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Steuerregeln für Unternehmer und Angestellte Trinkgeld: Immer noch üblich, aber nicht immer steuerfrei

Nach einem erledigten Auftrag ein Trinkgeld vom Kunden zu bekommen, ist auch heute noch meist üblich im Handwerk. Die Höhe dieses Bonus variiert jedoch und Handwerkskunden machen das Trinkgeld meist an der Leistung fest. Wer regelmäßig Trinkgelder erhält, sollte auch die Steuerregeln dazu kennen – diese sind nicht immer steuerfrei.

In den Handwerksbranchen mit direktem Kundenkontakt gehören Trinkgelder auch heute noch zum Alltag. Zwar bezahlt nicht mehr jeder Handwerkskunde automatisch diesen Bonus, doch zum guten Ton gehört er meist dann, wenn Arbeiten besonders schnell oder besonders gut erledigt wurden. Als Richtschnur gelten in Restaurants und Cafés oftmals zwischen fünf und zehn Prozent des Rechnungsbetrags. Da die Rechnungssummen im Handwerk jedoch eine große Spannweite haben, lassen sich derartige Festlegungen kaum treffen.

Die Höhe variiert, dass es auf den Umfang des Auftrags ankommt und natürlich auch, wie groß das Budget des Kunden ist. Grundsätzlich geht es dabei um eine Anerkennung der Leistung und nicht um einen Zusatzlohn, den Handwerker bereits fest einkalkulieren.

SHK-Handwerk: Großzügiges Trinkgeld für den Notfall

Das bestätigt auch Frank Ebisch, Sprecher des Zentralverbands des SHK-Handwerks. "Die Betriebe rechnen nicht damit, aber sie freuen sich dennoch sehr darüber", sagt Ebisch, der sich in der Branche umgehört und erfahren hat, dass Trinkgelder meist noch üblich sind. Dabei sagen die einen, dass grundsätzlich eher ältere Kunden mehr Trinkgeld geben als jüngere. Andere wiederum erkennen keine Unterschiede beim Alter der Trinkgeldgeber. Ähnlich ist das bei der Frage danach, ob es heute weniger Trinkgeld gibt als noch vor ein paar Jahren. "Die einen sagen dazu ganz klar ja, die anderen erkennen keine Veränderung", erklärt der Verbandssprecher.

Alle erkennen jedoch zwei wichtige Faktoren: So seien Kunden dann großzügiger beim Trinkgeld, wenn der Handwerker wegen einem Notfall oder zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit kommen muss. Des Weiteren spielt die Leistung eine große Rolle. "Wenn Kunden sehen, dass die Arbeiten gut durchgeplant sind, wenn beispielsweise die neue Heizung wirklich wie abgesprochen an einem Tag installiert ist oder wenn eine Badsanierung genau so verläuft, wie ursprünglich vorgesehen, dann zahlt sich das im wahrsten Sinne des Wortes aus", sagt Ebisch.

Es ist ein Geben und Nehmen, denn wenn der Handwerker Qualität liefert, wird diese auch häufiger mit einem finanziellen Bonus belohnt. Andersherum freut sich der Handwerker, wenn seine gute Leistung anerkannt wird und ein Trinkgeld dafür rausspringt.

Von 50 Cent bis fünf Euro: Trinkgeld im Friseurhandwerk

So sieht das auch Antonio Weinitschke, Art Director des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, der selbst einen Friseursalon betreibt und aus der Praxis berichtet. Trinkgelder für die Mitarbeiter seien nach wie vor üblich in Friseurbetrieben. Die Höhe der Trinkgelder sei sehr unterschiedlich. "Für kleine Dienstleistungen geben Kunden zwischen 50 Cent und zwei Euro. Für größere Dienstleistungen werden auch schon mal fünf Euro gegeben", sagt Weinitschke. In der Regel sei es meisten so, dass dort wo die Preise niedriger sind, die Trinkgelder auch kleiner ausfallen. In hochpreisigen Salons fallen die Trinkgelder auch schon mal höher aus.

