Wiesbaden -

Handwerk aus Leidenschaft Nach drei Insolvenzen in die Selbstständigkeit

Die Eisenmann Werbetec GmbH hat Bundessiegerin Nina Kolodzeike im Schilder- und LicEin echter Familienbetrieb muss nicht zwangsläufig nur aus Familienmitgliedern bestehen. Das beweist die Eisenmann Werbetec GmbH in Wiesbaden mit ihrer inzwischen übernommenen Auszubildenden Nina Kolodzeike.

„Er ist quasi mein Patenonkel“, sagt die 20-Jährige über Guntram Eisenmann. Kolodzeike hat bei ihm Schilder- und Lichtreklameherstellerin gelernt, wurde übernommen. Der Gesellenbrief mit der Note „sehr gut“ hängt prominent auf dem Flur. Ob bald der Meisterbrief folgt?

Auserkorene Nachfolgerin

Es spricht eigentlich nichts dagegen. Ende Oktober wurde sie in Mühlheim am Main als eine der besten Nachwuchshandwerkerinnen Hessens ausgezeichnet – und wurde dann auch noch zur Bundessiegerin gekürt. Das Ganze bringt ein Stipendium der Handwerkskammer Wiesbaden mit sich, das der Fortbildung dienen soll. Schon an der Realschule in Biebrich war Kolodzeike die Zweitbeste ihres Jahrgangs, von der Berufsschule und ihren Lehrern schwärmt sie regelrecht. Kein Wunder, schließlich ist ihr Vater einer davon.

Und er ist, seit Guntram Eisenmann ihn ausgebildet hat, auch ein enger Freund des Betriebsinhabers. Die beiden spielen zusammen bei der kultigen Guggemusik-Kapelle „Die Räubers“. Eisenmann, auch als scharfzüngiger politischer Büttenredner bekannt, baut seit über 40 Jahren Wagen für den Wiesbadener Fastnachtsumzug. „Und Nina ist meine auserkorene Nachfolgerin“, betont er. Begründung: „Wir zwei sind im Prinzip diejenigen, die es können.“ Nina Kolodzeike liegt die Fastnacht im Blut, sie war Turniertänzerin im Gardetanz beim Tanzsportclub Nordenstadt. „Ich habe von klein auf mitgeholfen, die Fastnachtswagen zu gestalten“, sagt sie. Und so entwickelte sich Schritt für Schritt das Interesse am Beruf ihres Vaters.

Kreativ sein und anpacken

Bei Eisenmann wird natürlich noch viel mehr gemacht. Autos und Schaufenster werden bestückt, Logos und Corporate Designs entwickelt, Lichtwerbung und Banner gestaltet. Von den sieben Mitarbeitern wurden drei selbst ausgebildet. Darunter auch Nina Kolodzeike, die, bevor es im September „richtig“ losging, noch nach Köln, Brügge, Bayern und in den Harz reiste sowie einige Heavy-Metal-Festivals besuchte. Kreativ sein und anpacken, das mag sie an ihrem Beruf.

Eisenmann legte 1984 seine Meisterprüfung ab und machte sich 20 Jahre später selbstständig. „Ich bin dreimal mit demselben Arbeitgeber in die Insolvenz gegangen“, erzählt er, „dann habe ich mir gesagt: Mehr als schiefgehen kann es nicht. 36 Stunden war ich arbeitslos.“ 2010 kam sein Mitstreiter Stephan Greulich dazu, seither ist Eisenmann Werbetec eine GmbH.

Die Startbedingungen waren gut, Eisenmann war vorher im Vertrieb tätig, nahm reichlich Kontakte mit. Los ging es in Schierstein in einem Gewächshaus, das Bruder und Schwägerin ihm gegen ganz kleines Geld überließen. „Im Sommer habe ich in Badehose gearbeitet, im Winter im Militärmantel“, lacht Eisenmann, „meine Frau hat die Buchhaltung gemacht, nach drei oder vier Jahren kam der Sohn hinzu.“

Kritische Phasen habe es, über das übliche Auf und Ab hinaus, nicht gegeben. Daher gelang auch bald der Sprung raus aus dem Gewächshaus ins Gewerbegebiet Nordenstadt. „Hier wurden früher Pornos gedreht. In unserer Produktionshalle wurden die Filme verpackt“, erzählt Eisenmann mit breitem Grinsen im Gesicht, doch auch der Fastnachter in ihm verkneift sich weitergehende Anspielungen. 2.000 Quadratmeter ist die Betriebsfläche in etwa groß. Anfangs war Eisenmann stark im Messebau vertreten, bis nach Paris ging es.

Knochenarbeit, die Geld brachte, um den Betrieb zu entwickeln. „Inzwischen arbeite ich dem Messebau fast nur noch zu“, sagt er. Osteuropäische Konkurrenten hätten die Preise vermiest. Karstadt ist ein wichtiger Auftraggeber, deutschlandweit. Wenn besonders viel los ist, hilft Nina Kolodzeikes Onkel mit, der als freier Messebauer arbeitet. Guntram Eisenmanns Sohn Enrico ist auch mit an Bord.

Um die Zukunft seines Betriebs macht sich Eisenmann keine Sorgen. Angst mache ihm, dass die Arbeiten mehr und mehr automatisiert vonstattengingen. Doch die Mitarbeiterstruktur ist jung, Anpassungen an Neuerungen sollten leichter fallen. „Ich überlege, es in mehrere Hände zu geben“, sagt der 57-Jährige, der sich schon darauf freut, mit dem Motorrad durch die Weltgeschichte zu brettern. „Aber zehn Jahre werde ich hier wohl noch rumspringen.“ In seinem Familienbetrieb.

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