Panorama -

Marktführer in Sachen Bewegung auf der Bühne Must-haves für fliegende Popstars

Die Firma Movecat bringt Bewegung auf die Bühnen dieser Welt – immer mit dem Anspruch, die Technik ständig zu verbessern.

Andrew Abele stapelt tief. "Wir machen nichts Spektakuläres", sagt der Chef der Firma Movecat. Wenn man berücksichtigt, was die Zuschauer von den Produkten der Firma zu sehen bekommen, mag er Recht haben. Aber ohne die Technik von Movecat würde Superstar Adele vielleicht nicht so sicher über die Bühnen dieser Welt schweben. Der Geschäftsführer erklärt anschaulich, was sein Unternehmen leisten kann: Bis zu 240 Antriebe bewegen gleichzeitig Kulissen, Bühnen, Darsteller und Technik mit- und gegeneinander über Theater-, Konzert-, Musical- und Fernsehshow-Bühnen – und das bei voller Kollisionsüberwachung.

Dafür bauen die Techniker aus Nufringen bei Stuttgart Kettenzüge, Winden, Antriebe und Steuerungen. Ob bei "The Voice of Germany" oder dem Eurovision Song Contest – die Firma sorgt dafür, dass sich auf der Bühne alles bewegt, was sich bewegen soll.

Den Grund für den Erfolg des Unternehmens verortet Andrew Abele vor allem in der eigenen Beweglichkeit und Innovationsbereitschaft, etwa wenn es um die Umsetzung besonderer Wünsche geht. "Verfügbarkeit ist alles in diesem Geschäft", sagt der umtriebige Firmenchef. Für eine Castingshow zum Beispiel setzt die Firma, wenn es sein muss, alle Hebel in Bewegung. Movecat muss dann mit wenig Vorlauf unter Umständen sehr flexibel und schnell reagieren. Wenn die Redaktion samstags entscheidet und montags darauf die Produktionsfirma der Show mit dem Wunsch anruft, dass die Bühne beim nächsten Mal fliegen soll, dann arbeitet Movecat so lange wie nötig an einer Lösung.

Wenn nötig, bekommt Adele halt eine ganz neue Lösung

Für solche Fälle hat das Unternehmen einen großen modularen Baukasten mit Werkzeugen und Geräten. Doch darauf ruhen sich die Schwaben nicht aus. Wenn es sein muss, überlegen sich Abele und seine 60 Mitarbeiter gänzlich neue Lösungen. Für die Welttournee von Adele 2017 musste zum Beispiel eine weltweit zulässige Funkfernsteuerung für Kettenzüge her – zu diesem Zeitpunkt ein Novum. Am Ende blieben sechs Wochen Zeit für den Prototyp.

Solche Anfragen sind aber nicht nur technisch eine Herausforderung. Gerade unter Sicherheitsaspekten sind manche Lösungen sehr anspruchsvoll. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Technik auf Bühnen weltweit funktionieren muss. Viele Veranstaltungshallen sind jedoch Jahrzehnte alt und halten bestimmte Belastungen gar nicht aus.
Die Anforderungen wachsen fortlaufend. Die Kettenzüge und Winden müssen manchmal Traglasten von bis zu mehreren Tonnen bewegen.

Sicherheit ist elementar

Sicherheit ist deshalb elementarer Teil des Geschäfts. Ein Versagen der Technik kann sich das Unternehmen nicht erlauben. Immer wieder forschen und entwickeln die Nufringer deswegen auch an Lösungen, die die funktionale Sicherheit erhöhen können. Mit LoCo haben die Abeles vor zwei Jahren ein elektronisches Lastmesssystem zur Überwachung und Auswertung von Lasten eingeführt. Sensoren, die direkt an einen Schäkel, also einem mit einer Schraube verschließbaren, marktüblichen Tragering, angebaut werden, ermitteln fortlaufend das Gewicht der Lasten, um mögliche Überlastungen sofort per Kabel, Funk oder simplem LED-Farbcode an die zuständigen Techniker zu senden. Für ihre Entwicklung hat Movecat vor zwei Jahren den Innovationspreis der Volksbanken und Raiffeisenbanken bekommen.

Eigene Entwicklungen waren von Anfang an Teil des Geschäftsmodells. Wobei Andrew Abele und sein Bruder vor 35 Jahren ihren als nahezu klassisch zu bezeichnenden Einstieg ins Geschäft noch nicht als solches verstanden haben: die Teenie-Disco in der Kirchengemeinde. Zu jener Zeit gab es nicht viel an Lightshow, vielleicht eine Lichtorgel mit drei verschiedenfarbigen Lampen.