Aus Sicht des Verbandsvertreters rechne kein Unternehmer oder Mitarbeiter fest mit dieser Zuwendung der Kundschaft. "Es ist keine Selbstverständlichkeit", sagt er. So würden die Betriebe Trinkgelder auch nicht fest bei der Bezahlung von Mitarbeitern mit einkalkulieren. Der Friseurverband führt nach eigenen Angaben eine Tarifpolitik ungeachtet dessen, dass es Trinkgelder gibt. Dass in Reiseführern geschrieben steht, dass für Restaurantrechnungen und Dienstleistungen in manch einem europäischen Land rund zehn Prozent Trinkgeld üblich sei, findet Weinitschke für Deutschland nicht zutreffend. Das sei in seiner Branche nicht üblich.

Trinkgeld: Das gilt steuerlich

Üblich oder nicht: Erhalten Angestellte oder der Unternehmer selbst Trinkgelder von Kunden, wird dieses Trinkgeld meist als persönliche Anerkennung des Kunden für die saubere handwerkliche Leistung angesehen. Auch das Finanzamt interessiert sich für Trinkgelder. Denn leider sind Trinkgelder nicht immer steuerfrei, auch wenn das von Handwerkern in der Praxis meist so gehandhabt wird.

Grundsatz für Arbeitnehmer: Trinkgelder sind steuerfrei

Erhält ein Arbeitnehmer eines Handwerksbetriebs Trinkgeld von einem Kunden und darf es behalten, ist die freiwillige Zuwendung nach § 3 Nr. 51 EStG in voller Höhe steuerfrei. Zu den Trinkgeldern gehören auch die üblichen Geld- oder Sachgeschenke an Weihnachten oder Neujahr.

Beispiel 1: Eine im Friseursalon angestellte Mitarbeiterin bekommt für die geleistete Arbeitszeit ein Gehalt von 800 Euro. Zusätzlich erhält sie von Kunden monatlich rund 350 Euro Trinkgelder. Als Arbeitslohn zu versteuern, sind nur die 800 Euro. Das freiwillig von den Kunden bezahlte Trinkgeld ist nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei.

Beispiel 2: Ein Metzgermeister beliefert einen fremden Metzger mit seinen Fleischprodukten. Ein Angestellter liefert die Ware an den Kunden und bekommt dafür im Monat zwei Kästen Bier von dem Kunden geschenkt. Auch hierbei handelt es sich um ein freiwilliges Trinkgeld, das steuerfrei ist.

Praxis-Tipp: Aufgrund der Steuerfreiheit der Trinkgelder an Arbeitnehmer nach § 3 Nr. 51 EStG sind solche freiwilligen Zuwendungen auch nicht sozialversicherungspflichtig.

Keine Aufzeichnungen im Lohnkonto: Da freiwillig vom Kunden gezahlte Trinkgelder an den Arbeitnehmer nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei sind, muss der Arbeitgeber im Lohnkonto keine Aufzeichnungen über die vom Arbeitnehmer erhaltenen Trinkgelder führen. Mit anderen Worten: Der Arbeitnehmer muss seinem Chef nicht mitteilen, wie viel er an Trinkgeldern bekommen hat.

Praxis-Tipp: Klar freuen sich Arbeitnehmer, dass sie Trinkgelder steuerfrei kassieren dürfen. Doch auf das Berufsleben über Jahrzehnte betrachtet, ist natürlich ein höheres steuerpflichtiges Bruttogehalt besser als steuerfreie Trinkgelder. Denn Trinkgelder sind nicht nur steuer-, sondern auch sozialversicherungsfrei. Wer einen Großteil seines Gehalts als steuerfreies Trinkgeld bezieht, wird später nur eine minimale Rente erhalten. Das sollte unbedingt beachtet werden.

Wann Trinkgelder an Arbeitnehmer steuer- und abgabenpflichtig sind

Die Trinkgelder an Arbeitnehmer können aber auch steuer- und abgabenpflichtig sein. Das haben verschiedene Urteile in der Vergangenheit be­leuchtet. Zu nennen sind insbesondere folgende Stolperfallen:

Zahlungen in Spielbanktronc: In einem Urteil zu Trinkgeldern in einer Spielbank, kamen die Richter zu einer Steuer- und Abgabenpflicht der Trinkgelder, weil die Gäste der Spielbank das Trinkgeld nicht der Mitarbeiter persönlich gaben, sondern dem Spielbanktronc (Trinkgeldkasse beim Roulette, Anm. d. Red). Die gesammelten Trinkgelder wurden dann gezählt und an alle Mitarbeiter aufgeteilt. Das Trinkgeld wurde hier als steuer- und abgabenpflichtiger Arbeitslohn behandelt, weil ein freiwilliges Trinkgeld ein Mindestmaß an persönlicher Beziehung zwischen Trinkgeldgeber und Trinkgeldnehmer voraussetzt.

