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Kosten für Betriebsfeiern Musterprozess zur steuerlichen Behandlung von Betriebsveranstaltungen

Meldet sich ein Prüfer des Finanzamts zu einer Lohnsteuerprüfung an, interessiert es sich meist brennend für die durchgeführten Betriebsveranstaltungen. Denn wenn die Kosten je Arbeitnehmer mehr als 110 Euro betragen, muss für den übersteigenden Betrag Lohnsteuer ans Finanzamt abgeführt werden und der Vorsteuerabzug kippt komplett. Ein unternehmerfreundliches Urteil des Finanzgerichts Köln könnte diesen Prüfungsschwerpunkt entschärfen. Doch nun muss der Bundesfinanzhof in einem Musterprozess entscheiden.

Grundsätze zur steuerlichen Behandlung der Weihnachtsfeier & Co.

Bei zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr fällt keine Lohnsteuer an, wenn die Teilnehmerkosten brutto nicht über 110 Euro liegen. Wird dieser Betrag pro Teilnehmer überschritten, hat das folgende Konsequenzen:

  • Freibetrag bei Lohnsteuer: Für den übersteigenden Betrag muss der Arbeitgeber Lohnsteuer ans Finanzamt abführen. Konkret: Kosten je Teilnehmer für die Weihnachtsfeier 150 Euro, bedeutet Lohnversteuerung von 40 Euro.
  • Freigrenze bei Umsatzsteuer: Sobald die 110-Euro-Grenze überschritten ist, kippt der Vorsteuerabzug komplett.

Findet eine dritte Betriebsveranstaltung im Jahr statt, gelten diese Grundsätze mit den 110 Euro nicht mehr. Bei drei Betriebsveranstaltungen im Jahr ist für eine der drei Veranstaltungen Lohnsteuer ans Finanzamt abzuführen. Für welche Veranstaltung die Besteuerung erfolgen soll, kann der Arbeitgeber frei wählen.

Bei Ermittlung der 110-Euro-Höchstgrenze sind zwei Besonderheiten zu beachten. Darf ein Arbeitnehmer eine Begleitperson mitbringen, sind auch für diese Begleitperson die Kosten für die Teilnahme zu ermitteln. Diese Teilnahmekosten sind dem Arbeitnehmer zuzurechnen.

Beispiel: Die Kosten je Teilnahme am Sommerfest betrugen pro Teilnehmer 80 Euro, wobei jeder Arbeitnehmer eine Begleitperson mitbringen durfte. Folge: Die Teilnahmekosten des Arbeitnehmers betrugen somit 160 Euro. Lohnsteuer ist abzuführen und der Vorsteuerabzug kippt.

Die zweite Besonderheit musste aktuell das Finanzgericht Köln prüfen. Denn bei Ermittlung der Teilnehmerkosten ist nach Ansicht auf die tatsächliche Anzahl der teilnehmenden Gäste abzustellen und nicht auf die eingeladenen Gäste. Doch diese Auffassung kippte das Finanzgericht Köln nun überraschend (FG Köln, Urteil v. 27.6.2018, Az. 3 K 870/17).

Beispiel: Ein Arbeitgeber hat seine Mitarbeiter zur Weihnachtsfeier in Form eines professionellen Kochkurses eingeladen. Die Kosten je Teilnehmer, die eingeladen wurden und zusagten, betrugen 100 Euro. Steuerlich also alles im grünen Bereich. Doch nachdem einige Gäste kurzfristig absagten, betrugen die Kosten auf einmal 120 Euro je Teilnehmer. Das Finanzamt forderte daraufhin Lohnsteuer und kippte den Vorsteuerabzug.

Die Kölner Richter entschieden entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung im BMF-Schreiben v. 14.10.2015 (Az- IV C 5 – S 2332/15/100001), dass Absagen von geladenen Gästen steuerlich nicht zu Lasten der tatsächlich feiernden Arbeitnehmer gehen dürfen. Mit anderen Worten: Bei Ermittlung der 110-Euro-Grenze ist auf die Anzahl der Zusagen zur Feier abzustellen.

Musterprozess: Einspruch und Antrag auf Aussetzung der Vollziehung notwendig

Das vor dem Finanzgericht Köln unterlegene Finanzamt hat gegen die Entscheidung die Revision beim Bundesfinanzhof beantragt. Bis dieser Musterprozess entschieden ist, wird das Finanzamt die vom Finanzgericht Köln aufgestellten Rechenregeln erst einmal ablehnen. Für betroffene Arbeitgeber bedeutet das Folgendes:

  • Gegen Haftungsbescheide anlässlich einer Lohnsteuerprüfung sollte in vergleichbaren Fällen Einspruch eingelegt werden.
  • Zudem sollte mit Hinweis auf den Musterprozess beim Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 31/18) ein Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragt werden.

Dann heißt es abwarten und hoffen, dass das Urteil des Finanzgerichts Köln vom Bundesfinanzhof bestätigt wird.

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