So blieb den Abele-Brüdern und ihren damals noch am Geschäft beteiligten Freunden nichts anderes übrig, als zu improvisieren. Eine Lichtorgel entwickelten die passionierten Bastler schließlich selbst. Der gelernte Fernmeldeelektroniker erzählt, wie sich die Brüder Scheinwerfer aus der Luftfahrt besorgten, weil es in der Bühnentechnik keine Leuchtmittel mit gebündeltem Lichtschein gab. Das Gehäuse dazu wurde kurzerhand selbst konstruiert.

Von der Dorfdisco zu Fanta 4

Die Discos waren schließlich so erfolgreich, dass immer mehr Anfragen über die Gemeindegrenzen hinaus eingingen. Bands erbaten technische Betreuung für Auftritte und so stiegen die Abeles ins Tourneegeschäft ein. Irgendwann, Anfang der 90er Jahre entstand der Kontakt zur Stuttgarter Musikszene, mit den damals aufstrebenden "Fantastischen Vier". Mit der Band entwickelten die Abeles eine damals vollkommen neuartige Bühnenshow mit Pyrotechnik, Video, Windmaschinen und Jalousien mit Bühnenbildern – fortan ein Maßstab für die technische Umrahmung eines Konzerts.

Während ausgefeilte Shows in den Folgejahren immer wichtiger wurden, fehlte es dennoch weiter an Gerätschaften zur Umsetzung der Ideen. "Wir hatten plötzlich einen Markt, für den es keine Technik gab", erinnert sich Abele. Und die Brüder werkelten weiter an System- und Gesamtlösungen für jede Art von Veranstaltung. Das Angebot von Movecat, das zu jener Zeit noch "Think Abele" hieß, traf auf eine Nachfrage, die in zweistelligen Raten wuchs und immer spektakulärere Formate forderte.

"Da herrschte teilweise Goldgräberstimmung", so der Firmenchef. Jede Messeshow eines Autoherstellers musste immer noch mehr bieten als die vorhergehende. Mit der Expo im Jahr 2000 in Hannover erreichte die Zahl und die Dimension der Großveranstaltungen einen vorläufigen Höhepunkt.

Plötzlich fand das Große-Feste-Feiern ein Ende

2001 fand der Boom dann ganz plötzlich sein Ende. Mit den Terroranschlägen vom 11. September brach die Welle des Große-Feste-Feierns ab. Shows wurden aus Pietätsgründen abgesagt. Gigantomanie war auf einmal verpönt. Mit gravierenden Folgen: Um rund 50 Prozent brachen die Umsätze ein. Für "Think Abele" war dieser Einschnitt existenzgefährdend. Die Firmenchefs mussten harte Maßnahmen ergreifen und das Unternehmen gesundschrumpfen – von rund 100 auf acht Mitarbeiter.

"Für mich persönlich war das menschlich die härteste Phase", sagt der 51-Jährige und hält kurz inne. Die Firma aufzugeben kam damals jedoch nicht infrage. Stattdessen investierten die Brüder weiter ins Unternehmen und kehrten ihrem All-in-one-Konzept den Rücken. Ihnen sei klar geworden, dass man nicht in allen Bereichen der Veranstaltungstechnik erfolgreich sein könne.

Abeles konzentrierten sich seither auf den Bereich kinetische Bewegung auf der Bühne – und dabei auf ihr Alleinstellungsmerkmal: flexible, modulare, schnell verfügbare Systeme. Bewusst setzt sich Movecat, wie die Firma seit der verstärkten Internationalisierung heißt, das Ziel, jedes Jahr zehn neue Produkte am Markt zu platzieren – mit wirklichem Innovationswert. Abele zieht sogar den Vergleich mit Apple, die auch Dinge produzierten, an denen letztlich niemand wirklich vorbeikomme: "Ziel ist es früh zu erkennen, was die Kunden in der Zukunft wirklich benötigen und daher haben möchten."

Innovationsführer für kinetische Lösungen

Andrew Abele, der sich als strategischer Kopf des Unternehmens begreift, lässt sich dafür von anderen Branchen inspirieren. Oder von den Kunden. Dafür setzen sich Andrew, Bruder Thomas als Fertigungsleiter und Oliver Nachbauer als kaufmännischer Geschäftsführer mit Künstlern, Technikern und Designern zusammen. Ihr Einsatz zahlt sich aus. Dieses Jahr gab es für die Fähigkeit, neu zu denken, den Innovationspreis der "Top 100". Die Jury sieht Movecat als Innovationsführer bei kinetischen Lösungen für Bühnen, Studios und Shows.

Beispielhaft für diesen Anspruch steht die Winde, die Abele begeistert beschreibt: ein aus Aluminium bestehender Rahmen ohne Schweißnähte, eine höhere Tragkraft, extrem verwindungssteif und in jeder Lage einsetzbar, ob horizontal oder vertikal. Nichts Spektakuläres vielleicht, aber eventuell bald ein weiteres Must-have in Sachen Sicherheit für fliegende Popstars.

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