Beispiel: In einem Kosmetik- und Friseursalon wird eine Kundin von verschiedenen Mitarbeiterinnen behandelt. Am Ende gibt sie nicht jeder Mitarbeiterin ein Trinkgeld, sondern wirft das Trinkgeld in ein riesiges Sparschwein, dessen Inhalt allen Mitarbeitern zu Gute kommt. Vielleicht auch denjenigen, die die Kundin gar nicht betreut haben. Hier könnte ein Lohnsteuerprüfer des Finanzamts das Urteil zur Spielbank aus dem Hut zaubern und Trinkgelder besteuern.

Bedienungszuschlag: Wird in Gaststätten offen ein Bedienungszuschlag ausgewiesen, der dem Personal arbeitsrechtlich zusteht, liegt steuer- und abgabenpflichtiger Arbeitslohn vor. Die Trinkgeldzahlung ist nicht mehr freiwillig und der Arbeitnehmer hat einen Rechtsanspruch darauf.

Anerkennungsprämien: Besteht ein Handwerksbetrieb aus mehreren Gesellschaften und die Muttergesellschaft zahlt an die Mitarbeiter einer anderen Gesellschaft eine Anerkennungsprämie, handelt es sich bei dieser Anerkennungsprämie nicht um ein steuerfreies Trinkgeld.

Trinkgeld an Unternehmer ist stets zu versteuern

Bekommt nicht ein Arbeitnehmer von Kunden Trinkgeld, sondern der mitarbeitende Unternehmer selbst, greift die Steuerfreiheit des § 3 Nr. 51 EStG nicht. Die Versteuerung des Trinkgelds hat folgende steuerliche Konsequenzen:

  • Betriebseinnahmen: Die an den Unternehmer gezahlten Trinkgelder sind als Gewinn erhöhende Betriebseinnahmen zu erfassen und aufzu­zeichnen.
  • Umsatzsteuer: Die Trinkgelder gehören umsatzsteuerlich zur Bemessungsgrundlage nach § 10 Abs. 1 UStG. Das bedeutet im Klartext: Der Unternehmer muss für sein erhaltenes Trinkgeld auch Umsatzsteuer ans Finanzamts abführen.
 

Praxis-Tipp: Nun könnten Unternehmer auf die Idee kommen, gegen die Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern und Unternehmern vor Gericht zu ziehen. Ist schon passiert und die Richter des Sächsischen Finanzgerichts bestätigten klipp und klar die Steuerpflicht der an den Unternehmer bezahlten Trinkgelder (Finanzgericht Sachsen, v. 09.03.2011, Az.: 4 K 1932/10).  

Beispiel: Ein Unternehmer betreibt zusammen mit seiner Frau eine Bäckerei und eine Konditorei. Er kümmert sich um die Herstellung der Back­waren und Torten, die Ehefrau um den Verkauf im Café. Die Ehefrau erhält als Unternehmerin im Jahr 3.000 Euro Trinkgeld. Die Umsatzsteuer muss aus den 3.000 Euro herausgerechnet werden: 3.000 Euro : 119 x 19 = 478,99 Euro Umsatzsteuer. 

In Handwerksbranchen, in denen Trinkgelder an den Unternehmer selbst zur Tagesordnung gehören, ist es also sträflich, wenn kein Cent Trinkgeld als umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahme erfasst wird. Hier kommt es in aller Regel zu einer Zuschätzung des Finanzamts. Darum besser, einen kleinen Betrag zu versteuern, als einen unangemessen hoch geschätzten Betrag versteuern zu müssen. 

Praxis-Tipp: Die Trinkgelder an den Unternehmer müssen nicht nur als Einnahme erfasst werden, sie müssen bei einer elektronischen Registrierkasse auch in den täglichen Kasseneinnahmen erfasst werden. In einem Urteilsfall kippten die Richter die Ordnungsmäßigkeit der Kassenführung unter anderem, weil ein Friseur sein Trinkgeld in einem Sparschwein sammelte und nicht in der Kasse erfasste (FG Münster, Urteil v. 29.3.2017, Az. 7 K 3675/13 E,G,U). jtw/kös

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