang kam ich jeden Tag halb sieben aus dem Betrieb und meine Woche endete erst sonntags halb zwölf“, schaut er zurück. Inzwischen arbeitet auch seine Frau in der Fleischerei und unterstützt ihn. Angestellt sind zudem zwei weitere Frauen im Verkauf. Die Suche nach einem Gesellen für die Produktion gestaltete sich jedoch schwierig. Es sei schwer, gute Leute zu finden, sagt Christian Stutzer.

Der Fleischer, der sein Handwerk von der Pieke auf gelernt hat, hat bisher noch niemanden gefunden, der ihn in der Produktion tatsächlich unterstützen kann. Besonders junge Leute, die in den Großfabriken lernen, fehle es an den nötigen Kenntnissen. Mit Nachwuchs sehe es in seinem Gewerk generell nicht gut aus, er sei in der Gegend der Jüngste. „Hätte ich die Fleischerei nicht übernommen, wäre es schwer geworden, einen Nachfolger zu finden“, erzählt er. Ganz früher habe es im Ort einmal drei Fleischerläden gegeben, heute sei seiner der einzige. Komplett aufgegeben hat Christian Stutzer die Suche nach gutem Personal aber noch nicht. „Es müsste aber jemand mit Herzblut sein, der wirklich dahintersteht“, sagt er.

Meistergründungsprämie beantragt

Die Übernahme des Betriebes verlief gut. Es kommen sogar mehr Leute als vorher zum Einkaufen. Am Warenangebot hat der Fleischer nichts verändert. „Wir haben hauptsächlich Stammkunden. Besonders gut verkaufen wir Leberwurst, Rotwurst und Ähnliches. Ab Dezember gibt es auch wieder unsere Rotweinbratwurst. Das Rezept hat ein Kunde vor vielen Jahren aus Ungarn mitgebracht“, berichtet Christian Stutzer. Zusätzlich bietet er täglich selbst gekochte Suppen an, und seitdem der Bäcker nebenan geschlossen hat auch Brötchen. Den dafür angeschafften Heißluftofen sowie eine Kippbratpfanne zur Suppenzubereitung und eine neue Mengmaschine kann er wahrscheinlich dank der Meistergründungsprämie des Landes Sachsen-Anhalt zu einem großen Teil finanzieren.

Nach einem langen Tag wird es für Christian Stutzer gegen 16 oder 17 Uhr in der Regel Zeit, Feierabend zu machen. Dann geht es nach Hause zur Familie, bevor am nächsten Tag wieder vor drei Uhr der Wecker klingelt.

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