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Unerlaubte Werbung auf Social Media Nach Klage von Friseur: Facebook muss 50.000 Euro zahlen

Gegen Facebook hat man als Einzelner keine Chance. Oder etwa doch? Der Friseur Gezim Ukshini aus Hannover wollte nicht akzeptieren, dass Facebook für sein Geschäft ungewollt Werbung macht. Und bekommt Recht.

Als Freunde ihn auf seine Facebookseite ansprachen war Gezim Ukshini überrascht. Der 46-Jährige, der in Hannover den Salon "Coiffeur Sultan" betreibt, hatte sich und seinen Salon nie bei Facebook angemeldet. "Ich will mit diesem Netzwerk nichts zu tun haben. Meine ganze Familie ist nicht bei Facebook angemeldet", sagt Ukshini im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Facebook erstellt eine "nicht verwaltete Seite"

Er ging der Sache auf den Grund und tatsächlich existierte auf Facebook eine Seite für seinen Salon. "Dort waren Fotos meines Ladens abgebildet und Daten wie meine Telefonnummer, das wollte ich nicht", erzählt der Friseur im Interview weiter.

Facebook hatte eine so genannte nicht verwaltete Seite für den Salon eingerichtet. Das passiert automatisch, wenn ein Facebook Nutzer einen Ort besucht, für den noch keine Facebookseite existiert. Auf diese Seite hatte Gezim Ukshini keinen Zugriff. Der US-Konzern schaltete außerdem noch Werbung der Konkurrenz auf der Seite des "Coiffeur Sultan".

Gezim Ukshini verklagt Facebook

Gezim Ukshini war verärgert und beschwerte sich bei Facebook. Das Unternehmen riet ihm ein eigenes Facebook-Konto zu eröffnen, dann werde die Seite gelöscht. Ukshini fühlte sich erpresst und klagte vor dem Landgericht Hannover auf Löschung der Seite.

Das Landgericht Hannover hatte im Dezember 2016 zu Gunsten von Ukshini entschieden. Laut diesem Urteil stellt die ungefragte Werbung für den "Coiffeur Sultan" eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Geschäftsinhabers dar. Mit diesem Urteil hätte Facebook die Seite löschen müssen – doch nichts geschah. Monate später war sie noch immer online.

Der Friseur klagte erneut. Im Februar 2018 wies das Landgericht einen Einspruch von Facebook gegen das Urteil zurück. Auch mit einer Berufung am Oberlandgericht Celle scheiterte das Unternehmen. Nach einem zweijährigen Rechtstreit muss der Internetkonzern nun 50.000 Euro Strafe an die Landeskasse Hannover zahlen.

Ersatzweise drohen dem Irland-Chef des Konzerns laut Gerichtsbeschluss zehn Tage Ordnungshaft. Die Seite des Coiffeurs ist inzwischen verschwunden, das Geschäft taucht nur noch mit Name und Ortsangabe auf. dhz

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